Frankfurter Tiktok-Star Chany Dakota.
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Frankfurter Tiktok-Star Chany Dakota.

Porträt

Frankfurter Tiktok-Star Chany Dakota: „Ich wurde von Mitschülern extrem gemobbt“

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Die Frankfurterin Chany Dakota ist ein Tiktok-Star. 1,6 Millionen Menschen folgen ihr. Im Interview spricht sie über schlimme Erfahrungen der Vergangenheit.

Frankfurt – In der Teenieserie „Das Internat“ spielt Chany Dakota die beliebte US-amerikanische Austauschschülerin Nick, die in der aktuellen Staffel entdeckt, dass sie bisexuell ist. „Bei ,Krass Klassenfahrt‘ bin ich Olivia, die ewige Jungfrau, die keinen Sex mit ihrem Freund will. Diese Serie behandelt Jugendthemen, aber eher auf eine etwas satirische, überspitze Art und Weise“, sagt Chany und lacht. Beide Serien sind auf der kostenlosen Streamingplattform Joyn zu sehen. Zudem hat die Frankfurterin nun eine Hauptrolle in einer UFA-Serie ergattert, die in diesen Tagen auf bekannten Streamingsendern zu sehen sein wird. Mehr würde sie gerne verraten, aber sie darf noch nicht.

Die 25-Jährige ist aber schon lange vor den Serienrollen als Influencerin bekannt geworden*: 1,6 Millionen Menschen folgen ihr auf Tiktok. Sie kommt aus Hessen und war die erste Deutsche, die auf der Kurzvideo-App erfolgreich war. Als sie sich die App 2015 runterlädt, heißt diese noch Musical.ly. Sie postet ihre mit dem Smartphone selbst gedrehten Videos, in denen sie ihre Lippen synchron zu beliebten Popsongs bewegt und tanzt.

Tiktok-Star aus Frankfurt lässt Barbie-Image hinter sich

Aber in den vergangenen vier Jahren sei sehr viel passiert. „Ich bin vom Social Media Girl zu einer richtigen Brand geworden. Ich habe mit Schauspiel angefangen, ein Buch geschrieben und vier Singles rausgebracht. Die fünfte ist für Januar geplant, wenn Corona einen Musikvideodreh zulässt.“ Chany Dakota ist der Name, mit dem sie auftritt.

Während des Videointerviews trinkt Chany aus einer Einhorn-Kaffeetasse. Die vorderen Haarsträhnen sind frisch in den Farben Pink, Lila, Türkis und Blau gefärbt. Bekannt geworden ist sie als Rainbow Barbie, so tauften sie amerikanische Fans wegen ihrer regenbogenfarbenen Haarsträhnen. Das Barbie-Image sei aber Vergangenheit, der Regenbogen ist geblieben. „Ich identifiziere mich jetzt mehr mit dem Begriff Rainbow Family. Meine Message an meine Fans ist: Ihr könnt so bunt sein wie ihr wollt, ihr gehört zu meiner Family.“ In ihrer eigenen Familie ist sie nicht die Erste, die im Rampenlicht steht. „Meine Uroma war Balletttänzerin. Mein Uropa war Komponist und Dirigent.“

Frankfurt: Tiktok-Star Chany Dakota spricht offen über Mobbing in der Schulzeit

Sie selbst lernt mit fünf Jahren Klavierspielen. Mit 14 besucht sie neben der Schule die Academy of Stage Arts in Oberursel. „Ich habe dort singen gelernt, aber auch, wie man vor der Kamera spricht, Körpersprache, Moderation, Schauspiel. Das habe ich anderthalb Jahre gemacht.“ Chany sagt, „viele Jüngere wollen ein Tiktok-Star sein. Sie definieren Fame sein damit, Unmengen an Geld zu haben und einfach zu chillen. Mein Ziel war es aber, dass ich bekannt werde, um das machen zu können, was mir Spaß macht: Musik, Schauspiel und auf der Bühne aufzutreten.“

Chany besucht zunächst die Realschule, sie sei eine sehr gute Schülerin gewesen. „Aber ich wurde von Mitschülern extrem gemobbt. In der neunten und zehnten Klasse hatte ich richtig Angst, in die Schule zu gehen.“ Sie sagt: „Wenn ich es heute aus meinen jungen Erwachsenenaugen rückblickend analysiere, glaube ich, dass der Grund fürs Mobbing war, dass ich schon damals meine Träume verfolgt habe. Viele in meiner Klasse hatten keine Ziele. Sie wussten nicht, wohin mit sich. Es hat sie gestört, dass ich genau wusste, wo ich hin will.“

Sie wolle Leute nicht nur unterhalten, sondern eben auch motivieren, den Weg zu gehen, auf den sie Lust hätten. Darüber schrieb sie auch in ihrem Buch: „Lieblingsfarbe Regenbogen: Vom Glück, ein kunterbuntes Leben zu führen“. Immer noch werde sie gefragt: „Was bist du denn jetzt? Schauspielerin? Sängerin?“ „Als Influencerin bist du eigentlich alles und noch viel mehr. Du bist deine eigene Kamerafrau, Regie und Tonfrau.“ Und warum jetzt Serien? „Wenn du als Schauspielerin am Set bist und eine komplett andere Person spielst, ist das eine viel größere Herausforderung, als sich selbst auf dem Tiktok-Account zu inszenieren. Und ich bin zudem auf anderen Kanälen zu sehen.“

Frankfurterin Chany Dakota über Unterstützung ihrer Eltern: „Mach das, was dir Spaß macht“

Schon in der Schulzeit in Frankfurt habe sie als Influencerin dank Kooperationen mit Werbepartnern genug Geld verdient. Nach dem Abitur entscheidet sie sich für die Selbstständigkeit. „Meine Eltern haben gesagt: ‚Mach das, was dir Spaß macht. Wenn es nicht klappt, kannst du ja immer noch studieren oder eine Ausbildung machen.’“ Ihre Eltern waren auch immer selbstständig, der Vater als Möbeldesigner, die Mutter mit einem Kosmetik- und Nageldesignstudio.

Ihr jüngerer Bruder Joely White (20) ist ebenfalls als Influencer erfolgreich. „Er führt immer Regie in meinen Musikvideos.“ Ihr Song „Love is Love“ sei aus der Sicht ihres Bruders erzählt. Die erste Zeile lautet: „I don’t feel sorry for who I am“ (Mir tut es nicht leid, wer ich bin“): In dem Musikvideo küsst ihr Bruder einen anderen Mann. „Damit hat er sich öffentlich geoutet.“ In der Familie selbst sei seine Liebe zu Männern nie ein Tabuthema gewesen.

Frankfurt: Tiktok-Star Chany Daktoa hofft auf Traumfeature mit Billie Eilish

Schon bevor sie im vergangenen Jahr mit der Musik anfing, habe sie Angebote von großen Plattenlabels erhalten. „Ich habe auch viele Songs vorgelegt bekommen. Die klangen auch toll, aber ich wollte meine eigenen Storys erzählen, meine eigenen Texte schreiben.“ Und dann lernt sie 2019, nachdem sie den Rap-Part beim Frankfurter-Grüne-Soße-Song von Maingold übernimmt, den Wiesbadener Musikproduzenten Peter Ries kennen. Ries, der schon mit Kylie Minogue und den No Angels gearbeitet hat, wird ihr erster Produzent. Einen Songwriter habe sie zur Unterstützung an der Seite.

„Mein Traumfeature für einen Song wäre Billie Eilish.“ Weil die „unique“ sei: die Musik mache und das trage, auf das sie Lust habe. Den Superstar aus den USA lernte sie auf einem Musikfestival 2019 in Berlin kennen. „In dem Moment bin ich selbst zum Fan geworden: Ich war so nervös. Ich verstehe wie meine Fans sich fühlen, wenn sie mich treffen. Ich konnte kaum was sagen“, sagt Chany und lacht. Eilish, die da noch grüne Haarsträhnen hatte, sei extrem nett gewesen. Sie schaute auf Chanys bunte Haarsträhnen: „Sie sagte, dass ich sehr coole Haare habe.“ (Kathrin Rossendorff)

Noch ein weiterer Tiktok-Star kommt aus Frankfurt. Younes Zarou spricht im Interview über seine Shootings, seine peinlichsten Situationen, seine Pläne und natürlich seine Fans. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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