Bernd Neumann vom Gewerbeverein zeigt auf die illegal und völlig schamlos im Wald von unbekannten Tätern entsorgten Autoreifen im Oberräder Stadtwald, genauer im Beckerweg.
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Bernd Neumann vom Gewerbeverein zeigt auf die illegal und völlig schamlos im Wald von unbekannten Tätern entsorgten Autoreifen im Oberräder Stadtwald, genauer im Beckerweg.

Oberrad

Frankfurt: Umweltsünder kippen Müll hinter Waldfriedhof - Stabsstelle ermittelt

  • vonStefanie Wehr
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Reifen, Reifen, immer wieder Reifen: Frankfurt-Oberrad hat ein Müllproblem. Umweltsünder hinterlassen regelmäßig ihren Abfall im Grün – insbesondere entlang der A661.

Frankfurt - Ein Haufen, nein: Ein riesiger Berg ausgedienter alter Autoreifen türmt sich seit Tagen zwischen Sträuchern und Bäumen hinter dem Waldfriedhof. Über den unschönen Anblick ärgerte sich Bernd Neumann, Vorsitzender des Gewerbevereins, der den Unrat beim Spaziergang im Wald fand. Er verständigte sofort die Stabsstelle Sauberes Frankfurt. „Die Beseitigung der Reifen ist beauftragt“, bestätigt die Co-Leiterin der Stabsstelle Dagmar Schöne. Die Kosten trägt der Stadtforst und damit das Grünflächenamt.

Verursacher des Mülls in Frankfurt-Oberrad scheuen die regulären Kosten

„Wer macht so eine Schweinerei?“, fragt sich indes der Gewerbevereinsvorsitzende, „und wie kann man das verhindern?“ Diese Fragen stellt sich auch die Stabsstelle, die eben deshalb eingesetzt wurde: um Müllverursachern den Garaus zu machen. Das ist nicht so einfach, sagt Dagmar Schöne. „Das Problem liegt zuallererst an den Menschen, die einer legalen Entsorgung aus dem Weg gehen wollen, weil die etwas kostet.“ Beim Betriebshof der FES werden pro Reifen 6,30 Euro fällig, LKW-Reifen liegen bei 18,43 Euro. Da kommt bei einem Haufen Reifen, wie dem im Oberräder Wald, eine stattliche Summe zusammen.

„Wir versuchen die Verursacher zu ermitteln und zur Kasse zu bitten“, sagt Schöne weiter. Manchmal ließen sich bei dem Müll Hinweise finden. Die Stabsstelle schickt Vorermittler los, die nach Etiketten oder Markierungen suchen, die etwa auf eine Werkstatt hinweisen, die sich der Autoreifen entledigt haben könnte. Falls man fündig wird, geht der Hinweis an die Stadtpolizei. Sogar eine Detektei wurde schon beauftragt, die Müllsünder im Gallus tatsächlich auf frischer Tat ertappte. Die Strafgelder wurden jüngst erhöht. Bei illegalem Sperrmüll sind 250 Euro Strafe fällig.

Stabsstelle musste 2019 ganze 260 Mal Müll in Frankfurt beseitigen

Bei der Stabsstelle gehen des Öfteren Meldungen über Müllfunde ein, auch beim Umwelttelefon. „Jede Woche gehen zwischen 30 und 40 Meldungen zu wilden Müllablagerungen ein“, sagt Martin Müller, Sprecher des Umweltamts. Im Jahr 2019 beauftragte das Amt 260 Mal die Beseitigung von Müll, darunter 1360 Altreifen. „Die Kosten beliefen sich auf rund 90 000 Euro“, so Müller.

Gerade in Oberrad ist das Problem nicht neu. Entlang der Autobahn A 661, südlich der Offenbacher Landstraße bis hinauf zum Burgenlandweg gibt es teilweise Kleingärten, aber auch Felder im Landschaftsschutzgebiet. Der Ortsbeirat 5 schlug vor kurzem Alarm, weil sich dort Müll und Schrott häuften. Mitarbeiter des Umweltamts sahen sich die wilden Ablagerungen entlang der Wege an und gaben die Beseitigung in Auftrag.

Die Untere Naturschutzbehörde prüft zudem, inwieweit naturschutzrechtliche Verfahren etwa zur Beseitigung unzulässiger Bauten oder Einzäunungen eingeleitet werden können. Das Areal befinde sich in der Schutzzone I des Landschaftsschutzgebiets, so das Amt. Ein rechtsverbindlicher Bebauungsplan existiert für dieses Gebiet nicht. Deshalb seien auch Bau- und Wohnwagen, Hütten und andere Aufbauten wie überdimensionierte Sichtschutzvorrichtungen dort verboten.

Kein Bolzplatz im Grüngürtel in Frankfurt-Oberrad

Gewerbliche Tätigkeiten jedweder Art sind verboten. Auch Tiere dürften dort nicht gehalten werden. Dass ausgerechnet in diesem Areal so viel Müll zu finden ist, ärgerte die Antragsteller von der Oberräder SPD besonders. Vor Jahren sollte dort ein Bolzplatz für Jugendliche eingerichtet werden. Der Regionalrat hatte dies vorgeschlagen.

„Damals ist den Oberrädern von der Stadt beschieden worden, dass in diesem Gebiet keine Tore aufgestellt werden dürften, da das vorgeschlagene Grundstück sich im Grüngürtel befände“, erinnert sich Rosita Jany. „Die zwei Tore hätten dem Grüngürtel viel weniger Schaden zugefügt, als es die in der Anlage zu sehenden Ablagerungen nun tun.“ (Von Stefanie Wehr)

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