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Die Frau mit der Fleischwurst wird heute 80: Ilse Schreiber in der Kleinmarkthalle. Foto: Enrico Sauda

Stadtbekannt und beliebt

Traditionsgeschäft in der Kleinmarkthalle: „Wurst-Ilse“ wird 80

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Der Laden von Ilse Schreiber ist in Frankfurt sehr beliebt. Seit 1979 steht sie Tag für Tag hinter der Theke und bedient die zahlreichen Kunden.

  • Traditionsgeschäft in der Kleinmarkthalle Frankfurt
  • Wurstkabuff von Ilse Schreiber äußerst beliebt
  • „Wurst-Ilse“ steht seit 1979 hinter der Theke

Frankfurt - An einem Rosenmontag ist Ilse Schreiber zwar nicht geboren, aber sie hat an einem Geburtstag. Nämlich heute. Die 80-Jährige kennt in Frankfurt jeder, der was für gute Wurst übrig hat. Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl probierte ihre Waren aus dem Wurstkabuff in der Kleinmarkthalle, auch der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch und jüngst schaute Joachim Hermann Luger , der als Vater Hans Beimer in der ARD-Vorabendserie "Lindenstraße" Fernsehgeschichte schrieb, vorbei.

Doch für "Wurst-Ilse", über deren Leben 2016 ein ausführliches Portrait in der FNP erschienen ist, sind alle Kunden gleich. Viele Prominente würde sie auch gar nicht erkennen. Gefeiert hat sie ihr Wiegenfest schon am Wochenende in München, wo ihre große Enkelin lebt. Heute steht ein Fest im Kreis ihrer Lieben in Frankfurt an. "Ich fühle mich wie 18, nicht wie 80", sagt die Jubilarin, die im schlesischen Beuthen das Licht der Welt erblickte.

Wurst-Ilse in der Kleinmarkthalle: Die vielen netten Kunden bauen sie auf

Ihr Geheimnis? "Ich habe so viele nette Kunden, das baut mich auf", sagt sie. Dass die Menschen so freundlich zu ihr seien, das mache sie glücklich. Zum Schlimmsten, was sie erlebt hat, gehört die Zeit, als ihr Mann sehr krank war. "Wenn sie als Frau allein dastehen. Damals kam kein Mensch und sagte: ,Ach, ihr Mann ist krank, kann ich Sie unterstützen.'" Was hilft? "Immer optimistisch und fröhlich sein, auch wenn man Ärger hat und unter Neid und Hass leidet." Für das Geburtstagskind hat die Fünfte Jahreszeit eine ganz besondere Bedeutung: "In der Fastnachtszeit habe ich auch meinen Mann kennen gelernt. Ich war nur einmal verheiratet, aber mein Mann ist leider schon elf Jahre tot", sagt Ilse Schreiber, die eine Tochter und einen Sohn und drei Enkel hat. Früher habe sie gern Fastnacht gefeiert, heute fehle ihr die Gesellschaft dazu.

Dennoch zieht sie ein sehr positives Resümee ihrer acht Jahrzehnte: "Ich hatte ein sehr glückliches Leben. Mit viel Arbeit. Und es war auch ein Erfülltes." Seit 1958 habe die Familie den Laden in der Kleinmarkthalle, seit 1979 stehe sie jeden Tag hinter der Theke. Seit mehr als 60 Jahren geht's bei ihr um die Wurst. Etwas anderes kann sie sich nicht vorstellen. Selbst wenn sie neu von vorne anfinge, würde sie am liebsten Wurst verkaufen. "Neulich habe ich im Fernsehen einen Bericht über ein sehr nobles Hotel in Dubai gesehen - ich könnte mir schon vorstellen, dort hinterm Tresen zu stehen."

Wurst-Ilse in der Kleinmarkthalle Frankfurt: Beliebtes Wurstkabuff

Schreiber ist keine Fleischermeisterin ist, sondern lernte Großhandelskauffrau. Ein Praktikum habe sie bei einem Metzger in Aschaffenburg gemacht, wohin die Familie Schatton, so hieß sie mit Mädchennamen, geflüchtet war. "Ich habe mit 18 geheiratet, bin ins Geschäft gesteckt worden und habe alles so gelernt." Wenn sie über ihren Anton, der 13 Jahre älter war als sie, spricht, strahlen ihre Augen. "Es war Liebe, sonst wäre ich nicht noch solo", sagt sie. "Wenn ich gewollt hätte, hätte ich schon können", sagt sie und erzählt von ihrem Mann, der Musik mochte, wie sie sie liebte. "Wir waren auf einer Wellenlänge.

Ilse Schreiber hat ein Faible für Opern, am liebsten Verdis "Troubadour". "Mein Mann wollte Sänger werden. Er hat Gesang studiert. Doch gegessen wird immer, und ob er ein großer Sänger geworden wäre? "Mer waas es net", sagt Ilse. Ihr Wunsch zum Geburtstag: "Frieden. Ich bin nämlich ein Mensch, der Harmonie und Glück braucht." 

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Einen wichtigen Geburtstag feiert auch eine weitere Frau in Frankfurt: Die 105-Jährige geht noch immer demonstrieren.

Die Traditionsmetzgerei Bumb in Frankfurt-Sachsenhausen macht dicht. Erst vor anderthalb Jahren hatte sie den Besitzer gewechselt.

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