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Traum von Straßenbahn über Alte Brücke in Frankfurt geplatzt

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Über die Alte Brücke können keine Straßenbahnen aus der Innenstadt nach Sachsenhausen rollen. Das Gewicht wäre zu hoch. FOTO: rolf oeser
Über die Alte Brücke können keine Straßenbahnen aus der Innenstadt nach Sachsenhausen rollen. Das Gewicht wäre zu hoch. FOTO: rolf oeser © Rolf Oeser

Die Alte Brücke in Frankfurt würde eine Tram-Strecke statisch nicht aushalten. Ist die Untermainbrücke eine Alternative?

Frankfurt -Auf absehbare Zeit werden keine Straßenbahnen über die Alte Brücke in Frankfurt rollen. Die Lasten könnte das Bauwerk nicht tragen, erklärt der Magistrat. Damit werden die städtischen Pläne für den Tram-Ausbau mindestens komplizierter.

Diese sehen vor, Straßenbahnen von der Konstablerwache via Alter Brücke, Affentorplatz und Lokalbahnhof auf den Sachsenhäuser Berg hinauf fahren zu lassen. Diese Neubaustrecke hatten die Sozialdemokraten 2015 vorgeschlagen als Alternative zu einer Verlängerung des U-Bahn-Tunnels, der heute am Südbahnhof endet.

Frankfurt: Straßenbahn könnte nicht ohne Weiteres über Alte Brücke fahren

Der Tunnel der U-Bahn führt zwar bereits ein ordentliches Stück weiter nach Süden - bis in Höhe des Spielplatzes Grethenweg - und wird als Wendeanlage benutzt. Nachdem der Bund Fördergelder gestrichen hatte, hatte Frankfurt 1996 den Ausbau der U-Bahn-Strecke bis zur Sachsenhäuser Warte abgesagt. Bis heute liegt das Projekt auf Eis. Nun aber ist klar: Eine direkte Straßenbahnlinie aus der Innenstadt nach Süden ist ebenfalls nicht einfach so umsetzbar. Sie ist zwar inzwischen sogar Teil des Nahverkehrsplans der Stadt.

Die Alte Brücke aber würde es nicht aushalten, wenn eine Tram darüber rollt, erklärt der Magistrat in einem kürzlich veröffentlichten Bericht. Die älteste Brücke der Stadt - sie war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die einzige Flussquerung aus Stein - sei schon 1993 bei der Planung zur bestandsnahen Sanierung statisch nachgerechnet worden.

"Dabei wurde festgestellt, dass zusätzliche Straßenbahnlasten mit der bestehenden Tragwerkskonstruktion im Bereich des Stahlüberbaus nicht möglich sind." Der Stahlüberbau stamme aus dem Jahr 1965 - und er "ist lediglich für eine Brückenklasse 30 bemessen worden und dementsprechend auf 18 Tonnen pro Richtung ausgelegt".

Auf gut deutsch: Einfach Gleise zu verlegen und Fahrleitungen zu montieren, würde nicht ausreichen, um Straßenbahnen an einer dritten Stelle über den Fluss fahren zu lassen. Das sei "aus statischen Gründen nur durch umfangreiche Verstärkungs- oder Neubaumaßnahmen umsetzbar", unterstreicht der Frankfurter Magistrat.

Alte Brücke in Frankfurt: Sanierung 2014 ohne Verstärkung erfolgt

Die heutige Alte Brücke stammt von 1926. Zwei der mit Sandstein verkleideten Bögen hatten deutsche Soldaten am 26. März 1945 gesprengt. Die Brücke war zunächst provisorisch wieder aufgebaut worden und erhielt 1965 eine stählerne Kastenbrücke als neues Mittelstück.

In der nördlich an die Alte Brücke anschließenden Kurt-Schumacher-Straße ist der Einbau einer Straßenbahnstrecke bereits berücksichtigt. Daran war bei der Sanierung der Straße 2011 gedacht worden. Auch die Alte Brücke für eine Straßenbahn vorzubereiten und zu verbreitern, hatten die Frankfurter Stadtverordneten aus Kostengründen bei ihrem Beschluss für die jüngste Sanierung im Jahr 2014 jedoch verworfen.

Sticker-Album für Tram-Fans

Wer sich in besonderem Maße für Straßenbahnen begeistern kann, dürfte sich an dem Sticker-Album zur 150-jährigen Geschichte des Frankfurter Nahverkehrs erfreuen – das in der Mainmetropole inzwischen ein echter Renner ist.

Eine andere Lösung hatten zuletzt die Grünen im Kommunalwahlkampf Anfang vorigen Jahres vorgeschlagen: Sie möchten gern eine Straßenbahnstrecke aus der Schweizer Straße über die Untermainbrücke und die Neue Mainzer Straße zur Alten Oper und dann via Reuterweg nach Norden bauen. Ob die Untermainbrücke eine Tram trägt? Es "müssen zwingend statische Untersuchungen der Brücke durch ein externes Ingenieurbüro vorgenommen werden, um zu prüfen, ob die zusätzlichen Verkehrslasten der Straßenbahn überhaupt von der Brücke aufgenommen werden können", sagt der Magistrat nun.

Die Untermainbrücke habe zwar 1991 eine Grundinstandsetzung bekommen. Der Brückenüberbau sei auf die damalige Norm bemessen worden, wonach auf der Hauptspur ein 60-Tonnen-Laster fahren könnte. "Eine statische Berücksichtigung von Lasten aus eventuellem Straßenbahnverkehr auf der Brücke fand jedoch nicht statt", erklärt die Regierung. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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