fff_RUEFFER_20201107_R17_09
+
Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei am Samstagnachmittag in der Münchner Straße an. Foto: Rüffer

Großeinsatz der Polizei

Frankfurt: Videodreh von Rapper Kollegah löst Großeinsatz im Bahnhofsviertel aus

  • vonSabine Schramek
    schließen

Ein vermeintlicher Raubüberfall auf einen Juwelier in der Münchner Straße entpuppte sich am Samstagnachmittag als Videodreh. Die Crew um Rapper Kollegah konnte zwar eine Drehgenehmigung der Stadt Frankfurt vorlegen, hatte es aber versäumt, die Polizei über die Aktion zu informieren.

Frankfurt -Einen Großeinsatz der Polizei in der Münchener Straße hat am Samstagnachmittag ein vermeintlicher Raubüberfall auf ein Schmuckgeschäft ausgelöst. Nachbarn beobachten Männer, die mit Sturmgewehren in den Juwelierladen rennen, und alarmieren gegen 16.10 Uhr die Polizei. Die rückt mit acht Einsatzwagen und 20 Beamten aus, riegelt die Münchner Straße ab; auch die Straßenbahnen stehen still. Überall zuckt Blaulicht. Schaulustige beobachten, wie Frauen und Männer mit Handschellen und dem Gesicht zur Wand stehen. Auf dem Boden liegt ein Mann, dem ebenfalls Handschellen angelegt werden. Noch weiß niemand genau, was passiert ist. "Neueröffnung" steht in roten Buchstaben auf den Schaufenstern des Schmuckgeschäftes, in das die schwer bewaffneten Beamten des Überfallkommandos gestürmt sind.

Dann stellt sich heraus: Der Raubüberfall ist nur gespielt, die bedrohlich wirkenden Waffen sind nur Attrappen. Der Rapper "Kollegah" (36) hatte einen Dreh für ein Musikvideo zwar bei der Stadt Frankfurt angemeldet, aber die Polizei nicht darüber informiert. "Wir sind von einem Raubüberfall ausgegangen", erklärt der Einsatzleiter der Polizei, als die brenzlige Situation entschärft ist. Überall stehen Einsatzwagen. "Es ist gut, dass der Nachbar angerufen hat. Es konnte ja niemand wissen, dass ein Video gedreht wird."

Zehn Personen sind an dem Videodreh beteiligt, auch der Inhaber des Juweliergeschäfts ist laut Polizeibericht dabei. Alle werden durchsucht und überprüft. Die Beamten stellen fünf Waffenattrappen sicher: zwei Sturmgewehre, eine Maschinenpistole, zwei Faustfeuerwaffen, allesamt sehen "täuschend echt" aus, urteilt einer der Beamten. Welche Konsequenzen diese Aktion am Ende für die Beteiligten haben wird, stehe noch nicht abschließend fest, erläutert ein Polizeisprecher. Zwar habe eine Drehgenehmigung der Stadt Frankfurt vorgelegen, jedoch habe es die Crew um Rapper "Kollegah" versäumt, das zuständige Polizeirevier über das "äußerst öffentlichkeitswirksame Vorhaben zu unterrichten". Was bereits feststeht: Wegen des Führens von Anscheinswaffen erwartet die Betroffenen ein entsprechendes Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Es ist nicht das erste Mal, dass der in der Rap-Szene bekannte "Kollegah" für Furore sorgt. Schlagzeilen machte er vor allem 2018, als er gemeinsam mit Rapper Farid Bang einen "Echo" verliehen bekam. Wegen antisemitischer Inhalte in Songtexten der beiden war die Kritik an der Auszeichnung groß, zahlreiche Musiker wie Stardirigent Daniel Barenboim und die Sänger Marius Müller-Westernhagen und Klaus Voormann gaben daraufhin ihre "Echos" zurück. Die Verleihung des bis dahin hoch angesehenen Musikpreises wurde wegen des Skandals nach 27 Jahren endgültig eingestellt. "Kollegah" steht immer wieder wegen antisemitischer, frauenverachtender, homophober und Gewalt verharmlosender Texte in der Kritik.

Auf der Münchner Straße indes kehrt am Samstag nur langsam wieder Ruhe ein. Es dauert, bis sich herumspricht, dass nichts Schlimmes passiert ist. "Das beruhigt mich", sagt ein Ladenbesitzer, der den Einsatz von Anfang an beobachtet hat. "Man weiß heutzutage ja nie." Den Leuten ist die Erleichterung anzumerken. Eine paar junge Männer erkennen den Skandal-Rapper, als er den Juwelierladen schließlich verlässt. Einige laufen zu ihm, bitten um ein Selfie. Er trägt eine Reisetasche und verzieht keine Miene, lässt sich aber auf die Bitten der meist Jugendlichen und Kinder ein. Eine Stellungnahme will er zunächst nicht geben. Er überlegt es sich anders. Auf die Frage, ob er den Videodreh angemeldet hat, schweigt er. "Wir haben für das neue Album von mir und ,Asche' gedreht." "Natural Born Killas" soll es heißen und 2021 erscheinen. Auch "Asche" ist Gangsta-Rapper. "Kollegah", der mit bürgerlichem Namen Felix Martin Andreas Matthias Blume heißt, sagt zu dem vermeintlichen Raubüberfall, dass "das ein neues Level an Realismus und Gangster-Rap" sei. Realität ist zumindest das Ende des Video-Drehs. Wer die Kosten für den Polizeigroßeinsatz tragen muss, steht noch nicht fest. sabine schramek

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare