Die Linie U4, die nun auf 100 Meter Länge begehbar ist, wird gemeinsam mit der U5 als erstes auf das neue System umgestellt.
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Die Linie U4, die nun auf 100 Meter Länge begehbar ist, wird gemeinsam mit der U5 als erstes auf das neue System umgestellt.

Digitalisierung

Pläne für Verkehr in Frankfurt: „Stellen Sie sich eine Stadt ohne Ampeln vor“

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Die Stadt Frankfurt will Bahnen und Ampeln digitalisieren und damit den Verkehr choreografiert steuern. So könnten dann überhaupt keine Ampeln mehr nötig sein.

Frankfurt - Der Verkehr in Frankfurt macht einen Sprung ins digitale Zeitalter. Für rund 230 Millionen Euro erneuert die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) das Zugsicherungssystem und verknüpft es mit der Leitzentrale des Straßenverkehrsamts. „Stellen Sie sich eine Stadt ohne Ampeln vor – wir sind auf dem Weg dahin“, sagte VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Er verglich das digitale Zugsicherungssystem mit der Einführung des iPhones im Jahr 2007.

Bislang werden die U-Bahnen etwa auf den Linien U4 und U5 mit Relaistechnik gesteuert. Der Fahrdienstleiter stellt ein, wo es langgeht. Die Relais stellen sich um; die Signale schalten auf Grün und geben den Weg frei. Die Technik stammt aus den 1960er und 1970er Jahren.

Frankfurt: „Stellen Sie sich eine Stadt ohne Ampeln vor – wir sind auf dem Weg dahin“

Vom kommenden Jahr an werde die digitale Zugsicherungstechnik „Digital Train Control“ (DTC) in U-Bahnen und Stellwerken verbaut, sagte Rüffer. Dann kommunizierten die U-Bahnen mit der Infrastruktur und untereinander. Sie könnten in wandernden Raumabständen fahren. „Das sorgt für etwa ein Viertel mehr Kapazität, bessere Energieeffizienz und höhere Pünktlichkeit“, sagte er.

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Züge sanfter beschleunigten und bremsten. Eine Fahrerin oder ein Fahrer soll weiterhin im Zug bleiben, im Notfall einspringen können und die Abfertigung an den Haltestellen übernehmen. Die Fahrten zwischen den Stationen übernähmen die Züge automatisch.

Verkehr in Frankfurt: Erste deutsche Stadt mit digitaler Zugsicherungstechnik

Der Zeitplan sehe vor, dass die Technik im kommenden Jahr in die ersten Fahrzeuge verbaut werden soll. Wenn die U-Bahn-Linie U5 zwischen Hauptbahnhof und Europaviertel im Laufe des Jahres 2025 in Betrieb geht, soll die Technik dort zum Einsatz kommen. Sie wird auch in den Zügen der Linie U4 verbaut, die seit dem Fahrplanwechsel am Sonntag mit Zügen fährt, die auf 100 Metern Länge begehbar sind. Die Linien U4 und U5 teilen sich Streckenabschnitte. Bis 2031 soll die Technik im gesamten U-Bahn-Netz verbaut sein. Danach komme das Straßenbahnnetz an die Reihe.

„Frankfurt wird die erste Stadt in Deutschland sein, die eine digitale Zugsicherungstechnik haben wird“, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Er brachte mehrere Förderbescheide zum Termin in der Station Dom/Römer mit, wo die Anwesenden das Relaisstellwerk aus dem Jahr 1974 besichtigten.

Mobilitätswende in Frankfurt soll kommen: Werden Ampeln bald überflüssig?

„Digital Train Control“ löse Kapazitätsprobleme, ohne dass dafür zusätzliche Gleise und Tunnel erforderlich seien, sagte Al-Wazir. Gleichzeitig werde das Schienennetz in Frankfurt und der Region im Sinne einer Mobilitätswende weg vom Auto ausgebaut. Dazu zählten der viergleisige Ausbau zwischen Frankfurt, Bad Vilbel und Friedberg, die nordmainische S-Bahn zwischen Frankfurt und Hanau, die ICE-Trasse Frankfurt-Mannheim und die Straßenbahnen von Frankfurt nach Neu-Isenburg, Dreieich, Sprendlingen sowie von Frankfurt nach Bad Vilbel und Offenbach.

Bevor es zu einer „Stadt ohne Ampeln“ kommt, machen auch die Ampeln in Frankfurt einen Sprung ins digitale Zeitalter. Bei dem Projekt „Frankfurt Mind+" sollen die Ampeln künftig Verkehrsdaten von Autoverkehr, öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) sowie Rad- und Fußverkehr zentral erfassen. Die Leitzentrale soll die Verkehrsarten choreografiert steuern, schneller auf die jeweiligen Verkehrsmengen reagieren und die Umlaufzeiten der Ampeln ändern. Gleichzeitig könnten zum Beispiel Bahnen an Ampeln priorisiert werden - eine Bevorzugung des ÖPNV gibt es teilweise jetzt schon. Für Kfz soll es Grüne-Welle-Anzeigen und Restrotanzeigen (Wartezeitanzeigen) an Ampeln geben. Bis Ampeln komplett überflüssig werden, wird also noch einige Zeit vergehen. (Florian Leclerc)

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