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Sichtlich gut gelaunt auf der Teststrecke (von links): Sportdezernent Markus Frank, der Geschäftsführer der Mediengruppe Frankfurt, Dr. Max Rempel, die Geschäftsführerin der Velokonzept, Ulrike Saade, und Oliver Schwebel, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Rhein-Main.

Messe

VELO elektrisiert die Fahrradfans: 10 000 Besucher bestaunen die neusten Trends

Bei der vierten VELO Frankfurt konnten Fahrrad-Fans wieder Innovationen und Trends bestaunen, ausprobieren und bei Interesse direkt mit nach Hause nehmen. 10 000 Besucher zog es an den zwei Tagen auf das beliebte Fahrradfestival, das die Mediengruppe Frankfurt veranstaltet.

Frankfurt - Um zehn Uhr strömten am Samstag die ersten Fahrrad-Enthusiasten auf die Ausstellungsfläche der Fahrradmesse. 200 Unternehmen, Start-Ups und Vereine warteten bereits mit einer Vielfalt an Produkten und Angeboten rund ums Rad. Große Themen seien in diesem Jahr die Elektromobilität und Lastenräder, so Ulrike Saade von der Velokonzept bei der offiziellen Eröffnung. Sie selbst fahre nur noch mit dem Rad, und könne das nur weiterempfehlen.

Mehr von der Stadt sehen

Auch Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) empfahl den Frankfurtern, sich mehr auf dem Rad durch die Stadt zu bewegen. "Da sieht man viel mehr von Frankfurt", sagte er. Oliver Schwebel von der Wirtschaftsförderung Frankfurt war vor allem von den vielen lokalen Firmen und Start-Ups aus der Region beeindruckt, die bei der VELO dieses Jahr neue Fahrradtechniken präsentierten. Durch die innovativen Entwicklungen in der Branche werde es immer mehr Menschen möglich, auf das Rad umzusteigen, stimmte auch Max Rempel, Geschäftsführer der Mediengruppe Frankfurt, zu. "Ohne diese neue Vielfalt, die wir heute erleben, wäre das Radfahren nur halb so attraktiv", sagte er. Im Anschluss erklärte das Team der Velokonzept das Fahrradfestival für eröffnet und überließ die "Fahrradbühne" Ausstellern und Experten, die im 30-Minuten-Takt das Publikum mit Produktvorstellungen, Panel-Talks und Videopräsentationen versorgten.

In der großen Halle war die Auswahl an Fahrradzubehör und Zusatzangeboten vielfältig. Stände boten Helme, Fahrradtaschen und Bekleidung an. Ein Aussteller präsentierte einen Fahrradanhänger, der sich auf Radtouren binnen kürzester Zeit in ein Zelt verwandeln lässt, mit genügend Liegeraum für zwei Personen. Nebenan stellte ein Unternehmen ein Fahrradschloss vor, dass sich mit einer App schließen und wieder öffnen lässt. Wenn man das Schloss im verriegelten Zustand berührte, hallte ein lauter Alarmton über die Ausstellungsfläche. Daneben warb der RSG Frankfurt um den Fahrrad-Nachwuchs.

Auf der Open-Air Ausstellungsfläche ging es dann um die Stars des Wochenendes selbst: vom Lastenrad zum Faltrad, von Stadträdern zu Mountainbikes, ob als E-Bike oder ohne Hilfsmotor. Und wer seinen Favoriten gleich ausprobieren wollte, konnte auf der "großen Teststrecke" ein, zwei Proberunden um den Ausstellungsbereich radeln.

Auch das "converycle" (kurz für convertible bicycle) konnte man auf der Open-Air-Fläche betrachten. Das Rad wurde im Rahmen eines Semesterprojekts an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach entwickelt und lässt sich bei Bedarf zum Lastenrad ausklappen. Am Stand wurde demonstriert, wie sogar ein Bierkasten zwischen Sitz und Hinterrad passt. Etwas abseits der Ausstellungsstände konnten die Besucher eine weitere innovative Entwicklung in Aktion erleben: den Hövding Airbag-Helm. Dafür stürzte sich ein Freiwilliger samt Fahrrad auf eine Luftmatratze und präsentierte dem Publikum, wie sich die Halskrause bei einem Aufprall mit lautem Knall innerhalb einer zehntel Sekunde zu einem Airbag um den Kopf aufblasen lässt.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr war diesmal auch wieder mehr für die Junior-Radler dabei. Eine große Auswahl an Lauf- und Kinderrädern, sowie ein vom ADAC Frankfurt bereitgestellter Kinderparcours warteten in der kleinen Halle auf junge Besucher.

Nachwuchs mitgebracht

Viele Eltern brachten den Nachwuchs daher mit auf die Fahrradmesse. So auch Jonathan Gammert und Maike Schmidt-Gammert.

Für den ADAC-Kinderparcours war der einjährige Sohn Balthasar noch zu klein, aber die Familie zog auf der Suche nach einem neuen E-Bike am Samstag gemeinsam durch die Ausstellungsstände. "Wir finden vor allem die innovative Vielfalt der VELO toll. Das hat uns sehr beeindruckt", so die beiden.

Auch Michael Petretty war am Wochenende auf der VELO unterwegs, um sich die Neuigkeiten in der Fahrradbranche anzuschauen.

Lastenräder gefragt

Der begeisterte Fahrradfahrer greift mittlerweile nur noch bei schweren Einkäufen zum Autoschlüssel. Ihn interessierten daher vor allem die Lastenräder, die auf der Messe zu sehen waren. Auch im kommenden Jahr erwarten die Frankfurter Besucher wieder viele Innovationen aus der Fahrradbranche, dann zum Jubiläum des Frankfurter Fahrradfestivals. Zum 5. Mal kommt die VELO am 6. und 7. Juni 2020 nach Frankfurt.

Frankfurt.Von der Untermainbrücke bis zur alten Brücke soll das Mainufer künftig den Radfahrern gehören - zumindest ein Jahr lang. Ab August soll der Abschnitt auf der Innenstadtseite des Mains 13 Monate lang probeweise für Kraftfahrzeuge gesperrt werden.

Mit dem Verkehrsversuch will die Stadt Frankfurt schauen, wie Fußgänger und Radfahrer den Mainkai unter einer solchen Regelung nutzen, aber auch wie groß die Folgen des Ausweichverkehrs sind.

Anpassung vonnöten

Wenn das Projekt erfolgreich ist, könnte der Abschnitt zukünftig auch auf Dauer kraftfahrzeugfrei bleiben: Auf der VELO Frankfurt diskutierten am Samstag Vertreter der Stadt, des ADFC und des Radentscheids über diesen Verkehrsversuch und darüber, wie sich Frankfurt angesichts des steigenden Interesses am Radfahren anpassen muss.

Joachim Hochstein, Leiter des Radfahrbüros der Stadt Frankfurt, spricht zu Beginn der Podiumsdiskussion von großen Veränderungen in der Fahrradinfrastruktur, die sich ergeben werden, wenn sich in den nächsten Jahren auch das politische Klima weiter verschiebt. Diesen Trend sehe man schon heute zum Beispiel an dem Mainkai-Projekt, aber auch an dem Frankfurter Radentscheid, der vor kurzem 40 000 Unterschriften von Frankfurter Radfahrenden einsammeln konnte.

Auch Rebecca Faller und Beatrix Baltabol, Vertreter des Radentscheids Frankfurt, sind Teil der Diskussionsrunde. Die Forderungen des Entscheids beinhalten unter anderem neue Radwege und Radschnellstraßen sowie mehr Fahrradstellplätze und staatliche Kampagnen zu den Vorteilen des Radfahrens.

Obwohl der Radentscheid weit mehr als die benötigten 15 000 Unterschriften einholte, scheiterte die Durchsetzung bislang an formalen Kriterien.

Trotzdem habe der Entscheid viel bewegt, so Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt. "Es wird jetzt über Sachen diskutiert, über die wurde vor einigen Jahren noch nicht einmal nachgedacht." Doch es müsse noch viel passieren: "Das Radfahren muss so normal werden, wie das Zähneputzen am Morgen", sagt er.

"Ideale Radfahrer-Stadt"

"Frankfurt wäre die absolut ideale Fahrradfahrer-Stadt", ist sich Baltabol sicher. Sie wünscht sich, dass sich der Autoverkehr in den kommenden Jahren reduziert und die Ressourcen der Stadt zwischen Autofahrern und Radfahrern fairer aufgeteilt wird.

"Überdenken Sie ihr eigenes Mobilitätsverhalten. Lassen Sie das Auto mal zu Hause stehen", appelliert sie ans Publikum. Und wer schon Rad fährt? "Unbedingt weitermachen!" Jacqueline Melcher

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