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Lückenschluss der U4: Stadt prüft zweite Variante

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Um die Lücke im Netz der U-Bahnlinie 4 zu schließen, prüft die Stadt Frankfurt derzeit zwei mögliche Streckenvarianten. (Archivfoto)
Um die Lücke im Netz der U-Bahnlinie 4 zu schließen, prüft die Stadt Frankfurt derzeit zwei mögliche Streckenvarianten. (Archivfoto) © Hannes P. Albert/dpa

Die Stadt Frankfurt plant, die U4-Lücke zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim zu schließen. Jetzt prüft sie eine zweite, eher oberirdische Streckenvariante.

Frankfurt – Die Stadt Frankfurt prüft eine zweite Variante für den U4-Lückenschluss zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim. Bisher galt die Strecke via Uni-Campus Westend als Favorit, nun soll auch die von Gegnern bevorzugte direkte Strecke untersucht werden. Die Chancen der U-Bahn-Station unter der Universität sinken damit dennoch wohl nicht.

Schon seit längerem spricht sich eine sehr breite politische Mehrheit von CDU, FDP, SPD, Grünen und Linke dafür aus, die U4 direkt unterm Uni-Campus halten zu lassen – sofern das ohne Schäden am Grüneburgpark möglich ist. Zwei Bürgerinitiativen, mehrere Gruppen und der Umweltverband BUND sind aber dagegen. Sie bevorzugen eine direkte Streckenführung entlang von Zeppelin- und Miquelallee und behaupten, es drohten Schäden am Grüneburgpark durch einen U-Bahn-Tunnel. Belege dafür haben sie bisher nicht geliefert.

U4-Tunnelbau: Stadt untersucht ökologische Auswirkungen für Frankfurt

Die Stadt hingegen lässt genau das mit zwei Gutachten untersuchen. So läuft im Auftrag des Umweltdezernats bis Sommer 2022 ein Baumgutachten, das die Auswirkungen eines Tunnels untersucht. Erst vor wenigen Tagen hatte Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) erklärt, dass nun auch ein Grundwassergutachten beauftragt worden sei. Es werde 2023 fertig - und damit ein Jahr später als bisher angekündigt.

Schon im vorigen Jahr hatte Majers Vorgänger Klaus Oesterling (SPD) dieses Gutachten angekündigt. Es sei aber noch nicht vergeben gewesen, erklärt Wolfgang Siefert, Majers Referent für Mobilität. "Das war noch nicht so weit, wie es ausgesehen hat."

Frankfurt: Bürgerinitiative hält Untersuchung für „nicht rechtens“

Dass die Stadt überhaupt die Tunnelfolgen untersucht, ist einigen Tunnelgegnern jetzt plötzlich ein Dorn im Auge. Es sei "nicht rechtens", dass geologische Bohrungen durchgeführt werden, sagt Gisela Becker von der Bürgerinitiative Grüneburgpark. Diese seien "keine ökologischen Untersuchungen, sondern es handelt sich um einen Vorgriff auf die Planfeststellung, um den langen, teuren Tunnel durchzusetzen".

Majers Sprecher Siefert räumt ein: Die Grundwasseruntersuchungen seien – auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit – so angelegt, dass ihre Ergebnisse später auch im Genehmigungsverfahren verwendet werden könnten. Allerdings seien beide Studien ja auch von den Initiativen gefordert worden und für die Entscheidung der Politik nötig.

Die unterirdische U4-Variante mit Stopp am Campus Westend schätzt eine Bürgerinitiative als problematisch ein.
In Frankfurt erscheinen derzeit zwei U4-Lückenschließungen möglich. Eine Variante verläuft mehr oberirdisch, eine andere hat einen langen unterirdischen Abschnitt.  © FNP

U4 in Frankfurt: Stadtverwaltung prüft zwei mögliche Strecken-Varianten

Außerdem kommt die Stadt den Gegnern entgegen: "Wir untersuchen jetzt beide Varianten", betont Siefert, also sowohl jene via Uni-Campus als auch die direkte Strecke mit Halt nur am Botanischen Garten, was die Initiativen fordern. "Wir verfolgen die Varianten 1 und 3 weiter, um eine fundierte Entscheidung herbeiführen zu können." Auch für die Rechtssicherheit sei das nötig.

Dass die Stadt auch die Variante 1 entlang von Zeppelin- und Miquelallee prüft, überrascht: Dezernent Oesterling hatte bereits die Uni-Variante 3 als Favorit genannt. Der lange Tunnel via Campus sei die schonendste Lösung für die Grünanlagen, sagte er. Fachleute bestätigen diese Einschätzung. Auch verlaufen Tunnel anderswo in der Stadt seit Jahrzehnten unter Grünflächen ohne Schäden an Bäumen, etwa unter dem Zoo oder den Wallanlagen.

Gutachter: U4-Strecke unter Uni-Campus ist vorteilhaft für Frankfurts Entwicklung

Andererseits hat die großteils oberirdische Variante 1 einen eklatanten Nachteil: Für sie müssten am Westrand von Palmengarten und Botanischem Garten 100 Bäume gefällt werden, hatten die Gutachter und Klaus Oesterling gewarnt. Daher sei diese Variante im Vergleich zur Tunnellösung fast ohne Baumfällungen wohl nicht genehmigungsfähig, schätzte der vorige Dezernent.

Auch der Gutachter der Stadt, der 2020 alle Varianten einer Kosten-Nutzen-Untersuchung unterzogen hatte, hatte die Anbindung der Uni empfohlen. Sie ist zwar mit 243 Millionen Euro Baukosten teurer als die direkte Trasse für 168 Millionen. Doch sei der Nutzen für die Stadtentwicklung durch den Uni-Anschluss deutlich größer. Auch Universitätsleitung, Studierendenschaft und Industrie- und Handelskammer fordern den U4-Halt unterm Campus.

Frankfurt: Unklarheit über Fertigstellungstermin der U4-Linie

Trotz des verzögerten Gutachtens rechnet Wolfgang Siefert damit, dass die Stadt ihren Zeitplan hält. Eine Veröffentlichung der Verkehrsgesellschaft VGF im Internet hatte vor einigen Tagen jedoch Zweifel daran genährt. Das städtische Unternehmen schreibt, es sei "mit einem Baubeginn zwischen 2030 und 2032 zu rechnen" und "die Inbetriebnahme könnte fünf Jahre später erfolgen".

Diese Zahlen stammten "vermutlich aus Erfahrungswerten der VGF", sagt der Referent des Dezernenten. "Dieser Fertigstellungstermin ist reine Fiktion." Die Pläne der Stadt, ab wann die U4 durchgehend vom Hauptbahnhof zum Riedberg rolle, seien unverändert, beteuert Wolfgang Siefert: "Wir haben weiter das Ziel 2030." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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