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In der Corona-Krise wird mehr Müll in Frankfurt illegal entsorgt. Müll aller Art türmt sich an der Ecke Oeserstraße/Am Römerhof. 

Illegale Entsorgung 

Müll türmt sich in Frankfurt: Viele sehen Corona-Krise als „Freibrief“

Frankfurter Entsorgungsbetriebe (FES) sehen trotz Kontaktbeschränkungen weiterhin viel Dreck im öffentlichen Raum. Viele nutzen die Corona-Krise zum Frühjahrsputz und Entrümpeln. Social-Media-Idee soll Aufklärung bringen. 

  • In Corona-Krise mehr Müll in Frankfurt
  • Müll wird illegal in Frankfurt entsorgt
  • Social-Media-Kampagne soll helfen. 

Frankfurt - So blau wie jetzt war der Himmel über Frankfurt schon lange nicht mehr. Dadurch, dass viele Menschen daheim bleiben, kann sich auch die Umwelt etwas erholen. Doch ist die Stadt nun auch sauberer? Die Realität sieht anders aus - Zigarettenstummel und Verpackungen verunstalten die Grünanlagen immer noch, die Straßen sind voller Sperrmüll.

"Viele nutzen die Zeit für den Frühjahrsputz oder zum Entrümpeln", erzählt Claudia Gabriel, Leiterin der Stabstelle "Sauberes Frankfurt". Die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) konnte bei den Sperrmüllanmeldungen bisher keinen Rückgang verzeichnen. Das sei an sich auch kein Problem, wären da nicht die wilden Ablagerungen. "Davon gibt es in manchen Bereichen sogar mehr", so Gabriel.

Müll in Frankfurt: Mehr wilde Müllentsorgung während Corona-Krise

Andere Frankfurter verbringen die vermehrte Freizeit in ihren Kleingärten. "Leider häufig auf Kosten der Allgemeinheit - Säcke mit Grünschnitt, defekten Gartenmöbeln und ausrangierten Grills stehen dann an der Straße oder werden in Gräben entsorgt", ärgert sie sich. Zu Beginn des "Lockdown" in Frankfurt sei noch keine Minderung des Müllaufkommens im öffentlichen Raum wahrnehmbar gewesen.

Corona: Müll am Frankfurter Mainufer

"Insbesondere am Mainufer ließen in den letzten Wochen viele ihre Verpackungen an Ort und Stelle liegen, obwohl noch Kapazität bei den Papierkörben vorhanden war", betont Gabriel. Ein paar Wochen später hat sich das Problem etwas verlagert. "Straßenzüge, in denen normalerweise extremer Trubel herrscht, sind jetzt natürlich sauberer", so Gabriel. Dafür verbringen viele bei dem schönen Wetter ihre Pause gerne mal draußen - und hinterlassen Spuren aus Müll. "Wir sind wirklich entsetzt zu sehen, wie vermüllt beispielsweise die Taunusanlage mit Einwegverpackungen in den letzten Tagen war!", sagt sie.

Corona-Krise in Frankfurt: Mehr Müll 

Sehr auffällig seien über die Feiertage in Frankfurt auch überlaufende Glascontainer, vor denen sich schon ganze Türme an Glasflaschen stapelten, "wie der Turmbau zu Babel", sagt sie. Dennoch könne die FES zurzeit nicht mehr Entleerungen als sonst tätigen. "Naturgemäß gibt es in der Ferienzeit auch bei uns höhere Urlaubsquoten", so Gabriel. Der generelle Dienst in Frankfurt könne jedoch noch gut aufrechterhalten werden.

Frankfurt: Corona-Krise kein Freibrief zur illegalen Müllentsorgung 

Dass die Umwelt von den Frankfurtern offenbar komplett vergessen wird, betrübt Gabriel. "Covid-19 ist doch kein Freibrief, das man jetzt munter alles verdrecken darf und nur noch Einweggeschirr benutzt", betont sie. Vielmehr sollte man die gewonnene Zeit nutzen, um sich zu Hause etwas zu Essen vorzubereiten und eigenes Geschirr zu nutzen. 

Gerade in den letzten Jahren habe die Stadt Frankfurt einen guten Fortschritt in punkto Sauberkeit gemacht. "Wir waren auf einem guten Weg und sind jetzt wieder drei Schritte zurück gegangen", bedauert Gabriel. In vielen Cafés in Frankfurt, in denen vorher eigene Becher aufgefüllt werden konnten, müssen die Kunden wieder aufTo-Go-Becher zurückgreifen. Aus Gründen der Hygiene.

Mehr Müll in Frankfurt während Corona-Krise

Die Reinigungsteams der Entsorgungsbetriebe und ihrer Sauberkeitsinitiative #cleanffm nutzen jetzt schon die Gunst der Stunde für intensive Reinigungen in Frankfurt. "Auf Plätzen, die normalerweise stark besucht sind, werden beispielsweise Zigarettenkippen und Kronkorken aus den Zwischenräumen der Pflasterung mit dem Stadtsauger entfernt", erklärt Gabriel. Zusätzlich werden neue Mülleimer aufgestellt, wie die großen "Müllgaragen" mit 120 Litern Volumen, integriertem Aschenbecher und Krähenschutz, zum Beispiel auf der Königsteiner Straße in Frankfurt-Höchst - da passen sogar Pizzakartons rein.

#cleanffm: Kampf gegen mehr Müll während Corona-Krise

Putzaktionen und Stammtische fallen hingegen derzeit aus. "Dafür haben wir eine dreiteilige ,Kippenkunde' für Social-Media aufbereitet", erzählt Cindy Dobler, Projektleiterin bei #cleanffm. Die Frankfurter Sauberkeitsbotschafter wie die 23-jährige Janine Ljubas müssen nun erstmal vor dem Spiegel üben.

"Ich freue mich schon, wenn es wieder Einsätze gibt", sagt Janine. Der Kontakt zu den Menschen und der Austausch zu Umweltthemen habe sie bei den bisherigen Aktionen stets motiviert. "Wir sind immer noch eine Community, in der wir aufeinander achten müssen", betont sie.

Mehr Müll in Frankfurt: Botschafter für Sauberkeit während Corona-Krise

Wie die künftigen Einsätze aussehen werden, weiß Dobler noch nicht: "Die Gesundheit der Frankfurter und der Sauberkeitsbotschafter steht natürlich an oberster Stelle." Nach der Corona-Krise werde man an die alten Erfolge anknüpfen. "Wir hoffen, dass sich die Leute wieder daran erinnern werden, wie wichtig die Umwelt ist", betont Gabriel. Das werde dann vor allem durch den aktiven Einsatz von motivierten Sauberkeitsbotschaftern wie Janine gelingen. 

red

Bereits im Januar, kurz nach Silvester, sorgten Müllberge in Frankfurt für Empörung

In Frankfurt hat eine Bürgerin genug. Der Grund: Die Straße in Nied, in der sie lebt, ist völlig zugemüllt. Ihr Vermieter sieht keinen Handlungsbedarf. Ab Montag beginnt in den Schulen in Frankfurt nach dem Corona-Lockdown* wieder schrittweise der Unterricht. Die Stadt hat einen Hygiene-Plan erarbeitet.

In Frankfurt-Bockenheim gibt es im Rebstockpark auch ein Müllproblem

Alles wichtigen Infos zu Corona in Frankfurt sind im Ticker gesammelt. Das Kontaktverbot gilt weiterhin, andere Regeln werden langsam gelockert. 

Ein ähnliches Problem mit  Müll hat der Hochtaunuskreis: In der Corona-Krise sind viele Menschen in der Natur unterwegs – und hinterlassen mehr Müll an beliebten Ausflugszielen. Die Kommunen setzen auf die Hilfe der Bürger.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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