In Frankfurt plant die Gewerkschaft Verdi einen Streik im Einzelhandel. (Symbolbild)
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In Frankfurt plant die Gewerkschaft Verdi einen Streik im Einzelhandel. (Symbolbild)

Tarifverhandlungen

Streik in Frankfurt: Mitarbeiter großer Firmen demonstrieren in der Stadt

  • VonSebastian Richter
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Die Tarifverhandlungen in Hessen kommen zu keiner Einigung. Die Gewerkschaft Verdi plant eine Kundgebung und Streiks in Frankfurt.

Frankfurt – Die Gewerkschaft Verdi Hessen* hat im Einzelhandel zu Streiks aufgerufen. Am Mittwoch (07.07.2021) werden sich laut einer Pressemitteilung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einiger großer Unternehmen beteiligen. Zusätzlich sind in Frankfurt* weitere Kundgebungen und Demonstrationen geplant.

Zuvor konnte auch in der dritten Gesprächsrunde um Tarifverträge keine Einigung zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und Verdi erzielt werden. Die Verhandlungen wurden für rund 230.000 Beschäftigte im hessischen Einzel- und Versandhandel geführt. Das Angebot von Arbeitgeberseite war zu niedrig, so der Verhandlungsführer Bernhard Schiederig. Außerdem äußerte er Zweifel daran, dass 70 Prozent der Betriebe nur schlecht durch die Corona-Pandemie* gekommen seien, wie der HDE in den Verhandlungen bekräftigt habe. Beweise dafür sollen bisher nicht vorgelegt worden sein. Der HDE stützt sich unter anderem auf selbst geführte Umfragen. Eine Studie aus Kassel zeigte, dass ein negativer Effekt von geschlossenen Geschäften in der Corona-Krise* kaum Nachweisbar sei.

Hessen: Tarifstreit zwischen Arbeitgebern und Verdi – Bisher keine Einigung

„Ein deutliches Mehr im Portemonnaie“ für Beschäftigte fordert Schiederig in der am Dienstag (06.07.2021) veröffentlichten Pressemitteilung. Seiner Argumentation nach sind die Beschäftigten die Menschen, denen die Corona-Krise am meisten geschadet habe. Der HDE soll „in einer Flut verkaufsoffener Sonntage den ‚Rettungsschirm‘ für den Einzel- und Versandhandel“ sehen. Dadurch sollen auch die Innenstädte in Hessen belebt werden.

Gleichzeitig werde durch die Arbeitgeber den Beschäftigten eine „spürbare und nachhaltig wirksame Erhöhung der Gehälter, Löhne und Ausbildungsvergütungen“ verweigert, so Schiederig. Die „Knauserigkeit der Arbeitgeber“ sei ein „Markenzeichen der Händler“. Darüber hinaus sei diese „Knauserigkeit“ sozial- wie wirtschaftspolitisch „kontraproduktiv“.

Streik in Frankfurt: Verdi Hessen plant Aktionen

Laut der Pressemitteilung werden sich Beschäftigte folgender Unternehmen in Hessen am Streik beteiligen: Galeria Karstadt Kaufhof, H&M Hennes & Mauritz, Ikea, Kaufland, Parfümerie Douglas, Primark und Zara. Geplant sind mehrere Demonstrationen und eine Kundgebung in Frankfurt, bei der unter anderem Janine Wissler (LINKE) sprechen soll.

  • Geplanter Ablauf der Aktionen von Verdi in Frankfurt:
  • 10.15 Uhr     Demonstration ab Gewerkschaftshaus, Wilh.-Leuschner-Str. 69
  • 11.00 Uhr      Kundgebung an der Hauptwache
  • Es sprechen:  Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Hessischen Landtag, Marcel Schäuble, Verdi-Gewerkschaftssekretär in Frankfurt, Ingrid Reidt, Katholiche Betriebsseelsorge (angefragt)
  • 11.45 Uhr      Demonstration zur Parfümerie Douglas an der Zeil

Inwiefern der angekündigte Streik in Frankfurt und Hessen den Einzelhandel tatsächlich betreffen, ist noch nicht abzusehen.

Tarifstreit bei Einzel- und Versandhandel in Hessen: HDA widerspricht Verdi

Der HDA spricht in der Tarifrunde 2021 im Einzelhandel von einem „Dilemma“. „Die Gewerkschaft müsse einsehen, dass vor allem der nicht systemrelevante Nonfood-Handel bis heute stark unter der Corona-Krise leide“, wird Steven Haarke, HDE-Geschäftsführer für Arbeit und Soziales in einer Pressemitteilung des Verbandes vom 06.07.2021 zitiert. „Die Branche ist zwiegespalten. Es ist sehr bedauerlich, dass Verdi offenkundig nach wie vor nicht zu einem Abschluss mit entsprechender Differenzierung bereit ist.“

Es gehe bei den Verhandlungen auch um die Sicherung zahlreicher Arbeitsplätze in vielen Nonfood-Handelsunternehmen. „Man sollte doch meinen, dass dies ein Kernanliegen der Gewerkschaft sein müsste“, so Haarke weiter.

Verdi forderte für Beschäftigte an Frischetheken, Supermarktkassen oder Infozentren in Hessen eine Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent und einen monatlichen festen Betrag von 45 Euro. Zudem soll das Mindesteinkommen für untere Lohngruppen auf 12,50 Euro erhöht werden. Der HDA hatte eine Erhöhung der bisherigen Grundvergütung um 2 Prozent und eine Einmalzahlung von 300 Euro angeboten. Am 23.07.2021 sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. (Sebastian Richter) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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