Mannschaftsspiel auf dem Kunstrasenplatz von SV Sachsenhausen und VfL Germania: Auf dem weitläufigen Gelände der Sachsenhäuser Traditionsvereine soll die Europäische Schule gebaut werden. Die Fußballer sollen nach Oberrad umsiedeln.
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Mannschaftsspiel auf dem Kunstrasenplatz von SV Sachsenhausen und VfL Germania: Auf dem weitläufigen Gelände der Sachsenhäuser Traditionsvereine soll die Europäische Schule gebaut werden. Die Fußballer sollen nach Oberrad umsiedeln.

Sportgelände Mainwasen

Wegen Bau der Europäischen Schule: Vereine sollen ihr Traditionsgelände verlassen

  • vonStefanie Wehr
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Die Sachsenhäuser Sportler sollen umziehen, damit auf ihrem Areal die Europäische Schule gebaut werden kann. Für diese sucht die Stadt händeringend einen Standort.

Frankfurt - Die Stadt macht Druck: Die Sportvereine VfL Germania und SV Sachsenhausen sollen umziehen, damit ihr angestammtes Areal auf den Mainwasen bebaut werden kann. Die CDU und nun auch die Grünen im Römer wollen, dass die Europäische Schule dort entsteht, für die die Stadt seit geraumer Zeit einen geeigneten Standort sucht. Die Sportplätze sollen nach Oberrad an die Offenbacher Landstraße verlegt werden - gegenüber der Hochschule St. Georgen. Dort sind Felder und einige Kleingärten, teilweise ist die Fläche in städtischem Besitz.

Der VfL Germania 1894, ältester Fußballverein Frankfurts, sieht die Sache skeptisch. "Wir haben nichts Schriftliches vorliegen, bislang gab es nur Gespräche mit der Stadt", sagt Bernd Nobis, Vorsitzender der Germania. "Die Gespräche waren gut und seriös." Zuletzt seien sie aber auch druckvoller gewesen.

Frankfurt: Platz für Bau der Europäischen Schule - Vereine sollen ihr Traditionsgelände verlassen

Die Stadt sucht eine Lösung, weil sie unter Handlungsdruck steht. Die Frankfurter CDU, die für den Schulbau ist, betont, dass die Sportplätze ohnehin "alt und stark renovierungsbedürftig" seien. Dem widerspricht Nobis, was die Sportflächen betrifft: "Wir haben ein tolle, riesengroße Anlage auf den Mainwasen. Manches ist sicher renovierungsbedürftig. Unser Kunstrasenplatz aber ist relativ neu und sehr gut, auch der Rasenplatz ist gut, allerdings ohne Flutlicht. Und wir haben das Glück, einen dritten Platz, den Tennenplatz, zu haben, auf dem Jugendmannschaften trainieren können."

Der Platz biete für die mehr als 500 Mitglieder, viele davon sind Kinder und Jugendliche, beste Voraussetzungen. Die Sportflächen teilt sich die Germania mit dem SV Sachsenhausen, der rund 400 Mitglieder zählt. Beide Vereine unterzubringen, funktioniere nur, weil der Platz dafür groß genug sei. Zusammen seien 30 Jugendmannschaften und sieben Herrenmannschaften am Start,

Frankfurt: Vereine sollen Standort verlassen - Areal muss ebenso gut sein wie das alte

Ersatzflächen müssten also einiges bieten, damit die Vereine sich bereiterklären könnten, umzuziehen. "Wir leisten wichtige Jugendarbeit und sind auch für unsere Seniorenarbeit in der Stadt bekannt", sagt Nobis. Das alles müsse an einem neuen Standort möglich sein. "Wir wollen nicht umziehen, wenn das neue Heim schlechter ist als das alte." Zumal der Vfl Germania auf den Mainwasen einen Sonderstatus innehat: Das große Vereinsheim mit Gastronomie und Kegelbahn ist Eigentum des Vereins. "Wir haben es selbst gebaut."

Auch der SV Sachsenhausen möchte nur den Ort wechseln, "wenn das neue Areal das gleiche Entwicklungspotential hat wie das jetzige", sagt Vorstandsmitglied Maurice Skowronek. Denn unser Sportplatz ist sehr schön und groß, wir planen demnächst eine Kinderbetreuung vor Ort ähnlich wie die SG Bornheim."

Frankfurt: Beide Vereine müssen Lösung zustimmen - Sportdezernent: „Wäre eine große Chance“

Auch die Lage der Mainwasen sei sehr gut, weil sie von Sachsenhausen, aber auch vom Ostend und Nordend gut erreichbar sind. "Ein neues Areal müsste ebenso gut, vor allem mit dem Fahrrad, erreichbar sein", sagt Skowronek. Beide Vereine haben keinerlei Zusagen an die Stadt gemacht. "Wir warten jetzt das Angebot ab", so Skowronek.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) meint, ein Umzug böte den Vereinen nur Vorteile. "Es wäre eine große Chance für die Vereine. Denn wir können an der Offenbacher Landstraße ein modernes Sportzentrum bauen, das alle Bedürfnisse an den Sport auch in Zukunft erfüllt", sagt er. Durch die Verlagerung stünde ein Budget zur Verfügung, das die Vereine sonst nicht abrufen könnten. Überdies entstünde an den Mainwasen die Möglichkeit, den Main für Fußgänger und Sporttreibende ganz neu zu erschließen, wenn die Gerbermühlstraße verlegt würde. "Das ist stadtplanerisch eine tolle Sache." Der nächste Schritt sei jetzt, dass eine politische Entscheidung getroffen wird. Erst dann könne mit den Überlegungen für ein neues Sportgelände fortgefahren werden.

Der Ortsvorsteher des Ortsbeirats 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen), Christian Becker (CDU), hält den Bau der Schule auf den Mainwasen nur für sinnvoll, "wenn eine Alternativfläche gefunden wird und beide Vereine der Lösung zustimmen." Es sei ein schwierige Aufgabe, ein geeignetes Gelände für die Schule zu finden. Von den drei vorgeschlagenen Standorten sei der Sportplatz Mainwasen aber die beste Lösung. (Von Stefanie Wehr)

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