So sollte es auch für die Mehrzahl der städtischen Angestellten sein: Eine Frau arbeitet mit Hörschutz im Homeoffice.
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So sollte es auch für die Mehrzahl der städtischen Angestellten sein: Eine Frau arbeitet mit Hörschutz im Homeoffice.

Corona-Pandemie

Kein Homeoffice bei der Stadtverwaltung in Frankfurt – Trotz Corona-Regeln

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Nur rund 30 Prozent des Personals arbeiten bei der Stadtverwaltung Frankfurt im Homeoffice. Es macht sich Unmut breit.

Frankfurt – In den sozialen Netzwerken ist Stadtrat Markus Frank (CDU) emsig unterwegs. In Wort und Bild. Am Dienstag postet er eine kleine Foto-Serie, eine Art Fastnachts-Stillleben: hübsch zu Bergen drapierte weiß bezuckerte Kreppel in hochkalorischer Einigkeit mit Mutzen und fettgebackenen Kringeln, alles umrahmt von bunten Luftschlangen. Markus Frank hat eine Beschreibung dazu verfasst: „Teeküche im Dezernat: Das, was ihr hier seht, ist selbstverständlich eine Ausnahme.“ Dabei könnte man es belassen, zumal nach Aschermittwoch. Indessen mag sich mancher Betrachter gefragt haben: Wer hat das alles verputzt? Ist da niemand im Homeoffice?

Seit Wochen gilt der Generalappell: Wer eben kann, soll zu Hause arbeiten statt im Büro. Kontakte sollen vermieden werden, um dem Coronavirus keine Ausbreitungsmöglichkeiten zu bieten. Im Dezernat für Wirtschaft, Sport, Sicherheit, Feuerwehr arbeite niemand im Homeoffice, erklärte Büroleiterin Andrea Brandl gestern auf Nachfrage. Alle zwölf Beschäftigte gingen in Einzelbüros ihrer Arbeit nach, die fern des Büros nicht zu erledigen sei. Weil die Zugriffsmöglichkeit auf Akten, Handmappen und sonstige Unterlagen dafür unentbehrlich sei. Digitalisiert sei praktisch nichts. Brandl: „Akten gehen hier analog von Hand zu Hand.“

Die Stadt Frankfurt beschäftigt in der Verwaltung rund 13 000 Männer und Frauen. Für 8000 von ihnen hat das Dezernat für Bau und Immobilien, Reformprojekte, Bürgerservice und IT einem Sprecher zufolge digitale Zugänge zum IT-System der Stadt geschaffen, 60 neue Server eingerichtet und die Telefonanlage ausgebaut, für 1,6 Millionen Euro.

Stadtverwaltung Frankfurt: Seit Wochen kein Homeoffice – keine Änderung in Sicht

Im März vergangenen Jahres, als das Coronavirus begonnen hatte, Ansteckungsfähigkeit und krankmachendes Potenzial zu entfalten, erließ der Dezernent für Gesundheit und Personal, Stefan Majer (Grüne), seine erste „Dienstanweisung zum Schutz der städtischen Mitarbeitenden vor Infektionen durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 (Covid-19)“, in der er festlegte, dass jeder Mitarbeiter „nach Abstimmung mit der direkten Führungskraft zur Reduzierung sozialer Kontakte“ zu Hause arbeiten sollte. Majer stellte diese Arbeitsform unter das Rubrum „Corona-Homeoffice“ und verpasste ihr noch die Einschränkung „wenn dienstliche Belange nicht entgegenstehen“. Das war im ersten Lockdown.

Nun sind wir ein Jahr und einen Lockdown weiter. Der Frankfurter Personaldezernent hat inzwischen wegen der Corona-Krise einen Verwaltungsstab berufen. Der Bundesarbeitsminister hat mit einer Verordnung der Verpflichtung zum Homeoffice Nachdruck verliehen: Jeder Arbeitnehmer soll die Arbeit vom Wohnzimmer aus einfordern können. Im Falle der Ablehnung müsse der Arbeitgeber oder Vorgesetzte dies begründen.

Es gibt städtische Mitarbeiter, die offenbar andere Erfahrungen machen. Horst Kurz (Name von der Redaktion geändert) bemängelte bereits vor Wochen, dass ihm verwehrt werde, seine Arbeit im Homeoffice zu verrichten. Daran habe sich bis heute nichts geändert.

Frankfurt: Verwaltungsmitarbeiter fast alle im Büro – Homeoffice wäre möglich

„In unserer Abteilung hat mittlerweile jeder Mitarbeiter die technischen Voraussetzungen, um im Homeoffice zu arbeiten“, so Kurz. Bis zu zwei Tage pro Woche könnten er und seine Kollegen variabel im Homeoffice arbeiten, nach Absprache mit dem Vorgesetzten.

„Der Mitarbeiter muss dann begründen, warum er ins Homeoffice geht und die anstehende Arbeit dokumentieren“, so Kurz. Die Begründungspflicht sei damit umgekehrt worden. „Also sind hier weiterhin fast alle im Büro, während sich fast alle Mitarbeiter von Partnerfirmen im Homeoffice befinden“, berichtet Kurz und nennt das „verkehrte Welt“.

Die Sprecherin des Personaldezernenten hat dafür keine Erklärung. Ämter und Betriebe seien per Dienstanweisung und vor vier Wochen noch einmal per Rundmail darauf hingewiesen worden, dass es Aufgabe der Führungskräfte sei, „proaktiv“ Mitarbeiter zum mobilen Arbeiten aufzufordern. Lehne der Mitarbeiter ab, werde das dokumentiert. „Nur zwingende dienstliche Gründe dürfen der Wahrnehmung der Aufgaben zu Hause entgegenstehen“, so die Sprecherin.

Homeoffice in der Satdtveraltung: Frankfurt liegt über bundesweitem Durchschnitt

Im Zweifels- oder Konfliktfall könnten Mitarbeiter über zwei Hotlines beim Personal- und Organisationsamt organisatorische und arbeitsrechtliche Fragen adressieren. „Da kann, falls notwendig, auch nach konstruktiven Lösungen gesucht werden“, so die Sprecherin.

Nach einer Auswertung des städtischen Zeitwirtschaftssystems befänden sich täglich durchschnittlich rund 30 Prozent des städtischen Personals im Homeoffice. Damit liegt die städtische Verwaltung über dem bundesweiten Durchschnitt. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung arbeiteten Ende Juni 2020 rund 16 Prozent der befragten Beschäftigten überwiegend oder ausschließlich zu Hause. Weitere 17 Prozent gaben an, abwechselnd im Betrieb oder zu Hause zu arbeiten. Der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice war damit deutlich höher als vor Ausbruch der Pandemie, als nur vier Prozent überwiegend oder ausschließlich zu Hause arbeiteten. Noch höher als zuletzt war der Anteil allerdings mit 27 Prozent im April 2020, also kurz nach Beginn der Corona-Krise in Deutschland. Überraschend gering war die Nutzung des Homeoffice hingegen im November 2020 ausgefallen: Nur 14 Prozent der Beschäftigten arbeiteten zu Hause, obwohl die Politik an die Arbeitgeber appelliert hatte, mobile Arbeit flächendeckend möglich zu machen. Erst im Januar 2021 waren die Zahlen wieder annähernd auf dem Niveau vom April des Vorjahres. (Sylvia Amanda Menzdorf)

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