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Das Studierendenhaus auf dem Uni-Campus Bockenheim soll ein „Offenes Haus der Kulturen“ werden.

66.Geburtstag

Frankfurt: Verein will bedrohtes Café KOZ erhalten

Mehrere hundert Menschen kamen am Samstag zum 66. Jubiläum des Studierendenhauses Bockenheim, um alte Erinnerungen und neue Zukunftspläne zu feiern. Mit Theater-Workshops, Konzerten und Diskussionsrunden stellte der Verein des "Offenen Hauses der Kulturen" die neuen Initiativen vor, die nach dem Auszug des AStA mitmachen werden.

Frankfurt - So voll ist der Bockenheimer Campus der Goethe-Universität Frankfurt an einem Samstag schon lange nicht mehr gewesen. Über 50 Menschen versammeln sich bereits zum Festakt auf der Terrasse des Studierendenhauses, um sein 66. Jubiläum zu feiern. Zeitgleich wird die künftige Umwandlung in ein selbstorganisiertes, interdisziplinäres Kulturzentrum geprobt, wenn der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) ins Westend zieht. 

Ein pinkfarbener Teppich wird ausgerollt, die Sektflaschen stehen bereit. „Nachdem im Krieg alles zerstört und durch den Nationalsozialismus geprägt war, wurde das Studierendenhaus 1953 als Teil des Demokratisierungsprozess gebaut“, erzählt Lothar Augustin, der im Vorstand des Vereins „Offenes Haus der Kulturen“ sitzt. „Das gesamte Haus hat immer an einem Strang gezogen und sich kritisch mit der jungen Demokratie auseinandergesetzt“, betont Augustin.

Bockenheim: Initiative für das KOZ

Mit einem lauten Knall und Konfetti-Regen wird der Grundstein des neuen Kulturzentrums gefeiert: Reden, Versammeln, Lieben, Lachen – all diese Begriffe, die das Studierendenhaus seit 66 Jahren ausmachen, sind nun auf den weißen Kacheln neben der Eingangspforte verewigt. „Als wir wussten, dass das Haus frei wird, stand fest, dass wir es haben möchten“, sagt Bianca Riemann. Auch sie ist im Vorstand des Vereins, der sich 2011 aus den Bockenheimer Bürgerinitiativen gegen den Abriss des Gebäudes entwickelt hat.

Eigentlich sollte der AStA bereits 2014 ausziehen. „Jetzt ist er immer noch da und der Neubau hat nicht mal begonnen“, erzählt Riemann. Über 30 Initiativen kooperieren mit dem Verein und wollen das Haus in Absprache mit dem AStA schon während der Übergangsphase bespielen. 

Darunter linke antirassistische Gruppen, die Musikschule Frankfurt, Theatergruppen, Umweltaktivisten, das Türkische Volkshaus und die KOMM-Ambulanten Dienste, die an diesem Tag für das leibliche Wohl sorgen. Für geistigen Input sorgen Workshops und Diskussionsrunden. Eine Ausstellung im zweiten Geschoss dokumentiert den hart erkämpften Weg der Bürgerinitiativen vom geplanten Abriss bis zur Gründung des Vereins. Während im Kinosaal Kurzfilme gezeigt werden, machen andere beim Maskenworkshop oder Irish Dance mit.

Einige der Organisationen seien bereits jetzt schon involviert, wie die Initiative „Bockenheim mit Flüchtlingen“. „Durch die Flüchtlingswelle 2015 ist in der alten Mensa eine Einrichtung für Flüchtlinge und ein Sonntagscafé entstanden, zu dem auch Leute kommen können, die nicht viel Geld haben“, erzählt Riemann. Die Initiative „Project Shelter“ setzt sich beispielsweise gegen Obdachlosigkeit ein, bietet Schlafplatzvermittlung und Beratungsangebote an, die „teachers on the road“ geben Deutschkurse. „Zurzeit sind die Kurse noch in der Uni, wenn das Gebäude jedoch abgerissen wird, hätten wir im Offenen Haus eine Zukunftsoption“, so Ralph Lange von „teachers on the road“.

Das KOZ war mein Wohnzimmer in Bockenheim

Das Café KOZ im Erdgeschoss hat sich mittlerweile zur Tanzfläche verwandelt. Goldfolien hängen vor den Fenstern und reflektieren die bunten Lichter. „Ich war immer gerne bei den Partys im KOZ“, erinnert sich Annika Elgert (32). „Es wäre schön, wenn es unabhängig von der Kita auch Räume für Kinder gibt“, schlägt sie für die Zukunft vor. Auch Kemal Isbilir (59) erinnert sich gerne an die Zeit im KOZ. „Das war mein Wohnzimmer, das ist mein Leben und eine Kultur, die ich gerne beibehalten möchte“, betont der Bockenheimer, der das Studierendenhaus seit den 1980ern besucht.

„Wir haben jetzt die Herausforderung, das Gebäude zu einem unabhängigen und nicht-kommerziellem Haus zu transformieren“, betont Lothar Augustin. Die Schwerpunkte Wohnen, Kita, Politik und Kunst sollen auch in Zukunft erhalten bleiben. „Wir planen Büros sowie Musikproberäume zu vermieten“, erzählt das Vorstandsmitglied. Zurzeit arbeite der Verein an einem Betreiber- und Finanzkonzept, dass bis zum Sommer vorliegen soll.

Im letzten Jahr musste das Café KOZ mit seiner Erhaltung kämpfen.

von Elisa Kautzky 

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