Die Meder-Zinkwanne im Museumslädchen macht Björn Rosenau (links) und Jann S. Wienekamp vom Bornheimer Geschichtsverein glücklich. Einst verlieh das Haus Meder solche Wannen an die Bürger, die sie dann zur wöchentlichen Körperreinigung Eimer für Eimer füllen und wieder leeren mussten.
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Die Meder-Zinkwanne im Museumslädchen macht Björn Rosenau (links) und Jann S. Wienekamp vom Bornheimer Geschichtsverein glücklich. Einst verlieh das Haus Meder solche Wannen an die Bürger, die sie dann zur wöchentlichen Körperreinigung Eimer für Eimer füllen und wieder leeren mussten.

Volksbrause

Frankfurt: Volle Wanne oder Diese Geschichte hat sich gewaschen

  • vonGernot Gottwals
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Eine hübsche Ausstellung im Museumslädchen in Alt-Bornheim blickt auf die Historie der kleinen Bäder und des großen Panoramabades zurück.

Jeder fängt mal klein an. Wer in Bornheim um 1900 ein Bad nehmen wollte, musste sich häufig mit 1,4 Quadratmetern begnügen. "So groß ist die Zinkwanne, die uns das Spielwarengeschäft Meder zur Verfügung gestellt hat", sagt Jann Wienekamp, Vorsitzender des Bürgervereins und Förderkreises Historisches Bornheim.

Als 1876 die damalige Spenglerei Meder Zinkwannen verkaufte und verlieh, waren große Reinigungs- oder gar Schwimmbäder in Bornheim noch Zukunftsmusik. Ernst Mays utopisches Schwimmgebäude und das Panoramabad waren noch fern. Nun nimmt der Förderkreis den 50. Geburtstag des damaligen Bezirks- und heutigen Panoramabads zum Anlass, um in der Ausstellung "Bornheim geht baden" im Museumslädchen in Alt-Bornheim zurück- und vorzublicken.

Volksbrause und Ernst Mays Vision

Björn Rosenau, der seinen Sohn zum Schwimmkurs ins Panoramabad schickte, hat insgesamt 54 Bilder auf neun Tafeln gesammelt, die im Museumslädchen, im Panoramabad und unter www.historisches-bornheim.de zu sehen sind. Im Lädchen kommen die Zinkwanne, ein Stück der Bornheimer Wasserleitung von 1787, Bademode der 1970er Jahre und Artikel von der Eröffnung des Bezirksbads am 20. September 1970 hinzu. "Wir haben uns für diese Aufteilung entschieden, da wir wegen Corona nur drei Besucher in unser Lädchen lassen können", erklärt Wienekamp.

Die Fotoausstellung beginnt mit der Vorgeschichte einer römischen Therme in der Bornheimer Villa Rustica, der mittelalterlichen Frankfurter Badehäuser und der ersten um 1800 eröffneten Badeschiffe und Flussbäder. Da aber rund 85 Prozent der Frankfurter nicht mal ein einfaches Bad in der Wohnung hatten, gehörte das 1888 eröffnete Volksbrausebad am Merianplatz (damals Bornheim, heute Nordend) zu den ersten Reinigungsbädern: Der markante achteckige Turmbau mit Warmwasserbehälter in der Laterne, der bis 1997 in Betrieb war, zählte 1895 insgesamt 45 756 Besucher in zehn Duschzellen für Männer und vier für Frauen.

"1909, 1926 und 1964 wurden weitere Reinigungsbäder in der Würzburger-, Hallgartenstraße und Eulengasse eröffnet", erklärt Rosenau. Doch während 1896 in der Innenstadt das erste Schwimmbad in der Klingerstraße errichtet wurde, blieb ein 1913 geplantes Bornheimer Schwimmbad in der Heidestraße ein Wunschtraum; der Erste Weltkrieg kam dazwischen.

In den 1920er Jahren plante Ernst May am Pestalozziplatz die nächste Vision: "Ein rundes, nach oben strebendes Gebäude, das einen Kontrapunkt zu den funktional-eckigen Wohnbauten setzen und mit Reinigungsbad, einer 25-Meter-Schwimmbahn und einer Zentralheizung mit Fernwärme für die Siedlung gleich drei Funktionen erfüllen sollte", so Rosenau und Wienekamp. Doch der Wohnungsdruck ließ keine Zeit zur Umsetzung von Carl-Herrmann Rudloffs Entwurf: Die zentrale Heizungsanlage wurde im Keller eines Wohnhauses eingebaut, alle Häuser mit Bädern ausgestattet, das Schwimmbad als zu teuer abgelehnt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau startete 1961 mit der Planung des Bezirksbads Bornheim für 12,6 Millionen Mark der dritte Versuch. Auch zu teuer, denn beim Baubeginn 1968 wurden die medizinischen Bäder gestrichen und mit Rücksicht auf die lärmgeplagten Anwohner auch auf das Freibad verzichtet. Zur Eröffnung 1970 schwammen die Stadtverordneten gegen den Magistrat um die Wette.

Der Umbau 1988 stand im Zeichen des Erlebnisbades: Sauna, Außenanlage mit Riesenrutsche, Springbrunnen, Panoramablick Richtung Riederwald - und die Erkenntnis, dass man hinter der "Schwimmoper" am Rebstock nicht zurückstehen müsse. Doch seit einem Brand in der Saunaanlage 2006 zeigt sich zunehmend Sanierungsbedarf: "Da man aber eine längere Schließung für den Umbau vermeiden wollte, entstand die Idee eines Neubaus an der Eissporthalle mit anschließendem Abriss des Panoramabads", so Wienekamp. Nun verzögert auch Corona diese Pläne, während die TG Bornheim den Bau eines eigenen Bades in der Inheidener Straße angekündigt hat. Der Wettlauf um die Bornheimer Schwimmtempel geht weiter. Gernot Gottwals

Bornheim geht baden

ist im Museumslädchen (Turmstraße 11) am 3., 4., 10. und 11. Oktober von 11 bis 17 Uhr sowie während der Öffnungszeiten des Panoramabades (Inheidener Straße 60 ) zu sehen.

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