+
An der U-Bahn-Station "Nieder-Eschbach" steht das bunte, aber geschlossene Toilettenhäuschen. Fahrgäste, die auf den Bus warten, weichen deswegen auf das Eiscafé direkt neben der Haltestelle aus.

Vandalismus

Toiletten an U-Bahn seit Jahren dicht - Fahrgäste überlaufen WC in Eisdiele

  • schließen

Ob Renovierung oder bunte Farbe an den Wänden - nichts half bislang gegen den Vandalismus am Toilettenhäuschen an der U-Bahn-Station Nieder-Eschbach. Deswegen ist das stille Örtchen seit Weihnachten 2010 geschlossen - sehr zum Unmut des Ortsbeirates.

Das Toilettenhäuschen an der U-Bahn-Haltestelle "Nieder-Eschbach" ist ein Hingucker. Keine Frage. Bunt sind die Wände des quadratischen Gebäudes, übersät sind sie mit Graffiti, die einst Schüler der benachbarten Otto-Hahn-Schule auf den Beton sprühten. Doch Schönheit ist eben nicht alles. Denn was bringen den Fahrgästen farbenfrohe Bilder, wenn die Toiletten im Häuschen nicht genutzt werden können? Richtig. Nichts.

Seit neun Jahren nun, genauer gesagt seit dem 26. Dezember 2010, ist das stille Örtchen dicht. Da hilft auch jegliches Rütteln an den Türen nicht. Wer sich erleichtern muss, der braucht eine Alternative. Viele finden die in der schräg gegenüber der U-Bahnhaltestelle liegenden Eisdiele. Denn im Eiscafé "Tropical" gibt es eine Toilette.

"Immer wieder kommen Menschen zu mir und fragen, ob sie das WC benutzen können. Klar, das ist menschlich, aber es hat überhand genommen", sagt Vincenzo Parente, Inhaber des Eiscafés. Deswegen hat er ein Schild an der Toilettentür aufgehängt. Einen Euro soll die Benutzung kosten, für Nicht-Gäste. Wobei Parente freilich auch Ausnahmen macht. Vor allem bei älteren Menschen, die den Bus knapp verpasst haben. "Wenn sie müssen, dann müssen sie. Da helfe ich gerne", sagt der Geschäftsinhaber, der sich trotzdem wünscht, dass das öffentliche Toilettenhäuschen endlich wieder geöffnet wird.

Toilettenhäuschen an U-Bahn: Ein Dauerthema

Damit spricht Parente den Mitgliedern des Ortsbeirates 15 (Nieder-Eschbach) aus der Seele. Seit der Schließung der WC-Anlage 2010 setzen sich die Stadtteilpolitiker einstimmig für die Sanierung und Wiedereröffnung ein. Auch in der jüngsten Sitzung am Freitagabend stand das Thema wieder auf der Tagesordnung. "Zum ich weiß nicht wievielten Male. Die Toiletten beschäftigen uns eigentlich ständig", sagte Ortsvorsteher Ernst Peter Müller (CDU).

Es waren stets wiederkehrende Vandalismusschäden, die Ende 2010 dazu führten, dass das Toilettenhäuschen, das neben dem auf dem Nieder-Eschbacher Friedhof übrigens das einzige öffentliche WC im Stadtteil ist, dicht gemacht wurde. Immer wieder kam es zu Vandalismus, daran änderte auch die Kunstaktion der Otto-Hahn-Schüler im April 2010 sowie eine zeitgleich begonnene Nachtschließung nichts. Immer wieder gab es Beschädigungen und Schmierereien im Inneren des Häuschens. Waren diese weggeputzt, waren auch schon die nächsten da. Sogar die Stadt sprach bei der Toilette in Nieder-Eschbach damals von einem "ganz besonderen Fall".

Hans Joachim Mendig: Chef der hessischen Filmförderung nach Treffen mit Meuthen unter Druck

Nun wagt der Ortsbeirat also einen neuen Vorstoß. Einstimmig wurde ein CDU-Antrag verabschiedet, der die Komplettsanierung des stillen Örtchens mit dem Ziel einer zeitnahen Wiedereröffnung fordert. Am besten schon 2020. "Unser Toilettenhäuschen gehört in der Prioritätenliste ganz nach oben. Viel zu lange warten wir schon auf die Sanierung", sagte Müller. Zudem solle die Stadt prüfen, ob die Installation eines Drehkreuzes sowie die Ausgabe von Wertgutscheinen - so wie man es auch an Autobahnraststätten kennt - auch in Nieder-Eschbach denkbar sei. Toiletten sind eine wunderbare Erfindung der Menschheit, das kann doch nicht so schwer sein, so der Ortsvorsteher.

Protestaktion gegen neuen Frankfurter Stadtteil: SPD kritisiert Demo

WC in Eisdiele: Keine Problemlösung

Eisdielen-Inhaber Vincenzo Parente freut sich zwar über das Engagement des Ortsbeirates, ist aber skeptisch, ob eine neue Toilette das Problem löst. "Es wird bestimmt wieder randaliert werden. Dagegen muss man auch etwas tun", hat er allerdings keine Lösung parat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare