Awo-Skandal

Frankfurt: Taylan Burcu zahlt nicht

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Der Frankfurter Grünen-Landtagsabgeordnete lässt Zahlungsaufforderung verstreichen. Insolvenzverwalter der pleite gegangenen Firma Awo Protect will 45.000 Euro erstattet haben.

Frankfurt -Der Frankfurter Landtagsabgeordnete der Grünen, Taylan Burcu, will die Geldforderung des Insolvenzverwalters der zahlungsunfähigen Awo Protect gGmbH offenbar nicht erfüllen. Der Liquidator der Sicherheitsfirma der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt hatte den Politiker aufgefordert, rund 45 000 Euro zu Unrecht bezogenes Gehalt zu erstatten. Wie der gerichtlich bestellte Abwickler gestern auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte, hat Taylan Burcu die gesetzte Frist verstreichen lassen, ohne den Geldbetrag zu überweisen. Damit dürfte dem Insolvenzverwalter nun nur noch der Klageweg bleiben, um die Forderung durchzusetzen. Der Grünen-Abgeordnete wollte sich vorgestern "aufgrund laufender Klärungen" gegenüber dieser Zeitung nicht zur Sachlage äußern.

Taylan Burcu schloss im Mai 2018 einen schriftlichen Arbeitsvertrag mit der Sicherheitsfirma Awo Protect gGmbH, war aber laut eigener Auskunft nicht für das Frankfurter Unternehmen tätig, sondern mit der Gründung einer Tochterfirma der Awo Wiesbaden beschäftigt, und zwar als deren Geschäftsführer.

"Meine Anmeldung bei der noch zu gründenden Awo ProServ war zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich", so Taylan Burcu in einer persönlichen Erklärung, veröffentlicht auf seiner Homepage. Die Awo Wiesbaden und die Awo Protect gGmbH hätten deshalb schriftlich eine Kooperation vereinbart, wonach er bei der Protect beschäftigt beziehungsweise angemeldet werde, seine Arbeitskraft "aber ausschließlich für die Gründung und die Tätigkeiten der Awo ProServ" verwendet habe.

"Die Lohnkosten sollten gemäß der schriftlichen Vereinbarung zwischen den beiden Gesellschaften der Protect von der ProServ nach ihrer erfolgten Gründung erstattet werden", so Burcu. "Mit dem originären Geschäftsbetrieb der Awo Protect hatte ich keinerlei Berührungen." Genau deshalb verlangt nun der Insolvenzverwalter die 41 000 Euro zuzüglich Arbeitgeberanteilen von Taylan Burcu zurück.

Dem Landtagsabgeordneten mit nicht vollendetem Jurastudium und ohne erlernten Beruf, von den Grünen durchaus gern mal als "Senkrechtstarter" gefeiert, hat sein Engagement bei der Arbeiterwohlfahrt schon viel Ärger auch mit dem Präsidium des Landtags eingetragen. Schon zweimal hatte Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) den Parlamentarier wegen unklarer Auskünfte zu seinem Werdegang befragen müssen. Erst im September hatte Burcu wegen "leichter Fahrlässigkeit" eine Ermahnung kassieren müssen.

Der Abgeordnete der Grünen entschuldigte sich danach öffentlich: "Es lag und liegt nicht in meiner Absicht, Unklarheiten entstehen zu lassen."

Der neue Konflikt könnte für Taylan Burcu noch weitaus unangenehmer werden. Der Insolvenzverwalter wird jetzt wohl doch die Gerichtsbarkeit bemühen müssen, um an das Geld zu kommen, das der Grünen-Landtagsabgeordnete von der Pleite-Firma erhalten hat. Für nichts. Sylvia A. Menzdorf

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