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Planungen für neuen Stadtteil im Frankfurter Nordwesten laufen auf Hochtouren

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Im Nordwesten von Frankfurt könnte ein neuer Stadtteil mit über 8000 Wohnungen entstehen. Eine Machbarkeitsstudie ist unterwegs. Die Grundsatzentscheidung der Region steht aber noch aus.

Frankfurt - Ob er je Realität werden kann und wie groß - das steht zwar noch in den Sternen. In Frankfurt laufen die Planungen für einen Stadtteil im Nordwesten dennoch auf Hochtouren. Auf lange Sicht werde der Wohnraum für Menschen benötigt, ist Martin Hunscher überzeugt, der Leiter des Stadtplanungsamtes.

"Alle Experten gehen davon aus, dass die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet nach Corona wieder anwachsen wird", erklärt Hunscher in einem Video, das sein Amt kürzlich auf der Internetplattform Youtube veröffentlicht hat. Zwar sei die Einwohnerzahl Frankfurts während der Pandemie zurückgegangen, der Wohnungsmarkt habe sich jedoch "überhaupt nicht entspannt".

Bis zu 8700 Wohnungen könnten zwischen Praunheim, Niederursel und der Nordweststadt über die A5 hinweg bis an die Stadtgrenze von Steinbach (Hochtaunus) entstehen. Das sei "ein Angebot an die Region", wirbt der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) schon länger (hier im fnp.de-Interview), mit dem in der Mainmetropole fast zehn Prozent der Wohnungen errichtet werden könnten, die Fachleute als Bedarf für Rhein-Main bis 2030 sehen.

Neuer Stadtteil im Frankfurter Nordwesten: Anhörungen für Voruntersuchung laufen

In einem Wettbewerb hatte sich 2020 das Konzept des Hannoveraner Büros Cityförster für den "Stadtteil der Quartiere" durchgesetzt. Es sieht weniger als die zuvor anvisierten 12 000 Wohnungen für 30 000 Einwohner vor, dafür aber sehr viel Grün. Die kleinen, teils autofreien Quartiere sollen sich meist an vorhandene Viertel anschließen, durch eine U- und zwei S-Bahn-Linien erschlossen werden. Dieses Konzept wird derzeit im Stadtplanungsamt mit "Vorbereitenden Untersuchungen" weiterentwickelt.

Das sei quasi eine Machbarkeitsstudie, die prüfe, ob das Cityförster-Konzept sinnvoll und möglich sei, erklärt Stadtplaner Stefan Kornmann vom Frankfurter Büro Albert Speer+Partner. Nicht nur flössen die 20 bestehenden Gutachten ein, etwa zu Klima, Artenschutz, Retention und Verkehr. Auch werden die "konstruktiven Anregungen" aus den Bürgerbeteiligungen aufgenommen. Und es werden nun "Träger öffentlicher Belange" um Hinweise gebeten. Dazu gehörten Ämter und Behörden etwa für Umwelt und Wasser, aber auch Umweltorganisationen, Nachbarkommunen, Betreiber von Energie- und Kommunikationsleitungen oder die Autobahn GmbH, erklärt Mark Gellert, Sprecher von Dezernent Josef. Deren Hinweise fließen in die Voruntersuchung ein. Diese solle im Lauf des Jahres fertig werden, kündigt Gellert an. Diese fachliche Studie geht dann an die politische Entscheider - also Stadtverordnete und Ortsbeiräte - und wird von ihnen beraten.

Frankfurt will im Nordwesten an der A5 wachsen, die Nachbarn aus Steinbach sind dagegen: Ende 2019 konnten Bürger hier bei einer Veranstaltung im Stadtplanungsamt Hinweise geben. Diese fließen nun in die "Vorbereitenden Untersuchungen" ein.
Frankfurt will im Nordwesten an der A5 wachsen, die Nachbarn aus Steinbach sind dagegen: Ende 2019 konnten Bürger hier bei einer Veranstaltung im Stadtplanungsamt Hinweise geben. Diese fließen nun in die "Vorbereitenden Untersuchungen" ein. © Hamerski

Nicht nur auf der fachlichen Ebene, auch auf der politischen laufen Vorarbeiten auf Hochtouren. Schließlich muss die Regionalversammlung Südhessen noch eine Grundsatzentscheidung fällen, ob sie Frankfurt die "Josefstadt" überhaupt erlauben mag.

Neuer Stadtteil für Frankfurt: Widerstand bei den Taunus-Nachbarn

Mit dem Ziel, sie möglichst zu verhindern, hatten unter anderem Nachbarkommunen aus dem Hochtaunus dafür gesorgt, dass die Versammlung Ende 2019 massiv verschärfte Umweltkriterien für neue Baugebiete beschloss. Diese hatte das Regierungspräsidium voriges Jahr in den Entwurf fürs Regionale Entwicklungskonzept eingearbeitet. Ergebnis: Viele von Kommunen gewünschte Erweiterungsflächen flogen heraus. Nicht nur würde Frankfurt den Nordweststadtteil nicht mehr bauen können. Darmstadt beispielsweise würde sämtlicher Wohngebietsoptionen beraubt.

Während aus Steinbach bereits hoffnungsfroh das Aus für die "Josefstadt" bejubelt wurde, erinnerte Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) daran, dass der aktualisierte Entwurf lediglich die Diskussionsgrundlage sei, die aufzeige, wie wenig Entwicklung nur noch möglich sei mit den von den Politikern selbst vorgegebenen, engen Grenzen.

Die wollen Steinbachs Stadtverordnete unbedingt beibehalten, wie aus einem aktuellen Antrag aller vier Fraktionen klar wird. Den Frankfurter Plänen wollen sie neuerlich eine Absage erteilen. Es sei nämlich für die Steinbacher wichtig, "fußläufig attraktive Grünflächen zu haben, um einen guten Ausgleich zum Alltag zu erhalten", erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Moritz Kletzka.

Neuer Stadtteil in Frankfurt: Mike Josef sucht nach Mehrheit

Frankfurt lobbyiert derweil gegen das Fehlen der "Josefstadt" in der aktuellen Fassung des Plans. "Wir sind damit nicht einverstanden", sagt Sprecher Gellert. "Wir werden versuchen hinzubekommen, dass die Flächen für den neuen Stadtteil berücksichtigt werden" und Mehrheiten dafür suchen.

Im Dezernat von Mike Josef ist man offenbar optimistisch, dass das auch gelingt. Sprecher Gellert mag diese Zuversicht nicht direkt bestätigen, betont aber: "Es sind ja auch andere Kommunen sehr stark betroffen." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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