Verkehr

VGF: Bekommt Frankfurt bald die „Supertram“? Das ist die Straßenbahn der Zukunft

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
    schließen

Länger, breiter, bequemere Sitze – so sieht die Tram der Zukunft in Frankfurt aus. Die Straßenbahnen der VGF sind oft überfüllt. Die „Super-Tram“ soll das ändern.

  • Die Straßenbahnen in Frankfurt sind relativ schmal und kurz
  • Oftmals sind die Trams der VGF zu Stoßzeiten überfüllt
  • Das Verkehrsdezernat plant deshalb die „Super-Tram“ für Frankfurt

Frankfurt - Die nächste Straßenbahn-Generation ist noch nicht geliefert, da geht der Blick der Planer schon viel weiter in die Zukunft. Bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und im städtischen Verkehrsdezernat planen sie die Elektrische der Zukunft: auf Frankfurt rollt die Super-Tram zu.

Wer in Mainhattan in einer gewöhnlichen Rushhour mit der Straßenbahn unterwegs ist, kennt das: Kommt die Bahn schon gut gefüllt an der Haltestelle an, dauert es lange, bis die Fahrgäste aus- und wieder eingestiegen sind. Oftmals stehen die Menschen dicht an dicht in den Türbereichen. Denn zwischen den Sitzreihen ist es eng. Und sich dort aneinander vorbeizudrängeln, ist nur für die schlanksten Menschen problemlos möglich.

Straßenbahn in Frankfurt (VGF): Wagen sind zu klein

Die Überfüllung hat eine simple Ursache: Die Straßenbahnfahrzeuge sind zu klein. Die 30 Meter Länge reichen nicht mehr aus, und die Züge sind zu schmal: Sie messen nur 2,40 Meter, die U-Bahnen hingegen kommen auf 2,65 Meter Breite. Diese entscheidenden 25 Zentimeter mehr soll die übernächste Generation der Frankfurter Straßenbahnen erhalten. Es wird die Super-Tram.

„Die Straßenbahnen werden länger und breiter werden“, kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an. Und er meint damit nicht die nahe Zukunft. Für die hat die Stadt bereits 45 Wagen der Baureihe T bei Hersteller Alstom geordert. Ende des Jahres soll die Auslieferung beginnen.

Straßenbahn in Frankfurt (VGF): Größere Wagen statt dichterem Takt

Die T-Wagen haben die normale Frankfurter Standardlänge von 30 Metern. Doch knapp die Hälfte der Züge soll um ein weiteres Mittelteil verlängert werden auf 38,5 Meter. Oesterling erwartet deren Lieferungen ab Mitte 2022. Vor allem auf der stark frequentierten Linie 11 sollen sie fahren.

Genutzt werden sollen die neuen Fahrzeuge, um die steigende Fahrgastnachfrage zu bewältigen. „In dichterem Takt zu fahren kostet Geld“, sagt der Verkehrsdezernent. Deshalb gehe „der Trend zu größeren Transportgefäßen“. Allerdings kann die Stadt die Bahnen nicht beliebig verlängern: In den vergangenen 15 Jahren seien viele Haltestellen barrierefrei umgebaut worden mit einer Länge von 30 Metern. An diese müssten auch die neuen Bahnen noch passen, mahnt Oesterling.

Straßenbahn in Frankfurt (VGF): Umbaumaßnahmen an Haltestellen angepasst

Die Haltestellenlänge begrenzt damit die Zuglänge. Die neuen, 38,5 Meter langen T-Wagen lösen das Problem, indem die Türen nicht an den Fahrzeug-Enden liegen. Die Bahn ragt dann vorn und hinten aus der Haltestelle, die Türen aber befinden sich trotzdem noch im Bahnsteigbereich. „Das passt“, sagt der Dezernent.

Genau diese Lösung werde es auch für die Straßenbahn der Zukunft geben, erklärt er Dezernent. Die Super-Tram in Frankfurt werde 40 Meter lang. Und auf genau diese neue Länge würden all jene Haltestellenumbauten ausgelegt, die in den kommenden Jahren anstehen - etwa in der Münchner Straße, entlang der Mainzer Landstraße und an Neubaustrecken wie der Ringstraßenbahn.

VGF: Zweite Hälfte des Jahrzehnts für neue Straßenbahn in Frankfurt anvisiert

Damit die Super-Tram eine noch höhere Kapazität bekommt, soll sie außerdem in der Breite auf 2,65 Meter wachsen - wie die U-Bahn. Das sei „angedacht“ für die Bestellungen „in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts“, erläutert Klaus Oesterling. Ein Problem stellt sich dabei: Wenn breitere Bahnen fahren, müssen die Gleise weiter auseinanderliegen, damit sich die Züge nicht touchieren. 

„Das im ganzen Netz umzubauen, wäre ein Kraftakt, nicht nur von den Kosten her, sondern auch, was die Behinderungen für Fahrgäste und den Straßenverkehr bedeutet“, räumt der Dezernent ein. Deshalb sei das nicht kurzfristig für die Baureihe T umsetzbar.

Damit die breiten Wagen der Frankfurter Super-Tram nicht an den Bordsteinen der Haltestellen hängen bleiben, bieten Hersteller eine Lösung: Die Fahrzeuge werden tailliert gebaut, sind unten, im Bordsteinbereich, schmaler. Hersteller Bombardier hat gerade einen Auftrag für eine solche Fahrzeuglieferung für Dresden erhalten.

VGF: Schienen in Frankfurt teilweise zu eng für größere Straßenbahn

Wie tauglich das Netz für die breite Super-Tram ist, hat Oesterling seine Fachleute überprüfen lassen. Seit langer Zeit wird bei allen Sanierungen und Neubauten nämlich das breitere U-Bahn-Maß schon berücksichtigt. Überraschung: „90 Prozent des Streckennetzes sind inzwischen dafür geeignet“, frohlockt Oesterling.

Die fehlenden zehn Prozent sind zwar überall in der Stadt verteilt, darunter neuralgische Punkte wie der Bereich am Hauptbahnhof Frankfurt und am Platz der Republik mit besonders viel Verkehr. Doch mit dem normalen Sanierungsprogramm werde das Ziel bald erreicht. Daher sei es nun an der Zeit, die Verbreiterung der Fahrzeuge in den Blick zu nehmen, findet der Dezernent.

Die bieten dann zehn Prozent mehr Platz für Fahrgäste, und das Ein- und Aussteigen gehe durch die breiteren Gänge deutlich schneller, ist Klaus Oesterling überzeugt. Außerdem: „Die Sitze sind dann etwas bequemer.“ Nämlich nicht mehr so eng wie bisher.

Dennis Pfeiffer-Goldmann

Neben neuen, größeren Wagen plant die Stadt Frankfurt auch eine Verlängerung der Straßenbahn-Strecken nach Dreieich und Neu-Isenburg. Ein besserer Anschluss für den Riedberg: Was VGF und Traffiq in Frankfurt bald ändern. Zudem sind in Frankfurt drei neue Straßenbahn-Linien geplant.

Im Zuge des VGF-Bauvorarbeiten sollen mehrere Gleise erneuert werden. Diese Strecken sind betroffen.

Am Platz der Republik in Frankfurt stehen während der Sommerferien umfangreiche Arbeiten an. Wie die Straßenbahnen während der Bauzeit fahren und welche Umsteigemöglichkeiten es gibt, haben wir zusammengestellt. Das Straßenbahnnetz in Frankfurt soll ausgebaut werden. Dafür sollen zunächst zwei alte Strecken reaktiviert werden.

Rubriklistenbild: © Getty Images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare