Der Überfall stellte sich als Videodreh des Gangsterrappers Kollegah heraus.
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Der Überfall stellte sich als Videodreh des Gangsterrappers Kollegah heraus.

Bahnhofsviertel

Polizei stoppt Kollegah-Videodreh in Frankfurt - Anwohner halten Überfall für echt

  • vonSabine Schramek
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  • Sebastian Richter
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In Frankfurt hat die Polizei mit einem Großeinsatz einen Dreh des Rappers Kollegah gestoppt. Anwohner hielten den Überfall für echt.

  • Die Polizei wird am Samstag (07.11.2020) zu einem vermeintlichen Überfall im Bahnhofsviertel gerufen.
  • Die Gangster stellen sich als Rapper Kollegah und dessen Team heraus.
  • Kollegah sieht in dem Polizeieinsatz „ein neues Level an Realismus und Gangster-Rap“.

Update vom Montag, 09.11.2020, 12.21 Uhr: Ein Video-Dreh des Rappers Kollegah hat am Samstag (07.11.2020) für viel Aufregung in Frankfurt gesorgt. Zeugen hatten sich gemeldet, weil im Bahnhofsviertel der Stadt scheinbar ein Juweliergeschäft mit Schusswaffen überfallen wurde. Jedoch habe es sich bei der vermeintlichen Straftat um eine Filmszene für das Musikvideo gehandelt.

Der Produzent des Drehs habe es versäumt, die Polizei über „sein äußerst öffentlichkeitswirksames Vorhaben zu unterrichten“, sagte ein Sprecher später der Deutschen Presse-Agentur. Der Frankfurter Rapper und Musikproduzent Hassan Annouri sieht dahinter eher eine geplante Aktion, wie er gegenüber „Bild.de“ zugab. „Am Ende ist das eine PR-Aktion. Die einzigen, die gewonnen haben, sind die Macher des Videos. Ansonsten wurden nur Steuergelder versenkt“.

Frankfurt: Video-Dreh von Rapper Kollegah läuft aus dem Ruder

Auch der Frankfurter Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) äußerte sich zu der Aktion und fand klare Worte. Unabhängig von der Genehmigung sei es „grob fahrlässig, nicht der Polizei Bescheid zu geben, wenn man sehr realitätsnah einen Überfall simuliert“, wird er von der Bild-Zeitung zitiert.

Ein Zeuge, der den Polizeieinsatz im Frankfurter Bahnhofsviertel miterlebt hatte, erzählte, wie er den Einsatz miterlebte. Eine Situation wie die am Wochenende habe er seit „sieben Jahren nicht im Bahnhofsviertel erlebt.“ Er berichtet von Leuten, die auf der Straße lagen und Polizeibeamte, die laut schrien. „Ich dachte zuerst an einen Terroranschlag.“

Videodreh von Rapper Kollegah löst Polizeieinsatz in Frankfurt aus

+++ 12.48 Uhr: Zu dem vermeintlichen Überfall auf einen Juwelier in Frankfurt, der sich als Videodreh des Gangster-Rappers Kollegah herausstellte, sind weitere Informationen bekannt geworden. Die Polizei habe etwa um 16.10 Uhr von dem Vorfall erfahren. Passanten meldeten zwei Personen, die mit Langwaffen den Juwelier überfallen haben sollen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main hervor. Weiter heißt es darin, dass etwa zehn Personen angetroffen wurden, darunter auch der Inhaber des Juweliergeschäfts. Die Polizei stellte fünf sogenannte „Anscheinswaffen“ sicher: zwei Sturmgewehre, eine Maschinenpistole und zwei Faustfeuerwaffen.

Frankfurt: Polizei nicht über Videodreh von Kollegah informiert

Es soll zwar eine Drehgenehmigung der Stadt Frankfurt vorliegen, der Produzent des Videos versäumte es aber, die örtliche Polizei über den Dreh zu informieren. Die Konsequenzen für die Aktion stehen noch nicht abschließend fest, wie es in der Pressemitteilung heißt. Auf die Betroffenen wird jedoch zumindest ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen des Führens von Anscheinswaffen zukommen.

Eine Reporterin vor Ort berichtet von Menschenmassen, die den Vorfall beobachtet haben. Außerdem spricht sie von einigen Personen in Handschellen, zum Teil auf dem Boden liegend oder mit dem Gesicht zur Wand. Einige Personen wurden vorübergehend festgenommen. „Es war ganz leise“, sagte ein Ladenbesitzer aufgeregt. „Erst kamen zivile Männer in den Schmuckladen gestürmt, dann die Polizeiautos mit Blaulicht. „Ich glaube, die Männer in Zivil haben zuerst welche zu Boden gebracht. Es ging alles so schnell“, sagte er blass und fassungslos.

Der Überfall stellte sich als Videodreh des Gangsterrappers Kollegah heraus.

Großeinsatz im Bahnhofsviertel in Frankfurt: Skandale um Rapper Kollegah

Kollegah selbst blieb nicht lange unentdeckt. Einige Beobachter fragen ihn nach Selfies, eine Bitte, der er mit unbewegter Miene nachkam. Zu der Anmeldung des Videodrehs äußert er sich nicht. Er bestätigt aber, wofür der Dreh und der inszenierte Überfall auf den Juwelier stattgefunden habe. „Wir haben für das neue Album von mir und Asche gedreht“, sagt der Gangsterrapper. Zu dem vermeintlichen Raubüberfall selbst meint er, dass „das ein neues Level an Realismus und Gangster-Rap“ sei.

Kollegah sorgt regelmäßig für Skandale – der größte ereignete sich im Jahr 2018, als er gemeinsam mit Rapper Farid Bang einen „Echo“ verliehen bekam. Wegen antisemitischer Inhalte gaben einige andere Musiker ihre Echos zurück. Die Verleihung des bis dahin hoch angesehenen Musikpreises wurde wegen des Skandals nach 27 Jahren eingestellt. Der Rapper Kollegah wird immer wieder wegen antisemitischer, frauenverachtender, homophober und gewaltverharmlosender Texten kritisiert.  

Videodreh sorgt für Großeinsatz der Polizei in Frankfurt

Erstmeldung von Sonntag, 08.11.2020, 09.36 Uhr: Frankfurt – Anwohner beobachten am Samstagnachmittag (07.11.2020) einen Überfall auf ein Juweliergeschäft im Frankfurter Bahnhofsviertel. Die Täter sollen schwere Waffen tragen, etwa 20 Personen sind vor Ort. Sie alarmieren die Polizei, die mit einem Großaufgebot anrückt.

Als sie den vermeintlichen Tatort erreichen, kommt die Überraschung für die Beamten: Statt auf einen bewaffneten Überfall stoßen sie auf Rapper Kollegah, der ein Musikvideo drehen will. Die Langwaffen der „Täter“ stellen sich als Attrappen heraus. Der Dreh ist nicht offiziell angemeldet und somit der Polizei nicht bekannt, wie die „Hessenschau“ berichtet.

Die Polizei klärt die Angelegenheit für die Passanten und den Gangsterrapper und sein Team. Während des Großeinsatzes werden mehrere Bahnlinien um das Bahnhofsviertel umgeleitet. Wer die Kosten des Einsatzes nun trägt, ist laut „Hessenschau“ unklar.

Polizeieinsatz wegen Überfall auf Juwelier in Frankfurt

Bei dem Dreh könnte es sich um ein Musikvideo für Kollegahs nächstes Album handeln, das der Gangsterrapper für Januar 2021 angekündigt hat. Das 14 Track starke Album „Natural Born Killas“ soll gemeinsam mit Labelsigning Asche entstehen. Der Rapper Asche ist das letzte verbleibende Mitglied in Kollegahs HipHop-Label Alpha Music Empire. Das Intro dazu ist bereits als Single veröffentlicht, das in der Szene für einiges an Aufruhr sorgte. Der Polizeieinsatz am Samstag in Frankfurt ist sicherlich eine gute Promo für das Album, auch wenn man nicht davon ausgehen kann, dass Kollegah die Sache so geplant hatte.

Erst im Sommer dieses Jahres war es tatsächlichen zu einem spektakulären Überfall auf einen Juwelier in der Innenstadt von Frankfurt gekommen, bei dem ein Auto nachts in die Fassade des Geschäftes gerast war. (Sebastian Richter und Sabine Schramek)

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