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Wenn Hunderte von Studenten die Hansaallee in Frankfurt queren, gibt es kein Durchkommen mehr. 

Fußweg zum Campus 

Gefährliches Verkehrschaos an Goethe-Universität Frankfurt - Tausende Studenten laufen über Straße

Wenn einige Tausend Studenten zum Uni-Campus in Frankfurt strömen, kommt der Autoverkehr ins Stocken. Eine hochgefährliche Situation, finden Studentenvertreter.

Frankfurt - 50 Jahre lang ist Theodor W. Adorno tot. Und nicht nur seine Weisheit fehlt. Sondern auch sein Kampf für mehr Schutz von Fußgängern - was er 1962 per Leserbrief in der "FAZ" forderte. 

Zwar wurde die Ampel vorm Institut für Sozialforschung an der Senckenberganlage erst 18 Jahre nach Adornos Tod aufgestellt. Doch die "Adorno-Ampel" ist weithin bekannt, ja, sogar touristisches Ziel.

Frankfurt: Verkehrschaos an Goethe-Uni - Tausende Studenten laufen über Straße

Einen derart wackeren Mitkämpfer für Fußgängersicherheit sehnt sich Sebastian Heidrich herbei, der Verkehrsreferent der Studierendenvertretung AStA. Am neuen Campus der Goethe-Uni im Westend ist die Lage für die Passanten erneut hochgefährlich: in der Hansaallee.

An Vorlesungstagen queren Tausende Studenten und Mitarbeiter in Höhe der Holzhausenstraße die Hansaallee auf dem Weg zwischen U-Bahn-Station und Campus. In langgezogenen Pulks laufen Dutzende, zeitweise Hunderte direkt nördlich der Kreuzung über die Gass'. 

Goethe-Uni Frankfurt: Straßenverkehrsamt: "Wir haben gemacht, was möglich ist."

Um für mehr Sicherheit zu sorgen, hatte die Stadt hier erst eine provisorische Mittelinsel eingerichtet und Tempo-30-Schilder aufgestellt, dann ein Schachbrettmuster auf die Fahrbahn gemalt. Das ist vor geraumer Zeit durch große, auffällige, rote Farbflächen ersetzt worden. 

Die haben zwar keine rechtliche Bedeutung, sind aber "ein Aufmerksamkeitsfeld", erklärt Dorothee Allekotte vom Straßenverkehrsamt. Sie ist überzeugt: "Wir haben gemacht, was möglich ist." Das mit der Aufmerksamkeit funktioniert zumeist: Viele Autofahrer tun langsam, mancher wohl auch irritiert wegen der roten Fahrbahn.

Frankfurt: Goethe- Uni - Stadt ist zufrieden mit bisherigen Maßnahmen 

Nahezu alle stoppen, wenn der Fußgängerpulk herüber drängt. "Das hat sich ganz gut eingespielt", ist Dorothee Allekotte zufrieden. "Die Studenten schaffen sich kraft ihrer Masse ihren Weg."

Echte Sicherheit für die Fußgänger sei das nicht, kritisiert Sebastian Heidrich. "Wie beim Klimapaket: Es ist schön, dass etwas gemacht wurde, aber das reicht nicht." Ein Zebrastreifen oder eine Ampel sind wegen der Nähe zur Nachbarkreuzung aber nicht möglich, wendet Dorothee Allekotte ein. Was der AStA-Referent versteht.

Frankfurt: Fußweg zum Campus - Ampel ist nicht weit

Außerdem könnten die Studenten die Ampel an der nur 65 Meter entfernten Kreuzung mit der Bremer Straße nutzen, betont die Fachfrau. "Der Hinweis ist aber müßig", räumt sie ein. "Die Studenten laufen schräg herüber, um keinen Meter mehr als nötig zu gehen."

Auf das weiter bestehende Risiko hatte der AStA vor kurzem erneut gewarnt und von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) eine Lösung gefordert. "Aus Sicht des Magistrats hat sich die Mittelinsel als Querungshilfe bewährt", antwortet Oesterling. Und er betont: "Unfälle sind nicht bekannt."

Goethe-Uni Frankfurt: Studenten laufen über Straße - Autofahrer müssen warten 

In der Tat: Sobald der Autoverkehr steht, ist das Queren der Fahrbahn für die Studenten sicher. Abgesehen von nicht wenigen Radfahrern, die wild klingelnd und ohne ihr hohes Tempo zu reduzieren an der Autoschlange vorbei rasen und darauf setzen, dass die querenden Studenten schon wegspringen.

Doch strömen die Studenten erst einmal, kann es dauern. Eine, zwei, drei Minuten vergehen morgens gegen zehn, wenn der Menschenstrom nicht abreißt. Nach kurzer Zeit wird es dann etwas weiter nördlich laut: Gehupe schallt über die Kreuzung Bremer Straße, weil die aufgestauten Fahrzeuge die anderen Richtungen blockieren.

Frankfurt: Studentenvertreter nicht zufrieden - Lösungsvorschlag

Die aktuelle Lösung, resümiert Sebastian Heidrich, "bringt nichts für beide Seiten". Deshalb fordert er: "Der Abschnitt zwischen Bremer und Holzhausenstraße sollte zur Spielstraße werden, oder man sollte ihn komplett sperren." 

Die direkt parallel verlaufende Eschersheimer Landstraße sei hier nur schwach befahren und könnte den Verkehr aufnehmen. So könne die Stadt auch den Durchgangsverkehr aus dem Wohngebiet heraushalten, wirbt der AStA-Referent.

Chaos an Goethe-Uni: "Sehr gefährlich", finden auch Wissenschaftler

Die Wissenschaft unterstützt die Forderungen: Ein Forschungsseminar im Fachbereich Geographie hatte 2014 ermittelt: "Der Weg vom U-Bahnhof Holzhausenstraße zum Campus ist überlastet und sehr gefährlich." 

Lösung: "Perspektivisch sollten Hansaallee und Holzhausenstraße verkehrsberuhigt werden." Das lehnt die Stadt ab: "Die Hansaallee ist eine Grundnetzstraße, die kann ich nicht sperren, nur weil stoßweise mehr Verkehr unterwegs ist", sagt Dorothee Allekotte. Rechtliche Handhabe habe die Stadt dafür nicht. "Und ich sehe auch die Notwendigkeit nicht."

Das sähe Adorno womöglich anders. Vor 57 Jahren warnt der Soziologe, dass Universitätsangehörige beim Queren von Straßen stark gefährdet seien: "Sollte nun ein Student, oder ein Professor, in jenem Zustand sich befinden, der ihm eigentlich angemessen ist, nämlich in Gedanken, so steht darauf unmittelbar die Drohung des Todes."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Auch dieser Schulweg im Frankfurter Westend ist gefährlich, Eltern der Holzhausenschüler verlangen Taten von der Stadt.

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