Justitia.  Foto: Arne Dedert/dpa
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Justitia. Foto: Arne Dedert/dpa

Justiz

Frankfurt: Von Mördern, Schmugglern und psychisch Kranken

  • vonMatthias Gerhart
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Die Frankfurter Gerichte mussten 2020 einige spektakuläre Straftaten verhandeln.

Frankfurt -Die Frankfurter Gerichte hatte in diesem Jahr trotz Corona wieder alle Hände voll zu tun. Einige Fälle waren auch spektakulär. Zumindest diese Straftat wird sich beim diesjährigen Jahreswechsel wohl kaum wiederholen: "Isis ist überall", riefen angetrunkene junge Leute, bewaffnet mit mehreren Pistolen, in der Silvesternacht 2018/2019 am Mainufer und versetzten damit etliche Spaziergänger in Angst und Schrecken. Vor dem Amtsgericht Frankfurt setzte es dafür die angemessene Strafe.

Viele Straftaten gehen auf eine wie auch immer geartete Beziehung zwischen Täter und späterem Opfer zurück. Einen Hundehalter aus Kalbach traf das Schicksal hingegen aus heiterem Himmel - am späten Abend. Beim Gassigehen rannte plötzlich ein Mann auf ihn zu und schlug ihm eine schwere Hantel auf den Kopf. Schnell wurde klar, dass es in dem Prozess vor dem Landgericht im Januar nur um die Unterbringung des psychisch kranken Täters in einer Klinik gehen kann.

Reichlich unorthodox ging ein Angestellter eines Sicherheitsunternehmens bei seinen Vorgesetzten vor, als er eine Gehaltserhöhung durchsetzen wollte: Er könne ja auch den Generalschlüssel eines Großkunden einfach verschwinden lassen. Weder der Chef noch das Amtsgericht fanden diesen Vorstoß besonders lustig - statt mehr Geld gab es 18 Monate ohne Bewährung.

Am ersten Tag der Corona-Zeit waren die Zuschauerbänke im großen Schwurgerichtssaal noch einmal dicht besetzt: Der 52 Jahre alte Mann, der seine Geschäftspartnerin im Niddapark umgebracht hatte, wurde Mitte März nach mehreren Monaten Verhandlung zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein anderer Angeklagter, der - passend zur zurückliegenden Faschingszeit - verkleidet die eigene Familie ausgeraubt hatte, war da noch der reinste Waisenknabe. Hier verhängte das Gericht eine Bewährungsstrafe.

Vor allem in der ersten Jahreshälfte wurden wieder zahlreiche Prozesse gegen Drogenschmuggler aus aller Herren Länder geführt. Erst nach Covid-19-bedingter Einschränkung des Flugverkehrs kam dieser "Geschäftszweig" der Frankfurter Strafjustiz ziemlich zum Erliegen. Im April erreichte noch einmal ein Kurier mit "Stoff in einer Schmugglerunterhose" mit eingebauten Taschen Aufsehen. Später war es dann Kokain, das in Modemagazinen aufgelöst wurde oder in plumpen Schnapsflaschen verborgen werden sollte. Die lieben Nachbarn sorgten einmal mehr für Schlagzeilen vor Gericht: Im Mai wurde in Höchst ein Wäschediebstahl mit dem schmerzhaften Einsatz eines Bunsenbrenners gesühnt.

Ein Pilot auf kriminellen Abwegen

Mit einer Geldauflage und Verwarnung kam ein Pilot davon, der einen kurzen Aufenthalt in Kuba dazu nutzte, ein wertvolles Ölgemälde aus dem Hotel zu stehlen. Dass ausgerechnet der Künstler auf der karibischen Insel Kultstatus besaß, war dem offenbar wenig kunstbeflissenen Piloten nicht bekannt. Passend zur sommerlichen Jahreszeit häuften sich im Juli die Verfahren um eine gewisse Zweckentfremdung der Schrebergärten. Mehrfach wurden Hanfplantagen nebst abgeerntetem Rauschgift in der Gartenlaube Gegenstand von Prozessen. In einem Fall hatte der Drogengärtner sogar mit einem völlig überflüssigen Hinweis auf einen angeblichen Einbrecher das Interesse der Polizei an seinen Pflanzungen hervorgerufen.

Trauriger Höhepunkt im August: Der Prozess gegen den 41 Jahre alten psychisch kranken Mann, der im Jahr zuvor einen Jungen im Hauptbahnhof vor den einfahrenden ICE gestoßen hatte. Nach ausführlicher Beweisaufnahme endete das Verfahren wie erwartet mit der Unterbringung des Täters in der Psychiatrie. Auch ein Fall im November sorgte für Entsetzen: Ein mehrfach vorbestrafter Mann stieß an einer U-Bahn-Station an der Eschersheimer Landstraße ohne ersichtlichen Grund einen Rollstuhlfahrer auf die Gleise: Langjährige Haft und anschließende Sicherungsverwahrung für den 69-Jährigen Täter waren die Folge.

Wie ein roter Faden zogen sich die Prozesse um Mord oder Totschlag durch das Jahr, bei denen meist Eifersucht die Hauptrolle spielte. Noch kurz vor Weihnachten wurde ein spektakuläres Verbrechen juristisch vorläufig abgeschlossen, bei dem ein 44-Jähriger vor einem Bornheimer Supermarkt seine 20 Jahre jüngere Ex-Lebensgefährtin mit 33 Messerstichen tötete. Die Schwurgerichtskammer bestrafte ihn dafür mit zwölf Jahren Haft wegen Totschlags. Matthias Gerhart

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