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Ein Mann überfiel eine Tankstelle, bedrohte eine Angestellte und eine Polizistin mit der Waffe und kündigte 48 Stunden später einen Amoklauf an. (Symbolbild)

Kriminalität

Trotz Amokdrohung auf freiem Fuß - Amtsgericht hält Täter für nicht gefährlich

Er überfiel eine Tankstelle, bedrohte eine Angestellte und eine Polizistin mit der Waffe und kündigte 48 Stunden später einen Amoklauf an. Trotz dieser Taten muss ein junger Mann bislang nicht in Untersuchungshaft.

Frankfurt - Der Mann, der in der Nacht zum Montag eine Tankstelle in Maintal überfallen wollte und am Mittwoch nach der Ankündigung eines Amoklaufs in der Unterliederbacher Kanzlei seines Anwaltes von einem SEK-Einsatzkommando festgenommen wurde, ist wieder auf freiem Fuß. Das berichtete der Hanauer Oberstaatsanwalt Dominik Mies auf Anfrage dieser Zeitung am frühen Freitagabend.

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Bereits nach dem Tankstellen-Überfall hatte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl beantragt, den das Amtsgericht Hanau ablehnte. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein – die das Landgericht ausgerechnet nach der neuerlichen Festnahme bei dem spektakulären SEK-Einsatz am Mittwoch ablehnte. Zwischenzeitlich war der 23-Jährige in die Psychiatrie nach Hanau gebracht worden, aus der er aber schon einen Tag später wieder entlassen wurde, „weil er angeblich nicht gefährlich sei“, sagt Mies.

Die Staatsanwaltschaft stellte – „nach gründlicher Prüfung überzeugt von der Gefährlichkeit des Mannes“ – einen weiteren Antrag auf Haftbefehl, diesmal unterfüttert mit den neuen Erkenntnissen der Amok-Drohung. Doch auch diesen lehnte das Amtsgericht gestern am späten Nachmittag ab.

Polizist vereitelt Überfall

„Es sah weder eine Fluchtgefahr im Sinne eines Haftbefehles noch eine Gefährlichkeit im Sinne eines Unterbringungsbefehls bei psychisch auffälligen Personen“, erklärt Mies am Abend. Zu etwaigen weiteren Schritten will er jedoch auf Nachfrage keine Angaben machen. Das Amts- und das Landgericht Hanau standen gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Der 23-jährige Mann hatte nach einem Bericht von bild.de zunächst in der Nacht auf den Montag eine Tankstelle in Maintal überfallen wollen. Die Polizistin einer zufällig vorbeikommenden Streife vereitelte dies: Sie betrat in dem Moment die Tankstelle, als der Täter auf die Kassierin zielte, und feuerte einen Schuss ab, ohne jemanden zu verletzen. Der Mann konnte schließlich festgenommen werden.

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Täter hatte mehrere Waffen dabei

Bei seiner Waffe soll es sich um eine Schreckschusswaffe gehandelt haben. Zusätzlich habe der Mann bei seiner Verhaftung einen Schlagring, ein Butterflymesser und Drogen bei sich getragen. Etwa 48 Stunden später war der 23-Jährige dann in der Kanzlei seines Anwalts, des bundesweit bekannten Strafverteidigers Ulrich Endres in der Königsteiner Straße in Unterliederbach, wieder aufgetaucht. Dort kündigte er an, nach Hause gehen und mit seinen Waffen Amok laufen zu wollen. Doch die Kollegen des Anwalts, der selbst im Urlaub war, vereitelten dies: Sie hielten den Mann so lange fest, bis er sich von Beamten eines Einsatzkommandos widerstandslos Handschellen anlegen ließ. Da der Polizei die kriminelle Vorgeschichte des Mannes bekannt war, hatte sie gleich ein Großaufgebot in die Königsteiner Straße nach Unterliederbach geschickt: Ein halbes Dutzend Mannschaftswagen mit SEK-Beamten, teils in Tarnanzügen und mit Maschinengewehren im Anschlag, waren bei dem Einsatz in der Anwaltskanzlei beteiligt.

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Es bleibt ein mulmiges Gefühl

Was muss man eigentlich tun, um als Gefahr für seine Mitmenschen eingeschätzt zu werden? Wie kriminell muss ein Mensch erst in Erscheinung treten, ehe die Staatsgewalt ihn zumindest fürs Erste in Gewahrsam nimmt – um die Bürger vor ihm, aber ihn auch vor sich selber zu schützen? Diese Fragen wirft der Fall des jungen Mannes auf, der sich in diesem Moment wohl auf freiem Fuß befindet, obwohl er kürzlich eine Tankstelle in Maintal überfallen und wenig später in Unterliederbach einen Amoklauf angekündigt hatte. Von beiden Vorhaben ist er nur durch glückliche Umstände, respektive geistesgegenwärtiges Handeln abgebracht worden. Die Entscheidung des Hanauer Amtsgerichts, erneut den Antrag auf Haftbefehl abzulehnen, ist schwer vermittelbar. Sie dürfte dem Rechtsempfinden vieler Bürger widersprechen – und hinterlässt ein äußerst mulmiges Gefühl.

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