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Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt, soll geschlagen worden sein. Foto: Heike Lyding

Eklat

Frankfurt: Theater-Aktivist schlägt Museumsleiter

  • vonMark-Joachim Obert
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Der Vorstand der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus beißt zudem Hausmeister in die Hand. Jetzt wertet die Polizei Videos aus.

Frankfurt -Eine Bisswunde, eine Ohrfeige und weitere Handgreiflichkeiten: Das ist auch das Ergebnis einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend zur Zukunft der Theaterbauten im Deutschen Architekturmuseum. Matthias Müntze, Vorstandsmitglied der für eine historische Rekonstruktion kämpfenden Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus, schlug während der im Internet übertragenen Veranstaltung draußen vor dem Eingang Museumsleiter Peter Cachola Schmal ins Gesicht. Ein Video davon hat Schmal auf der Facebookseite des Museums veröffentlicht.

Zuvor soll Müntze im Foyer einen Tontechniker mit Tritten zu attackieren und mit einem Scheinwerfer zu schlagen versucht haben. Und er soll dem Hausmeister in die Hand gebissen haben. Auf der Facebookseite des Museums hält der Hausmeister seine Wunde in die Kamera, deutlich sind die Bissspuren zu sehen.

Das Handgemenge im Foyer gibt es vermutlich ebenfalls auf Video, öffentlich gemacht worden ist es nicht. Matthias Müntze war um 18.30 Uhr mit einem Kameramann im Foyer des Museums aufgetaucht - laut Mail-Auskunft von gestern mit dem Ziel, die wegen der Pandemie für Präsenzpublikum gesperrte Podiumsdiskussion aufzuzeichnen und hernach Interviews zu führen. Er arbeite häufig als Architektur-Journalist für entsprechende Online-Plattformen, schreibt Müntze.

Als Medienvertreter gab er sich im Museum auch aus, aber erst als Journalist des ZDF, dann des HR. Ein Video davon, das dieser Zeitung vorliegt, haben Mitarbeiter der Kulturdezernentin - sie saß auf dem Podium - vor den Toiletten aufgenommen. Dorthin war Müntze zwischenzeitlich geeilt. Weil er keinen Presseausweis vorweisen konnte, bat ihn der Hausmeister des Museums hörbar höflich, das Haus zu verlassen. Zuvor hatte bereits die stellvertretende Leiterin des Museums ihr Hausrecht ausgesprochen gehabt - Müntze ignorierte alle Aufforderungen, das Museum zu verlassen.

Alles, was von da an im Foyer und vorm Eingang des Museums geschehen ist, hat Müntzes Kameramann aufgenommen. Auf der Sequenz mit der Backpfeife, die Museumsleiter Schmal im Beisein der Polizei mit seinem Handy vom Kameramonitor abgefilmt hat, ist zu sehen, dass die Aufnahme bereits 45 Minuten andauerte.

Aussage gegen Aussage und überall Empörung

Die Polizei, die gegen 19.30 Uhr von Müntze alarmiert worden war, wird die komplette Aufnahme auswerten und die Zeugen vernehmen. Mehr wollte ein Sprecher gestern zu den Ermittlungen nicht sagen. Zu den Zeugen gehört auch Hans-Georg Oeter, der für die "Bürger für Frankfurt" (BFF) im Ortsbeirat 3 sitzt. Er sei zufällig am Museum vorbeigekommen und habe zu schlichten versucht, teilte gestern die BFF mit.

Matthias Müntze, 50, Immobilienverwalter aus Mainz und auch dort ein Streiter für Rekonstruktionen und gegen Nachkriegsarchitektur, verbreitete gestern auch seine Version auf der Facebookseite des Architekturmuseums und als Mail an Medien. Die Ohrfeige zeige nur einen Ausschnitt des Vorgefallenen. Zuvor hätten Schmal und der Hausmeister ihn an den Haaren zu Boden gezerrt.

Museumsleiter Schmal widerspricht vehement. Er vermutet, dass es sich um eine gezielte Provokation gehandelt habe - möglicherweise mit der Absicht, ihn zu unüberlegten Handlungen zu bewegen. "Wenn ich zurückgeschlagen hätte, wäre die Aufnahme davon sofort im Internet gewesen", vermutet Schmal. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) verurteilte gestern das Verhalten Müntzes "aufs Schärfste", sie sieht darin auch einen Angriff auf das Museum als demokratischen Debattenort.

Die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus distanzierte sich in einer Pressemitteilung vom Verhalten ihres Vorstandsmitglieds und von jeder Form von Gewalt. Müntze habe als Privatperson gehandelt, die Aktionsgemeinschaft nichts von seinen Plänen gewusst. Bis die Sache geklärt sei, werde Müntze sein Amt ruhen lassen. Gleichwohl betonte die Aktionsgemeinschaft auch bei dieser Gelegenheit, dass sie das Verhalten der Stadt und besonders der SPD undemokratisch finde. Die Befürworter des alten Theaterbaus kritisieren stets, dass sie trotz vieler Unterstützerunterschriften vom öffentlichen Diskurs um die Zukunft der Bühnen ausgeschlossen blieben.

Museumsleiter Schmal kann sich nicht vorstellen, dass die Aktionsgemeinschaft ahnungslos war. Auch Mitarbeiter der Kulturdezernentin wollen auf Müntzes Handy zufällig den SMS-Verkehr mit einem anderen Aktionsvorstand gesehen haben. Peter Cachola Schmal und sein Mitarbeiter haben Anzeige gegen Matthias Müntze gestellt - wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung. Matthias Müntze will seinerseits Strafantrag gegen die beiden stellen. Mark Obert

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