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Nur per Bildmontage lässt es sich bisher beobachten, wie ein auf dem Dach begrüntes Buswartehäuschen in Frankfurt aussehen könnte. Nun soll es aber Pilotprojekte geben. 

Vorbild Niederlande

Öko-Offensive: Bushaltestellen in Frankfurt werden bepflanzt

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Stadt Frankfurt will die Bepflanzung auf Buswartehäuschen per Pilotprojekt testen.

  • Stadt Frankfurt will testet Vorschlag zur Begrünung
  • Pilotprojekt Dachbegrünung an Bushaltestellen
  • Nicht bei allen Wartehäuschen möglich

Frankfurt - Grüne Dächer auf den Wartehäuschen an Bus und Bahn? Was sich die Ortsbeiräte 7 und 9 wünschen, will der Magistrat jetzt mit einem Pilotprojekt angehen.

Die niederländische Stadt Utrecht hat es im vergangenen Sommer vorgemacht und 316 Wartehäuschen an Bus- und Bahnhaltestellen begrünt. Sedum-Arten wie Mauerpfeffer, dickblättrige, kleine zähe Stauden wachsen dort und erfreuen sich vor allem bei Wildbienen und Hummeln großer Beliebtheit. Aber nicht nur bei ihnen.

Viele andere Städte nahmen sich Utrecht als Vorbild. Graz, Wien, Leipzig und Berlin haben bereits nachgezogen und auch in den Frankfurter Ortsbeiräten sind begrünte Haltestellen mittlerweile ein Thema. Wie auch in den Ortsbeiräten 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) und 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim).

Auf den ersten der beiden Anträge, jeweils gestellt von der Grünen-Fraktion im Ortsbeirat, hat der Magistrat nun reagiert - mit einer ausführlichen Stellungnahme. Mit dem Ergebnis: Auf den bislang in der Stadt verwendeten Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Wartehallen könnten keine Beete angelegt werden.

Frankfurt: Zu hohes Gewicht für vorhandene Haltestellen-Häuschen 

Denn weder die vorhandenen Dächer, noch die Statik der Häuschen seien für eine Begrünung ausgelegt. Ein zusätzliches Gewicht von bis zu 75 Kilogramm pro Quadratmeter, wovon bei einer Begrünung ausgegangen werden müsse, könnten die Wartehallen nicht tragen. Hinzu komme, dass derzeit die meisten Wartehallen über Verträge durch externe Dienstleister errichtet und betreut werden.

Die Begrünung von Dächern und Hauswänden und jetzt eben auch von Wartehäuschen an Haltestellen ist ein Trend, der in den vergangenen Jahr vor allem in Städten immer mehr zugenommen hat. Verständlich, machen doch schon ein paar Quadratmeter Grün eine innerstädtische Betonwüste gleich ein bisschen lebenswerter. Begrünte Dächer haben zudem viele Vorteile gegenüber Blech- oder Glasdächern. Denn das Regenwasser läuft nicht über die Kanalisation ab.

Pilotprojekt in Frankfurt: Grüne Dächer schaffen Lebensraum für Insekten

Das nur wenige Zentimeter dicke Bodensubstrat speichert die Feuchtigkeit, die Pflanzen verbessern mit ihrer Verdunstung das Mikroklima der unmittelbaren Umgebung. So sagen es zumindest Experten. Zudem sollen die Mini-Wiesen auch Feinstaub aus der Luft filtern können.

Und: Mit begrünten Dächern, sind sie auch noch so klein, wird mehr Lebensraum für Bienen und andere Insekten innerhalb der Stadt geschaffen. Damit argumentierte auch die Grünen-Fraktion in den Ortsbeiräten 7 und 9 für ihren Antrag, der den Magistrat bittet, die Möglichkeiten in den entsprechenden Ortsbezirken zu prüfen. An der Bushaltestelle am Weißen Stein in Eschersheim sei das Dach bereits bewachsen, nennen die Grünen aus dem Neuner ein Beispiel wie eine begrünte Station auch aussehen kann.

Doch ganz so einfach ist das eben nicht - so lässt sich die Stellungnahme des Magistrats durchaus interpretieren. Da die bereits bestehenden Wartehäuschen die Last eines begrünten Daches nicht tragen können, müssten sie folglich ausgetauscht werden.

Frankfurt: Stadt will an zwei Standorten Erfahrungen sammeln

Nach ersten Schätzungen koste das rund 25 000 Euro pro Wartehalle, so der Magistrat. Die zusätzlichen Kosten für die erforderlichen Wartungs- und Pflegearbeiten könnten derzeit nicht geschätzt werden. Deswegen soll mit einem Pilotprojekt geprüft werden, ob bestehende Wartehalle umgerüstet werden können und wie hoch der Gesamtaufwand dafür ist. Dann könne entschieden werden, ob die Investition der Dachbegrünung, auch vor dem Hintergrund anderer notwendiger Ausgaben, vertretbar wäre.

Anders sieht es bei Wartehallen aus, die neu installiert werden: In dem Fall werde angestrebt, ebenfalls in Form eine Pilotprojektes, ein Modell inklusive Dachbegrünung zu beschaffen.

Auch andere hatten schon Ideen zur Begrünung von Frankfurt. Könnte weniger Bahn-Lärm durch begrünte Gleisbetten möglich sein?

Pilotprojekt in Frankfurt: Viele Möglichkeiten für Haltestellen-Häuschen

Die Möglichkeiten, wie eine Haltestelle Grün wird, sind übrigens breit. Es muss nicht immer nur ein blühendes Dach sein: So wächst auf einigen Haltestellen-Häuschen in Wien wilder Wein.

Leipzig geht sogar noch einen Schritt weiter: Die neuen Haltestellen bekommen eine Sitzauflage aus Bambus und energieeffiziente LEDs, auf das Dach kommen entweder Begrünung oder Solarzellen. Schon 2020 soll es die ersten dieser modernen Haltestellen, wie die Stadt Leipzig auf ihrer Internetseite schreibt, geben. In den Ortsbezirken 7 und 9 hingegen wird es dagegen wohl noch ein Weilchen dauern. 

Judith Dietermann

In Eschersheim in Frankfurt steht der älteste Baum der ganzen Stadt. Die Linde hat in ihrem langen Leben bereits einiges mitbekommen: Schon Tote hingen in ihren Ästen.

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