Der ehemalige Reitstall am Altersbergweg in Frankfurt. Hier haust ein Mann, der an Voodoo glaubt. Er terrorisiert Gärtner und Anwohner in der Umgebung.  
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Der ehemalige Reitstall am Altersbergweg in Frankfurt. Hier haust ein Mann, der an Voodoo glaubt. Er terrorisiert Gärtner und Anwohner in der Umgebung.  

Stadtteil in Angst

Angriff mit Mistgabel und Morddrohungen: „Voodoo“-Mann terrorisiert Oberrad 

  • vonSabine Schramek
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In Frankfurt herrscht Angst: Ein Voodoo-Anhänger hat mehrere Felder zu „heiligem Boden“ erklärt – und ist offenbar bereit, diese mit Gewalt zu schützen. 

  • In Frankfurt hat sich ein Mann, der an Voodoo glaubt niedergelassen
  • Seit Wochen terrorisiert David P. den Stadtteil Oberrad mit Vandalismus und Diebstählen
  • Zuletzt griff der „Voodoo-Mann“ mehrere Menschen an und äußerte Morddrohungen 

Frankfurt – Der Zauber ist vorbei. Wochenlang hielt ein Mann die Menschen im Frankfurter Stadtteil Oberrad zwischen Verwunderung, Sorge und Angst auf Trab. Er hatte den ehemaligen Reitstall am Altersbergweg in ein optisches Kunstwerk verwandelt und später die Felder ringsum als "Heiligen Boden" bezeichnet, der "nicht mehr bewirtschaftet werden darf". Nach mehrfacher Sachbeschädigung ging er zuletzt mit einer Heugabel auf drei junge Leute und Hunde los.

Frankfurt: „Voodoo-Mann“ aus Oberrad attackiert Hunde und junge Leute mit Heugabel

Wenn ein 50 Kilogramm schwerer und 70 Zentimeter hoher Pyrenäenberghund unter Schock steht, ist Schlimmes passiert. Dem schneeweißen Eddy erging es so. Er habe ebenso lange gezittert wie die drei Erwachsenen, die aus dem Nichts angegriffen wurden. Der "Voodoo-Mann" aus Frankfurt-Oberrad (wir berichteten)  trat ein Gartentor ein, riss eine Heugabel an sich, trat nach Eddy und zwei weiteren Hunden im Garten. 

Dann ging er mit der Heugabel auf die drei jungen Leute los und traf eine junge Frau am Kopf. "Er hat gerufen: ,Ich werde Euch töten!'. Das Ganze ging so schnell", erinnert sich Julia* und schaudert. "Selbst die Hunde waren überrumpelt", fügt Friedrich* hinzu. Später haben sie entdeckt, dass der 30-jährige Mann rote Rosenblütenblätter am Gartentor hinterlassen hat. Julia bekommt Gänsehaut, wenn sie daran denkt. "Im Voodoo steht das für Blut und Mord", sagt sie.

Frankfurt: Voodoo-Anhänger dreht während Corona-Krise durch – Probleme mit Landwirt

Unheimlich war ihnen Voodoo-Anhänger David P. schon länger. "Anfangs war er nett. Dann verschwanden bei uns immer wieder Getränke, Werkzeug, Farbflaschen und Deko-Teile. Wir hatten einen Verdacht, weil er kurz danach Holz und Wände in genau den Farben strich, die bei uns verschwunden waren. Wir glaubten aber, dass das auch Zufall sein kann." 

Seit Beginn des Corona-Lockdowns hat sich der Portugiese verändert. Ein Jahr lang hatte er den alten Pferdestall in Frankfurt in ein optisches Kunstwerk voller Spiegel, Stöckchenrollos, Farben und Möbel verwandelt. Die Zäune schmückte er mit langen Ästen, Bambus und schwingenden Holzklötzen. Danach begann er, umliegende Wiesen und Felder abzusperren. Mit Zäunen aus baumelnden Holzklötzchen und Zweigen. 

Er steckte dicke Stöcke in Felder, damit die Gärtner aus Frankfurt-Oberrad nicht mehr mit dem Traktor durchfahren konnten. Er forderte von Reiner Jung, Löcher aufzufüllen, die durch das Herausheben von großen Steinen auf dessen Feld entstanden waren. "Er ging sogar einmal mit einer Axt auf meinen Traktor los", so Jung. "Der Boden ist heilig. Hier wird nichts mehr angebaut und Pferde werden hier auch nicht mehr weiden", sagte P., nachdem er sämtliche Litzen eines Koppelzauns abgebaut hat und das schwere Metallgatter gleich mit.

Frankfurt: Polizei nimmt „Voodoo-Mann“ mehrfach fest – Hausverbot bleibt wirkungslos

Immer wieder mussten Gärtner und Pferdehalter die Polizei Frankfurt rufen. Insgesamt 18 Anzeigen wurden gegen ihn erstattet. Er wurde mehrfach verhaftet. Jedes Mal ließ der „Voodoo-Mann“ sich widerstandslos festnehmen, kam zurück. Offenbar glaubt P. an Voodoo und daran, dass sich böse Geister unter Ackerböden einnisten und Krankheiten über Menschen bringen, Pech in die Landwirtschaft zaubern und Katastrophen verursachen. 

Längst hatte ihm der im Ausland lebende Grundstückseigner Hausverbot im alten Frankfurter Pferdestall erteilt. P. interessierte es nicht. Er sagte, dass alles, was er macht, "mit den Eigentümern abgesprochen ist. Vor allem ihnen ist der Boden heilig." Offenbar meint der 30-Jährige mit dem freundlichen Lächeln nicht die Eigentümer, die die Felder bewirtschaften, sondern eine übergeordnete Kraft. Als "therapeutisches Wohnen" bezeichnet P. selbst sein Tun. "Eine selbst auferlegte Therapie", sagte er. 

Frankfurter haben Angst vor Voodoo-Anhänger  – Mann sitzt nun in Untersuchungshaft 

Der Voodoo-Gläubige riss frisch gesetzte Pflanzen aus den Feldern, legte eine Leitplanke quer über einen Acker, warf Steine nach Hunden und lächelte viel. Die Reiter haben die Koppel wieder aufgebaut, P. entfernte wieder die Litzen. "Einfach nur unheimlich. Wer weiß, was er den Tieren antut", sorgen sich auch Pferdebesitzer. Niemand ließ seine Tiere hier mehr grasen. Auch der Schock nach dem Angriff auf die jungen Leute sitzt in Frankfurt tief. "Zum Glück war die Polizei vom 8. Revier ganz schnell hier. Wer weiß, was er sonst noch gemacht hätte, wenn sie ihn nicht verhaftet hätten", ist Julia erleichtert. 

Ein Sprecher der Polizei Frankfurt bestätigt, dass P. wegen des "Tatvorwurfs der gefährlichen Körperverletzung einem Haftrichter vorgeführt wurde. Durch den zuständigen Haftrichter wurde die Untersuchungshaft in einer Justizvollzugsanstalt angeordnet."

Frankfurt: Voodoo-Kunst entfernt – Furcht vor Haftentlassung 

Auf dem alten Pferdehof in Frankfurt ist fast nichts mehr vonVoodoo-Kunst zu sehen. Sie wurde in Absprache mit dem Grundstückseigentümer entfernt. "Trotzdem haben wir Angst vor dem, was passiert, wenn er wieder rauskommt", sagen Julia und Friedrich mit Gänsehaut auf ihren Armen.

*Namen von der Redaktion geändert

Von Sabine Schramek

Zuletzt gab es auf den Felder von Frankfurt-Oberrad eine Menge Ärger. Nicht nur wegen des „Voodoo-Mannes“, sondern auch, weil sich Spaziergänger immer wieder danebenbenehmen

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