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Trotz Corona: Tausende Schwarzfahrer in Frankfurt erwischt

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Fahrgast-Kontrolle an der Station Höhenstraße: Die Fahrkartenprüfer schnappten voriges Jahr 25 000 Schwarzfahrer.
Fahrgast-Kontrolle an der Station Höhenstraße: Die Fahrkartenprüfer schnappten voriges Jahr 25 000 Schwarzfahrer. © Monika Müller

Auch in der Pandemie werden in Frankfurt viele Fahrgäste ohne Ticket erwischt. Dabei ist die Verkehrsgesellschaft schon kulant.

Frankfurt – Rund 25 000 Menschen sind im vergangenen Jahr in Frankfurt ohne Ticket in U-Bahnen und Straßenbahnen unterwegs gewesen. Das waren in etwa so viele wie im Vorjahr und pandemiebedingt etwas weniger als die 32 000 Fälle im Jahr 2019, erläutert Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne).

Diese Verstöße hätten die Kontrolleure der Verkehrsgesellschaft (VGF) bei ihren Fahrausweisprüfungen festgestellt. In Folge habe die VGF in den Jahren 2019 bis 2021 jährlich rund 4000 Strafanzeigen wegen Leistungserschleichung nach §265a StGB gestellt. Allerdings: Die Zahl der Straffälligen schätze die VGF lediglich auf "deutlich unter" der Hälfte der Zahl der Anzeigen ein, "da sich mehrere Strafanzeigen auch auf eine Person beziehen können".

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Nicht angezeigt werden strafunmündige Jugendliche, erklärt Majer in seiner Antwort auf eine Anfrage der Fraktionschefin der Linken im Stadtparlament, Dominike Pauli. Nicht enthalten in den Zahlen sind die Ergebnisse der Kontrollen in anderen Verkehrsmitteln. Denn in der S-Bahn übernimmt das ein Prüfdienst im Auftrag der Bahn, in den Bussen im Auftrag der städtischen Nahverkehrsorganisation Traffiq.

Menschen für das Nichtkaufen einer Fahrkarte zu bestrafen ist allerdings nicht die Maxime in Frankfurt. Denn Stefan Majer betont, dass es "Philosophie" der VGF sei, sich für den Kauf einer Fahrkarte zu bedanken, anstatt sich aufs Verfolgen von Fahrgästen ohne gültiges Ticket zu konzentrieren. Das werde "auch nach außen hin" kommuniziert.

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Lediglich "wenn ein Fahrgast wiederholt ohne Fahrkarte im Rahmen einer Fahrausweisprüfung angetroffen wird", stelle die VGF Strafanzeige, betont Majer. Er antwortet dabei auf eine weitere Frage aus der Fragestunde der Stadtverordnete, konkret von Falko Görres (Die Fraktion). Der hakt nach, ob denn auch der Magistrat das Fahren ohne Fahrschein als Straftat ansieht, die mit Haftstrafen geahndet werden müsse.

Falko Görres erinnert dabei an die Berliner Initiative "Freiheitsfonds", die Menschen aus Gefängnissen freikaufe, die wegen Schwarzfahrens eine Ersatzfreiheitstrafe im Kittchen absitzen, weil sie eine Geldstrafe nicht bezahlen konnten. Ziel sei es, das Fahren ohne Fahrschein zu entkriminalisieren und nur als Ordnungswidrigkeit einzustufen.

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Auf die Frage geht der Dezernent nicht direkt ein - kein Wunder, ist die öffentliche Hand an die geltenden Gesetze gebunden. Allerdings lässt der Dezernent durchblicken, dass in Frankfurt eben beileibe nicht jedem Schwarzfahrer sofort eine Anzeige droht. Anders ist das beim "erhöhten Beförderungsentgelt", kurz EBE: Zwar gelten überall die gemeinsamen Beförderungsbedingungen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). In diesen steht, dass Fahrgäste das EBE, 60 Euro, zahlen müssen, wenn sie bei einer Kontrolle keine gültige Fahrkarte vorzeigen können.

Selbst hier gibt es aber in Frankfurt Kulanz: Sollte jemand seine personenbezogene Fahrkarte - also zum Beispiel eine persönliche Jahreskarte - vergessen haben, könne er diese nachträglich im VGF-Service-Center vorzeigen, erinnert Stefan Majer. Auch persönliche wie schriftliche Einsprüche würden bei der VGF "kundenorientiert und mit einem Kulanzspielraum" geprüft. Das greife zum Beispiel, wenn "durch die Gesamtumstände erkennbar ist, dass versehentlich eine falsche Fahrkarte gezogen wurde". (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Eine wilde Verfolgungsjagd lieferte sich ein 22-jähriger Mann in Frankfurt mit der Polizei, nachdem er beim Schwarzfahren erwischt wurde. Er rannte in einen S-Bahn-Tunnel, der infolgedessen gesperrt werden musste.

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