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Stau in Frankfurt/Main

Neubaugebiete und Pendler

Verkehr in Nieder-Eschbach am Rande des Kollaps

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Durch neue Wohnungen und Pendler aus dem Umland droht Frankfurt-Nieder-Eschbach der Verkehrskollaps, glaubt der Ortsbeirat. Neue Maßnahmen zur Entlastung sollen geprüft werden.

  • Ortsbeirat fürchtet Verkehrskollaps in Frankfurt- Nieder-Eschbach
  • Pendler und Neubaugebiete belasten Verkehr im Stadtteil
  • Maßnahmen werden geprüft, einen neue U-Bahn-Anbindung scheint möglich

Frankfurt - Der Verkehr im Frankfurter Norden steht kurz vor einem Kollaps. Das ist zumindest die Meinung des Ortsbeirates 15 (Frankfurt-Nieder-Eschbach), der diese in einem entsprechenden interfraktionellen Antrag, der ein neues Verkehrskonzept für den Frankfurter Norden fordert, kundtat. 

Das Stadtteilgremium stellte zugleich die Frage, ob die jetzt schon ausgelasteten Straßen zusätzliche Verkehrsteilnehmer, die es durch die in und um Nieder-Eschbach entstehenden Neubaugebiete unweigerlich geben wird, überhaupt noch verkraften und welche Maßnahmen realistisch zur Verkehrsentlastung vom Durchgangsverkehr für die Bewohner der Stadtteile führen könnten. 

Anhand eines überörtlichen Verkehrskonzeptes, so die Stadtteilpolitiker, könnte nicht nur der Verkehr künftig „sinnvoll verteilt“, sondern auch der Öffentliche Nahverkehr ausgebaut sowie ausreichend Park-and-Ride-Parkplätze angelegt werden.

Frankfurt: Bis zu 25 Prozent mehr Verkehr in Nieder-Eschbach

Alle zwei Jahre führe der Magistrat seine sogenannten Stadtrandzählungen durch, teilte dieser in einer Stellungnahme mit. Auch in Frankfurt-Nieder-Eschbach. Vier Zählpunkte gibt es dort aktuell: in der Deuil-La-Barre-Straße zwischen Niedererlenbacher Straße und Stadtgrenze Ober-Erlenbach, in der Niedererlenbacher Straße zwischen der Umgehung Nieder-Erlenbach und Deuil-La-Barre-Straße, an der Anschlussstelle „Nieder-Eschbach Ost“ an der A 661 sowie in der Homburger Landstraße zwischen Anna-Lindh-Allee und Stadtgrenze Bad Homburg.

Die Zahlen zeigen: Der Verkehr hat tatsächlich zugenommen in den vergangenen zehn Jahren. Den höchsten Anstieg gab es dabei auf der Homburger Landstraße. 25 Prozent mehr Autos waren dort 2018 unterwegs. Wurden dort 2008 noch 13 100 Fahrzeuge gezählt, waren es zehn Jahre später 16 300 - gemessen wurde der Verkehr für jeweils 24 Stunden. 

Während am Autobahnanschluss wie auch in der Niederlenbacher Straße mit 14 und zehn Prozent ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen war, wurden 2018 in der Deuil-La-Barre-Straße 2000 Fahrzeuge und damit 300 weniger als noch zehn Jahre zuvor gezählt. Repräsentativ seien diese Angaben, so der Magistrat, für einem mittleren Werktag - Dienstag, Mittwoch, Donnerstag - außerhalb der Schulferien.

Frankfurt: Zusätzlicher Verkehr durch Neubaugebiete

Sind neue Baugebiete geplant, werde prinzipiell auch der Verkehr genauer beobachtet, da der Verkehr ein wesentlicher Bestandteil des Bebauungsplanes sei. Gegenstand seien dabei sowohl die innere Erschließung wie auch die Anbindung an das übergeordnete Verkehrsnetz. 

Auch für die neuen Wohngebiete im Norden Frankfurts, bislang ausgenommen das Gebiet „Am Eschbachtal/Harheimer Weg“, gab es deswegen diese Untersuchungen. Diese hätten ergeben, dass mit zusätzlich rund 15 000 Fahrzeugen pro 24 Stunden zu rechnen sei. Nicht eingeflossen sei die Nutzung von Carsharing und anderen alternativen Mobilitätsangeboten. Daher gehe man davon aus, dass es im Ergebnis zu weniger als den berechneten Fahrten kommen werde.

Als Stadtteil am Rande Frankfurts wird Nieder-Eschbach freilich auch von vielen Pendlern durchquert. Eine differenzierte Auflistung nur für den Frankfurter Norden gebe es nicht, so der Magistrat. Nach dem Pendleratlas der Arbeitsagentur von 2018 kommen 4004 der Pendler, die morgens nach Frankfurt hinein- und abends wieder herausfahren, aus dem Wetteraukreis, 4264 aus dem Mainz-Kinzig-Kreis und 11 673 aus dem Hochtaunuskreis.

Frankfurt: Anbindung an U-Bahn könnte Verkehr beruhigen

Auch die Anbindung der Neubaugebiete an den Öffentlichen Nahverkehr sei bereits näher betrachtet worden, heißt es in der Stellungnahme. So liege das geplante Baugebiet „Nieder-Eschbach Süd“ im fußläufigen Einzugsbereich der U-Bahn-Station „Nieder-Eschbach“, wo die U 2 und die U 9 verkehren. Zudem gebe es am Rand des Plangebietes Bushaltestellen der Linie 29, die von Harheim über Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach, Kalbach und den Riedberg zum Nordwestzentrum fährt.

Das Neubaugebiet „Am Eschbachtal/ Harheimer Weg“ soll zudem mit der zusätzlichen Station zwischen „Bonames Mitte“ und „Nieder-Eschbach“ an die Linien U 2 und U 9 angeschlossen werden. Zudem soll der Linienweg der Buslinie 28, die zwischen dem Riedberg und Harheim verkehrt, verändert werden, so dass dieser auch durch das neue Wohngebiet fährt. 

Verkehr in Frankfurt: Regelmäßige Nachfrageerhebungen

Das Neubaugebiet „Hilgenfeld“ am Frankfurter Berg werde durch die geplante Verlängerung der U 5 von Preungesheim zum Frankfurter Berg eine direkte Verbindung in die Innenstadt erhalten. Zudem ist eine neue Busverbindung zwischen Bonames und dem Nordwestzentrum angedacht. Diese neue (Midi-)Buslinie soll folgende Strecke fahren: Nordwestzentrum - U-Bahn-Station Heddernheim - Im Uhrig - Bonameser Straße - U-Bahnstation Kalbach.

Unabhängig von diesen Planungen würden zudem regelmäßig Nachfrageerhebungen auf den Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Linien durchgeführt, so der Magistrat. So werde festgestellt, ob eventuell der Einsatz größerer Fahrzeuge nötig sei oder Taktverdichtungen vorgenommen werden müssten. Zudem würden im Rahmen der Fortschreibung des Gesamtverkehrsplans der Stadt Frankfurt „Schiene 2030“ unterschiedliche Schienenerweiterungen im Bereich des Frankfurter Nordens untersucht.

Verkehr in Frankfurt: Auch andere Stadtteile betroffen

Auch in anderen Stadtteilen Frankfurts wird neu gebaut. Planer stellen ihre Berechnungen für die neuen Wohnungen am Hollerbusch vor. Auch hier fürchten Anwohner einen Kollaps des Verkehrs in Frankfurt. Seit der Sperrung des Main-Kais kommt es in Frankfurt-Sachsenhausen zu Behinderungen des Verkehrs

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