Frankfurter Mainkai
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Eine Aufhebung der Sperrung am Mainkai in Frankfurt wird immer wahrscheinlicher. Ob die Straße dann jedoch für alle Autos zugänglich sein wird, bleibt fraglich.

Sperrung Frankfurt Mainkai

Ärger um Mainkai geht weiter: Nach Sperrung droht Dieselfahrverbot

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Trotz der Sperrung ist die Schadstoffbelastung am Frankfurter Mainkai weiterhin hoch. Bei einer Aufhebung der Sperrung droht ein Dieselfahrverbot.

  • Frankfurt Mainkai: Sperrung soll aufgehoben werden
  • Weiterhin hohe Schadstoffbelastung
  • Fahrverbot für Dieselautos droht

Frankfurt - Sollte der gesperrte Mainkai im September wieder für den Autoverkehr geöffnet werden, könnte das nur eine kurze Freude für viele Fahrer werden. Für die Uferstraße deutet sich an, dass ein Dieselfahrverbot nötig werden könnte.

Frankfurt: Schadstoffbelastung am Mainkai weiterhin hoch

42 Mikrogramm des Schadstoffs Stickoxid wurden in der Luft am Mainkai im vergangenen Jahr gemessen. Das meldet das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in seiner gestern ausgelegten Auswertung für 2019. Die Zahl ist ein Mittelwert, berechnet aufs gesamte Jahr. Sie liegt damit über dem zulässigen Grenzwert von 40 Mikrogramm. 

Bedenklich sind die 42 Mikrogramm auch deshalb, weil der Mainkai seit August für den motorisierten Verkehr sogar gesperrt ist, vor Ort also praktisch keine Schadstoffe mehr von Autos und Lastern in die Luft gepustet werden.

Der vom Stadtparlament mit breiter Mehrheit beschlossene, einjährige Test zur Sperrung der Ost-West-Achse sorgt besonders in Sachsenhausen zu Protesten. Nachdem sowohl CDU wie auch zuletzt der grüne Verkehrsausschuss Wolfgang Siefert den Versuch als misslungen ansehen, ist eine Wiedereröffnung der Straße wahrscheinlicher geworden.

Frankfurt: Streckenweise Verbot von Diesel-Autos wahrscheinlicher

Fahren dort aber wieder Autos, ist mit einem deutlichen Ansteigen der Messwerte zu rechnen. Liegen diese aber dauerhaft oberhalb des Grenzwerts, hatte der Hessische Verwaltungsgerichts die Stadt erst im Dezember dazu verdonnert, zwar keine flächendeckenden, aber zumindest streckenweise Dieselfahrverbote zu erlassen. Dass diese voraussichtlich ab 2021 notwendig würden, hatte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bereits direkt nach der Urteilsverkündigung angekündigt.

Diese Regionen in Frankfurt wären vom Dieselfahrverbot betroffen

Mit den Zahlen des HLNUG wird nun wahrscheinlicher, dass ab 2021 hier keine alten Benziner und Dieselfahrzeuge mehr fahren dürfen:

Am Erlenbruch:Im Riederwald sank der Messwert zwar um zwei Mikrogramm, liegt aber mit 50 Mikrogramm deutlich überm Grenzwert.

Kurt-Schumacher-/Battonnstraße:Nahe deren Kreuzung hat die Messstelle "Börneplatz" mit 51 sogar ein Mikrogramm mehr Stickoxid als 2018 aufgezeichnet. 2017 waren es aber sogar 54 Mikrogramm. Hier hat die Verkehrsmenge 2019 spürbar zugenommen, weil der parallel verlaufende Mainkai gesperrt ist.

Pforzheimer Straße:Der Wert nahe dem Hauptbahnhof und des Fernbusbahnhofs lag wie 2018 unverändert bei 44 Mikrogramm.

Geringere Schadstoffbelastung in vielen Teilen von Frankfurt

Gute Chancen haben Autofahrer auf der Friedberger Landstraße, dass es dort nicht zum Fahrverbot kommt. Hier ist der Messwert deutlich von 46 auf 42 Mikrogramm gesunken. Da die Stadt im südlichen Abschnitt der Straße auch noch Auto- zu Radfahrstreifen ummarkieren will, dürfte mancher Autofahrer dann womöglich andere Routen wählen. Mit weniger Verkehr dürfte auch die Schadstoffbelastung noch weiter absinken.

Deutlich unter den Grenzwerten liegen auch die Stickoxid-Belastungen in Höchstmit 34 (-2) und an der Hanauer Landstraßemit 29 (unverändert). Im Reuterwegwurde nicht mehr gemessen, nachdem der Wert 2018 auf 37 Mikrogramm gesunken war - ebenso in Sachsenhausen am Oppenheimer Platz, wo es 2018 nur 28 Mikrogramm waren. Auf dem Römerbergwurden 2018 und 2019 jeweils 29 Mikrogramm aufgezeichnet. In Schwanheimging es von 24 auf 23 Mikrogramm hinunter.

Stadt Frankfurt investiert in saubere Mobilität

Als Ursache für die sinkenden Werte macht Klaus Oesterling den laufenden Austausch der Fahrzeugflotten hin zu saubereren Modellen aus. Dabei macht auch die Stadt mit ihrer Busflotte mit. Am Mainkai in Frankfurt wird unter anderem ein autonomer Elektrobus getestet.

Zudem erhöhte die Stadt die Parkgebühren, um die Verkehrsdichte zu senken. Der Dezernent betont allerdings, dass die Messwerte stark witterungsabhängig seien. Deshalb sei es aktuell zu früh, um zu sagen, wie sie sich im laufenden Jahr entwickeln.

Die Kritiker der Mainkai-Sperrung in Frankfurt haben sich selbst derweil in eine schwierige Lage gebracht. Der Kopf der Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ erfand einen Todesfall, an dem die Mainkai-Sperrung mitschuldig sein soll. Der Rettungsdienst enttarnte die Lüge.

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