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Mirko Ferenczy und Giuliano Pennisi am Pool. Für den Zehnjährigen ist Wasser einfach faszinierend. Fotos: Sabine Schramek

Rührende Geschichte

Todkranker Junge (10) bekommt von einem Frankfurter seinen letzten Wunsch erfüllt

Guiliano ist zehn Jahre alt. Er kann nicht gehen, sitzen, sprechen, trinken. Er lacht gerne, liebt Wasser und die Farbe Gelb. Sein letzter Wunsch ist es, noch einmal das Meer zu sehen. Ein Frankfurter Vater legt sich für ihn ins Zeug. Zu seinem eigenen 39. Geburtstag schenkt er Giuliano ein Stück Leben.

Frankfurt - Jeder hat Wünsche, jeder völlig andere. Zu seinem 39. Geburtstag wünscht sich Mirko Ferenczy selber nichts. Er wünscht sich, anderen zu helfen. Guiliano Pennisi hat zu seinem zehnten Geburtstag einen letzten Wunsch. Er will noch einmal das Meer sehen. Die beiden kennen sich nicht, dennoch kreuzen sich ihre Wege. "Ich will zeigen, dass Einzelne ganz viel auf die Beine stellen können", sagt der Pulverbeschichter, der auch in einem Pub in Alt-Sachsenhausen arbeitet. Ferenczy durchforstet das Internet. Dabei wird er auf den Verein Mainlichtblick in Sachsenhausen aufmerksam. "Da, das ist es", sagt er und liest, dass der Verein Kinderwünsche für Schwerstkranke erfüllt.

"Ich bin selbst Vater. Tony ist gesund. Das Glück haben nicht alle", sagt Ferenczy nachdenklich. Sein Auge fällt auf die Geschichte von Giuliano, der an dem seltenen und tödlich verlaufenden Gendefekt HU4 leidet. Durch Muskelschwund kann er ersticken oder an einem Infekt sterben. Jederzeit. Eine Reise ans Meer direkt an den Strand mit Klinik und Kinderintensivstation kostet Geld. "Das schaffe ich", nimmt sich Ferenczy vor. In drei Tagen hat er Geburtstag. In schwarzer Jogginghose und Hoodie fährt er in die Stadt, eine Spendenbox in der Hand. In vier Stunden besucht er sieben Lokale und spricht mit den Betreibern. Das Café Hauptwache, die Bar L'Avenue, das Garibaldi und Feinkost Ebert. Alle spenden großzügig.

Letzter Wunsch von todkrankem Jungen: Alle spenden

Michael Ebert wird blass, bekommt Gänsehaut, als er die Geschichte hört. "Mein Gott, das ist er. Als ich 50 wurde, habe ich für Giuliano gesammelt. Für eine Delfintherapie. Damals konnte er noch etwas sprechen und sitzen." In seinen Augen sind Tränen, in Ferenczys auch. Er sammelt weiter. Im Vaivai und bei Salvatore. Er bittet um Spenden auch bei Gästen. Nach vier Stunden hat er 1815 Euro beisammen. Am Abend geht's im O'Dwyers Irish Pub weiter. Ein Gast ist so angetan, dass er in seinem Sportwagen-Centrum in Kelkheim sammelt. Weitere 1000 Euro holt Ferenczy an seinem 39. Geburtstag ab, bis dahin sammelt er ununterbrochen, legt selbst kräftig dazu. Mit 4312 Euro fährt er an seinem Geburtstag zu Mainlichtblick und möchte Giuliano endlich kennenlernen.

Der Junge wohnt im Rodgau mit seinem Bruder Noah (2), seiner Mama Andrea Pennisi (32) und seinem "Bonus-Vater" Martin Nysa-Pennisi (36). Seit drei Jahren sind sie verheiratet. Mit zwei Stofftieren unter dem Arm ist Ferenczy nervös, als er durch den engen Flur in den Garten geführt wird. Angeschnallt in einem gelben Spezialrollstuhl, damit er sitzen kann, guckt Giuliano auf das Wasser eines kleinen Pools. Er versucht, die Hand einzutauchen, es gelingt nicht.

Todkranker Junge: Erstes Treffen

"Er kann wegen der Muskelschwäche nicht mehr sitzen und auch die Arme funktionieren nicht mehr gut", so die junge Mutter. Ernährt wird der Junge über eine Sonde. "Er vergisst zu schlucken, könnte ersticken", so Pennisi. Giuliano betrachtet neugierig den Besucher. Den Kopf schief, scheint er zuzuhören, als Ferenczy fragt: "Was geht ab?". Als er ihm den Stoff-Delfin hinhält, fängt Giuliano an zu lachen. Er greift nach dem Plüschtier, reibt sein Gesicht an ihm. Und lacht weiter. Berührungen folgt er mit seinen braunen Augen.

Ferenczy albert mit ihm herum, sie strecken sich gegenseitig die Zunge raus. Giuliano versteht alles, versucht zu sprechen, es gelingt nicht. Er lacht. Ferenczy weint. Immer wieder laufen ihm Tränen über das Gesicht, während er den Jungen in den Arm nimmt. "Dass ich Dich gefunden habe, ist das schönste Geschenk", sagt er zu Giuliano.

Im Juli fliegt die ganze Familie für zehn Tage nach Mallorca. "Dann siehst Du das Meer", so Ferenczy wehmütig. "Ich will nicht, dass Du stirbst. Für Dich werde ich immer genauso da sein wie für meinen eigenen Sohn." Er schüttelt den Kopf. "Uns geht es allen so gut. Trotzdem gucken die meisten weg - vor allem dort, wo es nicht so gut geht. Das ist grausam. Jeder kann helfen. Jederzeit. Man muss nur wollen und machen. "

VON SABINE SCHRAMEK

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