+
Päckchen für Obdachlose in Frankfurt: Sabi Ushki und sein Team vom Verein Streetangel verteilen am Nikolaustag rund 500 Pakete.

In der Frankfurter Innenstadt

Wichtige Hilfe zu Weihnachten: Streetangels rühren Obdachlose zu Tränen

  • schließen

Seit sechs Jahren kümmert sich der Verein Streetangel in Frankfurt um Obdachlose. Vor Weihnachten verteilen die Mitglieder nützliche Geschenke an die Menschen auf der Straße. Ein großer Erfolg.

Frankfurt - Unter einem Vordach an einem Schmuckgeschäft in Frankfurt sitzt eine schlanke Frau mit grauer Mütze auf dem kalten Boden. Sabi Ushki hält ein Schuhkarton großes Paket in der Hand und reicht es ihr. Die Frau sieht ihn mit großen blauen Augen ungläubig an. Nach mehrfachem Zunicken streckt sie ihre Hand aus, nimmt vorsichtig das Paket. 

Ein kurzes Lächeln huscht über ihr Gesicht, bevor sie anfängt, bitterlich zu weinen. Sie kann kaum aufhören, schluchzt in ihr letztes Taschentuch. Ushkis Kollegin nimmt sie in den Arm, reicht ihr weitere Taschentücher. Mitten in der Stadt.

Frankfurt: Verein Streetangel kümmert sich um Obdachlose in der Stadt

„Sie ist relativ neu hier“, so Ushki. Es könne über Nacht passieren. „Frauen, die zu Hause rausfliegen oder Schicksalsschläge“. Mit zwei großen Wagen voller Geschenkpaketen – je einer für obdachlose Männer, einer für Frauen – rollen die zehn Nikoläuse durch die Stadt. Dazu ein Handkarren mit Thermoskannen, Bechern und Kuchen. Es regnet. Es ist kalt. Die Nikoläuse lächeln, am Boden kauernde Leute wärmen sich dankbar beide Hände am dampfenden „Blonden“ oder „Schwarzen“. 

In einer Seitenstraße der Zeil in Frankfurt liegen dicke Schlafsäcke. Ushki geht ruhig dorthin, sieht nach, „ob jemand zu Hause ist“. Ein Gesicht wird kurz sichtbar, verschwindet wieder. Ushki nickt, fragt den Mann, ob er Kaffee will. Er schläft wieder. „Er hat getrunken“, so Ushki. „Man muss die Menschen nicht anfassen. Aber jeder sollte nachsehen, ob der Mensch atmet oder auf Ansprache reagiert. Wenn nicht, sofort 112 rufen“, sagt der gelernte Sanitäter. Auch nach sechs Jahren gehen ihm diese Menschen nahe. Er beobachtet das Treiben auf der Einkaufsmeile, die bunten Lichter, Regenschirme und Passanten mit Tüten.

Frankfurt: Geschenke des Vereins Streetangel für Obdachlose kommen von Privatleuten

„Es ist bald Weihnachten“, sagt er wie zu sich. „Da muss man doch so viel Herz haben, nachzusehen, ob Leute, die in der Kälte schlafen, ansprechbar sind. Einen Krankenwagen oder Nachtbus anzurufen kostet doch nichts.“ Die Nikoläuse und Ushki sprechen jeden an, der auf der Straße sitzt. Auf sechs Sprachen. Ein paar freundliche Worte, ein Kaffee, ein kurzes Lächeln. Manche weinen, wenn ihnen ein „Alles Gute zum Nikolaus“ gewünscht wird. 

Die Geschenke sind von Privatleuten. „Das läuft alles über unsere Vernetzung auf Facebook. Mittlerweile melden sich Leute schon im Oktober und fragen, wann sie wieder Päckchen für Obdachlose vorbeibringen können.“ Von den gut 6400 Abonnenten sind fast alle aktiv bei Streetangel dabei. Da gibt es manchmal Reichweiten von 160.000“, ist Ushki selbst erstaunt. Es gibt Päckchen mit Hundefutter, Anziehsachen, Hygieneartikel und alles, was Mann oder Frau gebrauchen können oder ihnen eine Freude bereitet.

Für Obdachlose: Bereits 1800 Päckchen bei Verein Streetangel in Frankfurt eingegangen

In diesem Jahr sind bereits jetzt 1800 weihnachtlich verpackte Päckchen für Obdachlose beim Streetangel-Verein in Frankfurt angekommen. Etwa 500 werden am Nikolaustag verteilt. Ushki und seine Helfer werden von einigen bereits aus der Ferne erkannt. An der Konstablerwache winkt ein Mann mit Block auf seinen Beinen. Vollbart, dicke Jacke und einen Bleistift in der Hand. 

Tom (50) kommt eigentlich aus Kassel. „Mal lebe ich auf der Straße, mal nicht. Es ist nicht so schlimm“, sagt er. „Ich mache hier das, was in mir ist. Ich male Portraits“, sagt er frierend. Er beißt in ein Stück Kuchen, strahlt über heißen Kaffee und das Paket. Zu Weihnachten wünscht er sich, „dass Frankfurt so bleibt wie es ist. Und ich wünsche mir, dass es nicht noch kälter wird.“

Von Sabine Schramek

In Dreieich gibt es einen Gastronom mit Herz: Obdachlose dürfen am Nikolaustag in der Pizzeria von Abdelbaki Zaim kostenlos essen und trinken.

Mehr zu Arbeit der Streetangels: Das gab es noch nie. Das Deutsche Rote Kreuz Rödelheim hat gemeinsam mit dem Verein Street Angel 300 Hilfsbedürftige in Rödelheim bekocht, beschenkt und Zeit zum Genießen geschenkt. Inklusive Busfahrten von und zum Bahnhofsviertel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare