Alternativroute zur gesperrten U-Bahn-Strecke: Sehr voll sind einige Busse der Linie 64, die Hauptbahnhof und Uni-Campus Westend verbindet, wenn die Studenten zu den Vorlesungen drängen. Hier an der Alten Oper müssen sogar Fahrgäste zurückbleiben. Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann

Berufsverkehr

Leben mit der Mega-Baustelle: So lange dauert's aktuell von A nach B

Seit einer Woche ruht der Verkehr auf Frankfurts wichtigster U-Bahn-Strecke. Aber es klemmt bei einigen Details.

Frankfurt - Die Stadt ist im Urlaubsmodus, überall läuft das Leben derzeit ruhiger als sonst. Doch gegen halb zehn ist das Gedrängel in den Bussen der Linie 64 zwischen Hauptbahnhof und Westend trotzdem enorm. Dicht an dicht drücken sich Studenten in die Busse. Obwohl diese doppelt so oft rollen wie üblich, alle siebeneinhalb Minuten statt alle Viertelstunde.

Busse sind überfüllt

Kein Wunder: Nicht nur ist der 64er die schnellste Verbindung zwischen Hauptbahnhof und dem Uni-Campus. Auch ist die wichtigste Verbindung der Studenten seit einer Woche und noch bis Ende der Ferien lahmgelegt. Wegen Bauarbeiten fahren keine U-Bahnen zwischen Südbahnhof und dem Norden der Stadt. Sonst sind hier bis zu 120.000 Menschen täglich unterwegs in U1, U2, U3 und U8.

Falschparker und Mülltonnen blockierten zu Beginn die Haltestelle in der Allerheiligenstraße. Die Mülltonnen sind eine Woche später noch da.

Busse sind im Ersatzverkehr unterwegs entlang dieser Strecke. Von der Konstablerwache fahren alle fünf Minuten zwei Gelenkbusse im Doppelpack ab. Die Busfahrt dauert natürlich länger, aber sie funktioniert, hat FNP-Leserin Henny Roth erlebt. "Ging sehr gut, netter Busfahrer, gepflegter Bus", ist ihre Erfahrung. Für eine blinde Mitreisende sei es aber ohne Hilfe anderer Fahrgäste nicht gegangen, weil es keine Haltestellenansagen gebe.

Für Viele ist am Eschenheimer Tor Schluss

Während die Konstablerwache Haupteinstiegshaltestelle gen Norden ist, fahren Fahrgäste mit Ziel City meist nur bis Eschenheimer Tor. Von dort ist es ein ganz kurzer Fußmarsch zur Hauptwache. In den Stoßzeiten sind die Busse recht voll, doch durch den dichten Takt kommen alle Fahrgäste mit. "Im Großen und Ganzen funktioniert es so gut wie möglich", ist Klaus Linek zufrieden, der Sprecher der Nahverkehrsorganisation Traffiq.

In der ersten Woche seien nur 66 Beschwerden eingegangen - äußerst wenig für eine Sperrung dieser Größe, sagt Linke. Er räumt aber ein: "Na klar sind das Beeinträchtigungen, da muss man nichts schönreden." Eine solche hat zum Beispiel der Vize-Ortsvorsteher des Ortsbezirks 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) erlebt: Satte 45 Minuten benötigte Rachid Rawas (SPD) vom Dornbusch bis zur Hauptwache. "Nicht so schlimm vorgestellt" habe er sich das, aber zu viele Baustellen bremsten die Busse aus. Das lasse sich leider nicht anders organisieren, bedauert Traffiq-Sprecher Linke. "Frankfurt baut einfach überall."

U5 und Tram 16 fahren in einer höheren Taktung

Damit nicht alle Fahrgäste in die Busse des Schienenersatzverkehrs (SEV) strömen, hatte Traffiq extra empfohlen, dass sich Fahrgäste auch alternative Routen suchen sollten. Besonders schnelle Querverbindungen zu anderen U- und S-Bahn-Linien eignen sich dafür.

Daher fahren diverse Linien auch verstärkt, etwa die U5 und die Straßenbahn 16 zwischen Ginnheim und Bockenheimer Warte und Westbahnhof. In verstärktem Takt rollt die Linie 64, die Linie 60 ist kurzerhand von Heddernheim bis zum S-Bahnhof in Eschersheim verlängert worden. Und die Linie 27 bietet doppelt so oft aus Nieder-Eschbach und Bonames einen Anschluss von und zur S6 am Frankfurter Berg. In den S-Bahnen sei es "spürbar kuscheliger" als sonst, erzählt ein Fahrgast mit Ziel Gallus.

Nach einer Woche haben sich die Fahrgäste dadurch offenkundig gut im Netz verteilt. Das macht Klaus Linek hochzufrieden, schließlich geht dieses Konzept auf eine Anregung des Fahrgastbeirats zurück. Allerdings klemmt es natürlich dennoch an einigen Stellen.

Mülltonnen im Weg

So hatten Mülltonnen und ein Falschparker am ersten Tag die Ankunftshaltestelle der SEV-Busse in der Allerheiligenstraße nahe der Konstablerwache blockiert. Die Mülltonnen blockierten auch gestern erneut die Haltestelle, so dass die Fahrgäste auf der Fahrbahn aussteigen mussten. Nicht jeder nimmt die hohe Ausstiegsstufe behänd.

Zudem: Der 64er-Bus sei "immer komplett voll", hat Sebastian Heidrich beobachtet, der Verkehrsreferent der Studierendenvertretung AStA. Kurz vor Vorlesungsbeginn bleiben an der Alten Oper sogar Fahrgäste zurück. Hier sei ein dichterer Takt notwendig, schätzt Heidrich. Insgesamt aber funktioniere der SEV: "In den Stoßzeiten sind meistens die Busse voll, aber es ist kein komplettes Chaos."

Gesperrt bis 12. August

Sperrung der Linien U1, U2, U3 und U8 noch bis 12. August, 2 Uhr. Infos über Ersatzverkehr und alternative Verbindungen unter rmv.de/c/frankfurt oder Telefon (069) 24 24 80 24.

Südbahnhof-Heddernhmr Landstr: +21 Minuten

aktuell in 41 Minuten mit 16+U9 via Ginnheim normal in 20 Minuten mit U1 direkt

Nordwestzentrum-Bornheim Mitte:

+4 Minuten

aktuell in 36 Minuten mit U9+16+U4 via Ginnheim, Bockenhmr Warte

normal in 32 Minuten mit U1+U4 via Willy-Brandt-Platz

Bonames Mitte-Ostendstraße:

+7 Minuten

aktuell in 33 Minuten mit 27+S6 via Frankfurter Berg

normal in 26 Minuten mit U2+S via Hauptwache

Riedberg-Messe:

+5 Minuten

aktuell in 33 Minuten mit U9+U3+S5 via Niederursel und Oberursel

normal in 28 Minuten mit U8+S6 via Weißer Stein/Eschersheim

Willy-Brandt-Pl-Kaiser-Sigmund-Str:

+9 Minuten

aktuell in 23 Minuten mit U5+34 via Marbachweg/Sozialzentrum

normal in 14 Minuten mit U2+34 via Dornbusch

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