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Rollatoren, Einkaufs-Trolleys, Kinderwagen, Fahrräder - wer an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 11 aus- oder einsteigen möchte, muss fit genug sein, den Abstand zum Bürgersteig zu überwinden. Eigentlich sollte die Station schon 2018 umgebaut werden.

Barrierefrei

Umbau der Tram-Endhaltestelle Zuckschwerdtstraße? Noch ist nichts passiert

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Wann wird endlich die Straßenbahn-Endhaltestelle an der Zuckschwerdtstraße barrierefrei ausgebaut? Die Maßnahme sollte schon im vorigen Jahr umgesetzt werden - passiert ist allerdings noch nichts.

Frankfurt - Die Straßenbahn-Endhaltestelle an der Zuckschwerdtstraße ist das westliche Einfallstor nach Höchst und die Schnittstelle der Tram mit dem Busverkehr. Tausende Fahrgäste steigen dort täglich aus, deutlich weniger ein: Nur zweihundert Meter weiter, vor dem Neubau an der Ecke Zuckschwerdtstraße / Bolongarostraße, der ersten Station der Linie 11, wird ausschließlich eingestiegen. Trotzdem ist der barrierefreie Umbau der Endhaltestelle seit Jahren ein Thema, und das zu recht, wenn man beobachtet, wie viele Menschen sich dort mit Kinderwagen oder Einkaufs-Trolleys aus den hohen Straßenbahnen quälen. Im Januar 2015 hatte der Magistrat dem für den Frankfurter Westen zuständigen Ortsbeirat 6 mitgeteilt, der barrierefreie Umbau werde erfolgen; er sei für das Jahr 2018 vorgesehen. "Die Maßnahme wurde bisher nicht einmal begonnen", ärgert sich jetzt der parteilose Ortsbeirat Uwe Eisenmann - und fragt mit einem Antrag nach. Darin fordert er den Magistrat auf, zu prüfen und zu berichten, wann endlich umgebaut wird.

Tram-Endhaltestelle: Deutlich mehr Nutzer

"Die Nutzung der Straßenbahn nach Höchst hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen", hat Eisenmann beobachtet. "Alte Menschen, Behinderte und Benutzer mit Kinderwagen sind beim Ein- und Aussteigen an der Endhaltestelle erheblich eingeschränkt." Damit würde der Wille, anstelle des eigenen Autos den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, erheblich eingeschränkt.

Der öffentliche Nahverkehr, vor allem die Straßenbahnen, sind eigentlich ein Lieblingsthema von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), und die Linie 11 hat er dabei ganz besonders im Fokus: Seit etwa zwei Jahren ist es sein erklärtes Ziel, Frankfurts längste Linie über die Zuckschwerdtstraße hinaus zum Höchster Bahnhof und möglichst noch bis zur Jahrhunderthalle oder gar nach Zeilsheim zu verlängern. Darin, so könnte man argwöhnen, könnte auch die Verzögerung des barrierefreien Ausbaus der bisherigen Endhaltestelle begründet sein: Bei einer Verlängerung wäre sie keine Endhaltestelle mehr, müsste wahrscheinlich inklusive der benachbarten Bushaltestelle komplett neu angelegt werden.

Tram-Endhaltestelle: Noch wird getüftelt

Noch tüfteln die Planer an der Machbarkeit: Die Planungsgesellschaft der Regionaltangente West (RTW) soll sich damit befassen, denn sie arbeitet auch an der Linienführung der RTW über den von Sossenheim kommenden Bahndamm in Richtung Höchst.

Denn da liegt der Knackpunkt: Die Straßenbahn-Trasse müsste im Verlauf der Ludwig-Scriba-Straße auf den Bahndamm hinauf geführt werden, und sie muss auch noch auf die nördliche Seite des Bahndamms, denn RTW und Straßenbahn sollen in Zukunft an dem Bahnsteig halten, der derzeit von den Zügen der Taunusbahn genutzt wird.

Die Regionaltangente West soll von Bad Homburg und dem Gewerbegebiet Praunheim in Richtung Höchst und dann weiter zum Flughafen und nach Neu-Isenburg sowie nach Dreieich-Buchschlag geführt werden. Geplant wird seit gut zwei Jahrzehnten. Vorgesehen ist, dass die Strecke bei Sossenheim die Autobahn 66 überquert und bei der Henri-Dunant-Siedlung auf die von Bad Soden kommende Bahnstrecke trifft.

"Die RTW wird im nächsten Jahrzehnt in Höchst halten", hat Oesterling kundgetan. Bis 2028 - dem "Hundertjährigen" des Höchster Eingemeindungsvertrags - würde auch die Linie 11 von der bisherigen Endhaltestelle Zuckschwerdtstraße bis zum Höchster Bahnhof geführt - vielleicht eben auch weiter gen Westen. Den Höchstern wurde schon im Eingemeindungsvertrag von 1928 zugesichert, dass die Straßenbahn bis zum Bahnhof führen soll. Im Jahr 1952 erreichte die Trasse in Verlängerung der Nieder Schleife Höchst, endet aber seit 67 Jahren an der Zuckschwerdtstraße - ohne Umsteigemöglichkeit in S-Bahn und Regionalzüge.

Tram-Endhaltestelle: Neue Planungen

Eine neue Situation ergab sich durch die notwendig gewordene Umplanung der RTW: Der gesamte Streckenabschnitt zwischen Sossenheim und Höchst sowie ein "Ast" nach Bad Soden sollen laut Oesterling nicht im Eisenbahn-, sondern im Straßenbahn-Standard ausgebaut werden. Das heißt, die Strecke bekommt einen Fahrdraht mit Straßenbahnstrom. Also dachte man sich: Auf diesem Gleis könnten auch die Züge der Linie 11 bis in den Höchster Bahnhof gelangen.

Wie die Tram auf den Bahndamm kommt, ist noch unklar. Die bestehende Straßenunterführung der Zuckschwerdtstraße ist zu eng, so dass westlich - in Richtung des Scriba-Dreiecks - der Bahndamm neu durchstochen werden müsste. Im Norden des Bahndamms wäre laut Oesterling genügend Platz für die Straßenbahn-Trasse: "Dort war früher einmal ein Ladegleis." Die benötigten Grundstücke liegen zwischen Aldi und Zuckschwerdtstraße und gehören der Deutschen Bahn und der Mainova.

von Holger Vonhof

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