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Das Radfahren in der Schloßstraße in Frankfurt wird immer dann gefährlich, wenn Türen von am Straßenrand geparkten Autos geöffnet werden. Deshalb soll dort bald Tempo 30 gelten.

Entscheidung gefallen

Tempo 30 auf Bockenheimer Verkehrsader: Damit Radfahren sicherer wird

Viele Radfahrer in Frankfurt haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie in Bockenheim auf der Schloßstraße auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rödelheimer Straße unterwegs sind. Jetzt wird aber etwas für ihre Sicherheit getan.

Frankfurt - Links rollt der Verkehr, rechts stehen am Straßenrand geparkte Autos, dazwischen verläuft in der Schloßstraße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim der Radstreifen. Nach Angaben von Joachim Hochstein vom städtischen Radfahrbüro ist das eine äußert heikle Situation. "Wir haben hier auch schon einige schwere Unfälle gehabt. Wir sind gezwungen, diese Gefahrensituation für Radfahrer zu beseitigen", sagte er in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald).

Voraussichtlich im Frühjahr, so rechnet Hochstein, werde dann auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rödelheimer Straße zunächst die Minimallösung umgesetzt. Es gilt dann künftig Tempo 30, links vom Radfahrstreifen werden Fahrradpiktogramme auf die Fahrbahn markiert. Sie zeigen an: Autofahrer und Radler teilen sich also vom kommenden Frühjahr an die Fahrbahn.

Frankfurt: Zu wenig Platz fürs Radfahren auf Schloßstraße - Tempo 30 für Autos

Das Problem auf dem 750 Meter langen Abschnitt sind die beengten Platzverhältnisse. In der Straßenmitte verlaufen die Straßenbahngleise. Links werden die Radler von Autos überholt, rechts müssen die Zweiradfahrer ständig damit rechnen, dass Autofahrer aussteigen - die sogenannte Tür-Öffnungs-Zone ist das Problem. Diese ragt in den Radfahrstreifen hinein. 

Um weiterfahren zu können, müssen Radler vom Radfahrstreifen auf die Fahrbahn ausweichen. Und werden dann nicht selten von wütenden Autofahrern angehupt oder einfach überholt, ohne dass der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird.

Frankfurt: Tempo 30 auf der Schloßstraße soll bald gelten

Auf die gefährliche Situation haben Ortsbeirat und Allgemeiner Fahrrad Club Deutschland (ADFC) schon oft hingewiesen - zuletzt mit einer Poolnudelaktion. Dazu hatten ADFC-Aktivisten die Schwimmhilfen für Kinder am Gepäckträger ihrer Fahrräder montiert. Diese ragen 1,50 Meter in die Fahrbahn, das entspricht exakt dem Abstand, den Autofahrer beim Vorbeifahren an Radfahrern mindestens einhalten sollten. 

Die wenigsten machen das aber, klagt Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC in Frankfurt. Die Kernaussage der Aktion: Fahrradfahrer brauchen mehr Platz auf den Straßen.

Frankfurt: Tempo 30 auf der Schloßstraße - damit Radfahren sicherer wird

Der fehlt derzeit aber in der Schloßstraße. Um die Gefahrenstelle effektiv zu beseitigen, sind laut Hochstein radikalere Maßnahmen nötig. Im Radfahrbüro habe man mehrere Varianten durchgespielt: Der Parkstreifen am Straßenrand müsste auf dem 750 Meter langen Abschnitt in der Schloßstraße entfernt werden - etwa 110 Parkplätze würden entfallen, wenn ein ausreichend breiter und rot markierter Radweg angelegt würde.

Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) bezeichnete es als eine Herausforderung, die Autofahrer zu informieren. Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) verwies jedoch darauf, dass es kein Recht auf kostenlose Parkplätze gebe und genügend Parkplätze in den umliegenden Parkhäusern vorhanden seien. Ganz so abwegig ist diese Variante aber nicht, wie Hochstein erklärte: "Die Schloßstraße ist Teil einer geplanten Radwegschnelltrasse vom Vordertaunus nach Frankfurt."

Frankfurt: Tempo 30 soll Radfahren sicherer machen

Die charmanteste Lösung - der politische Beschluss liegt noch nicht vor - sieht vor, dass der Verkehr auf der asphaltierten Straßenbahntrasse rollt. Die einstige Fahrbahn soll Radfahrern zur Verfügung stehen, ein Teil der Fläche könnte begrünt werden. Der Vorteil: Die Parkplätze am Straßenbahnrand blieben bestehen.

Von Matthias Bittner

Mehr Platz zum Radfahren in Frankfurt, weniger für Autos: Das ist das erklärte Ziel der Politik in Frankfurt. Nach dem Kompromiss mit den Initiatoren des Radentscheids steht nun die konkrete Umsetzung an. Kritiker monieren Planlosigkeit.

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