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"Gehen schon die ganze Zeit von einer hohen abstrakten Gefahr aus": Polizisten bewachen den Frankfurter Weihnachtsmarkt.

Nach Anschlag in Straßburg

Frankfurt trotzt dem Terror

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Touristen und Einheimische schlendern am Tag nach dem Straßburger Terroranschlag über den Frankfurter Weihnachtsmarkt. „Wir lassen uns doch von ein paar Durchgeknallten nicht die Stimmung verderben“, heißt es am Glühweinstand. Anderen ist doch etwas mulmig zumute. Die Sicherheitsvorkehrungen sind weiterhin hoch. Mehr Schutz geht nicht, sagen Polizei und Veranstalter.

Eine asiatische Reisegruppe stellt sich vor dem Römer für ein Erinnerungsfoto auf. Der Fotograf steigt die Treppenstufen nach oben, er will den großen Weihnachtsbaum mit auf dem Bild haben und auch die Gipfel der Altstadt sollen noch zu erkennen sein. Auf dem Römerberg herrscht reges Treiben. An den Glühwein- und Grillwurstständen drängeln sich Geschäftsleute, Touristen, Rentner, Schüler und Studenten. Das Kinderkarussell ist beliebt wie eh und je.

Angst vor Terroristen ist hier am Mittwochmittag nicht zu spüren. Dass am Abend zuvor ein islamistischer Attentäter rund 200 Kilometer westlich entfernt auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt wild um sich geschossen hat, scheint auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt kein großes Thema zu sein.

Es kann jeden treffen

„Wenn ich mich ins Flugzeug setze, denke ich auch nicht ständig daran, dass es abstürzen könnte“, sagt ein Mittfünfziger aus der Wetterau. „Wenn hier einer mit dem Sprengstoffgürtel um den Bauch herumläuft, was soll man da machen? Es kann jeden treffen . Aber wir lassen uns doch von ein paar Durchgeknallten nicht die Stimmung verderben.“ Seine beiden Bekannten nicken.

Zum Thema: Tote und verletzte in Straßburg: Was wir wissen - und was nicht

Die Polizei zeigt auf dem Römerberg deutlich Präsenz. Die Beamten tragen signalgelbe Armbinden, damit sie im dichten Gedränge sofort auffallen. Einige haben Maschinenpistolen dabei, andere nur Schlagstöcke und die normale Dienstwaffe. Hinzu kommen Zivilpolizisten, Zufahrtssperren und Videokameras. Diese Sicherheitsvorkehrungen während des Weihnachtsmarkts sind keine Reaktion auf den Straßburger Anschlag.Sie waren von Anfang an hoch. „Viel mehr geht eigentlich nicht“, sagt eine Sprecherin der Frankfurter Polizei. „Wir gehen schon die ganze Zeit von einer hohen abstrakten Gefahr aus.“

Auch der Veranstalter sieht das so. „Unser Sicherheitskonzept ist so ausgereift, dass es gar nicht mehr optimiert werden kann“, sagt Cheforganisator Kurt Stroscher von der städtischen Tourismusgesellschaft. „Es sei denn, wir bauen eine Festung und machen Einlasskontrollen wie am Flughafen. Aber das hätte mit einem Weihnachtsmarkt nichts mehr zu tun. Dann hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht“, sagt Stroscher. Ob die Zahl der Besucher nach dem Angriff im Elsass zurückgehe, könne er noch nicht sagen. „Mein Eindruck ist aber, dass die Leute eher denken: Jetzt erst recht. So war es auch nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor zwei Jahren.“

Keine Angst zeigen

Unter den zahlreichen Besuchern herrscht diese Jetzt-erst-recht-Stimmung tatsächlich. Doch was ist mit denjenigen, die jeden Tag hier sind, weil sie auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten? „Man hat die Gefahr schon immer im Hinterkopf“, sagt Monika Michel, die Crêpes und Dampfnudeln mit Vanillesoße verkauft. „Aber wir versuchen, nicht daran zu denken. Man darf keine Angst zeigen.“

Auf der Straße zwischen Paulsplatz und Römerberg sorgt kurz darauf ein lautes Zischen für Unruhe. Passanten drehen sich aufgeschreckt um. Auch vier an einer Häuserecke postierte Polizisten reagieren etwas nervös. Das laute Geräusch kommt aus einem Lieferwagen, der vor einer Gaststätte parkt.

Doch schnell stellt sich heraus, dass hier keine Terroristen am Werk sind, sondern Handwerker mit einem lauten Druckluftgerät hantieren. Die kurze Aufregung legt sich sofort wieder. Doch die Schrecksekunde zeigt, dass es einfacher gesagt als getan ist, keine Angst zu zeigen.

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