U-Bahn Frankfurt
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2001 saßen sich Silvana und Christian Vogel in der U2 in Frankfurt gegenüber und verliebten sich. Sie sind auch heute ‒ fast 20 Jahre später ‒ glücklich zusammen (Symbolbild).

Es geschah in der U2

Frankfurt: Die große Liebe in der U-Bahn gefunden – nun erzählt das Paar die Geschichte

  • vonUte Vetter
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Die Geschichte eines Mannes, der eine Frau aus der U5 suchte, berührte viele Menschen. Nun erzählt ein Paar seine ganz persönliche Frankfurter U-Bahn-Liebesgeschichte.

  • In den U-Bahnen in Frankfurt laufen sich ständig fremde Menschen über den Weg.
  • Einige finden einander gut und lernen sich kennen. So, wie ein junger Mann, der kürzlich eine Frau aus der U5 suchte.
  • Manchmal werden aus den Blickkontakten auch Love-Storys mit Happy End. Ein Paar erzählt seine Geschichte.

Frankfurt – Die Liebe gilt als eine Himmelsmacht. Erzwingen lässt sie sich nicht. Doch wer mit offenen Augen durchs Leben geht, der kann sie auch im ganz realen Leben, respektive bei einer Fahrt mit der Frankfurter U-Bahn finden. Mal gehen derlei Love-Storys famos aus und enden wie im Märchen – manchmal wird’s leider nix mit der oder dem ausgeguckten Fremden, weil bereits liiert. Diese Geschichte bietet beides.

Es war einmal ein junger Mann, der fuhr mit der U5 durch Frankfurt. Es war im kalten Jänner. Er sah sie, ihre Augen trafen sich. Ein magischer Moment. Doch er fasste sich kein Herz, sondern selbiges rutschte ihm in die Hose und er stieg aus, wo er immer ausstieg, Station „Musterschule“. Sein Verhaltensmuster bereuend, wollte er Sekunden später zurück, zurück zu ihr, zurück in die U5 – doch die Türen schlossen sich.

Frankfurt: Romantiker aus der U5 hat seine Traumfrau gesucht

Er konnte sie nicht vergessen. Und so hängte er einen Zettel aus, auf dem geschrieben stand: „Aus kurzer gemeinsamer U5-Fahrt! Wir sind am 27.01. gegen 14.45 Uhr beide an der Station Hauptfriedhof eingestiegen und standen uns in der Bahn kurz gegenüber. Unsere Blicke trafen sich. Ich bin an der Musterschule ausgestiegen, habe mich sofort zu Tode geärgert, dich nicht angesprochen zu haben! Wollte direkt zurück in die Bahn, aber die Türen gingen zu!“

Um auch ja die Richtige zu finden, gibt’s Personenbeschreibungen: „Du (weiblich): Braune Haare, traumhafte Augen, blaue Patagonia-Jacke, schwarze Vans. Ich (männlich): Schwarze Mütze, grauer Mantel, schwarze Vans.“ Und auch Passanten spricht der Entflammte an: „It’s a long shot, aber falls du das hier liest (oder jemand, der dich hieran erkennt), würde ich mich unendlich über eine Nachricht freuen!“ Er nennt eine Mailadresse. Und auf dass die Suche nicht allzu schnöde von Mitarbeitern der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) beseitigt werden möge, bittet er darum, den Zettel hängen zu lassen.

U5 in Frankfurt: Traumfrau meldete sich – aber es gab kein Happy End

Womit der junge Mann nicht rechnet: Seine Love-Story, die erst noch eine werden soll, geht viral. Ein Fahrgast teilt die romantische Suche nach der U-Bahn-Liebe auf Twitter; prompt wird weiter geteilt. Der Suchende empfindet das wie ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sei es schön, dass seine Aktion Menschen gefällt, dass Fremde ihn unterstützten, er ihnen offenbar sogar neue Hoffnung auf Liebe schenkt. Er erhält Nachrichten von Fremden, die fragen, ob seine Suche erfolgreich ist; sei es über die von ihm angegebene E-Mail-Adresse oder in Kommentaren unter geteilten Posts in den sozialen Medien. Andererseits denkt der junge Frankfurter auch: „Irgendwie ist es erschreckend, festzustellen, in welcher Welt wir leben, wenn eine solche Aktion so etwas arg Außergewöhnliches ist.“

Dass es auch Zyniker gibt, die nichts Besseres zu tun haben, als ihn zu verhöhnen und natürlich die sowieso dämlichen Medien gleich noch dazu, das ist uns keine Zeile wert. Dafür ist die Liebe zu kostbar. Selbst wenn sie die gesuchte U-Bahn-Traumfrau am Ende nur erklären lässt, dass sie anderweits glücklich liiert ist.

Love Story in Frankfurt: Vor 20 Jahren trafen sich ihre Blicke in der U2

Dass die Geschichte auch anders, nämlich positiv, hätte enden können, das beweisen Silvana und Christian Vogel. Die Ex-Frankfurter haben sich nämlich vor fast genau 20 Jahren bei einer U-Bahn-Fahrt in Frankfurt in die Augen gesehen und ineinander verliebt!

Doch schön der Reihe nach! Die Vogels meldeten sich jetzt bei der Frankfurter Neuen Presse, weil sie den FNP-Artikel „Suche nach der U-Bahn-Traumfrau“ zufällig im Internet gelesen haben. „Und zwar mit einem Schmunzeln und einem sehr schönen Gefühle der Erinnerung“, schreibt Silvana. „Mein Mann und ich haben uns als zugezogene Frankfurter (beide aus unterschiedlichen Bundesländern kommend) in der U2 kennengelernt. Es war ein Freitag, der 1. Juni 2001, also vor 20 Jahren!“

Auf dem Weg zur Arbeit an diesem schönen, sonnigen Morgen saß ihr Zukünftiger bereits im Zug, als sie an der U-Bahn-Station Kalbach zustieg und zufällig den Platz ihm gegenüber wählte. Und sie weiß es noch, als wäre es erst gestern gewesen: „Als sich unsere Blicke trafen, war es direkt um mich geschehen!“ Sie lächelten sich immer wieder an, und das ganze 20 Minuten lang. „An der Hauptwache stiegen wir beide aus“, sagt Silvana, „und ich hoffte, dass er den ersten Schritt machen würde“. Und so kam es auch. „Der freundliche, gut aussehende junge Mann, damals 25 Jahre, gab mir, 20 Jahre jung, seine Visitenkarte.“

Fahrt mit der U2 in Frankfurt führt zu jahrzehntelanger Liebesgeschichte

Sie traute sich, rief noch am selben Abend an. Wenige Tage später fand die erste von vielen Verabredungen statt. „Ich arbeitete damals in einer großen Rechtsanwalt-Societät, lebte seit 1999 in der Stadt, kannte mich etwas aus. Er war gerade erst nach zweieinhalb Jahren Arbeit in den USA für eine große Hotelkette nach Frankfurt gekommen.“

Das erste Date war am Wäldchestag. „Damals gaben einem die Frankfurter Firmen ja einen halben Tag frei, und so zeigte ich ihm den Römer, den Maintower, die Stadt eben.“ Wir bitte? Es zog sie nicht ins Wäldchen? „Nein“, sagt sie am Telefon und lacht. „Da kam ich irgendwie gar nicht drauf“.

Sie verliebten sich, nachdem sie 2001 zusammen in der U2 in Frankfurt gefahren sind. Das Bild zeigt das Paar, als Christian Vogel (links) 2002 zum ersten Mal zu Besuch bei Silvanas Eltern war.

U-Bahn-Liebe in Frankfurt: „Unser Gefühl von damals ist immer noch da“

„Unser Gefühl von damals ist immer noch da“, sagt Silvana. „Und wir halten diesen ’Zufall’ in Ehren und sind dankbar, dass sich unsere Wege gefunden haben. 2019 sind wir als kleine Familie mit unserem Sohn (7) in die Heimatstadt meines Mannes nahe Berlin gezogen.“

Silvana und Christian Vogel sind immer noch glücklich zusammen, nachdem sie sich 2001 in der U2 in Frankfurt kennengelernt hatten.

Und dann sagt Silvana Vogeler etwas, was ihr und ihrem Traummann aus der U-Bahn sehr wichtig ist: „Wir möchten allen Singles da draußen etwas mitgeben: Bitte schaut von euren Handys auf und blickt euch wieder in die Augen... am Bahnsteig, in der Bahn – und generell. Ein kleines Lächeln kann alles verändern und der Beginn von etwas Großem sein.“ Wie wahr. (Ute Vetter)

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