Mit der Wölbung am "Kopf" sieht der Wasserstoffbus von Caetano ein bisschen aus wie ein weißer Beluga-Wal. Er fällt auch durch sein ausländisches Autokennzeichen auf. Foto: Privat
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Mit der Wölbung am "Kopf" sieht der Wasserstoffbus von Caetano ein bisschen aus wie ein weißer Beluga-Wal. Er fällt auch durch sein ausländisches Autokennzeichen auf. Foto: Privat

Verkehr

Frankfurt: Wasserstoffbus ist testweise auf der Linie 59 unterwegs

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Portugiesisches Modell bis Ende Februar zwischen Griesheim und Unterliederbach auf der Strecke

Frankfurt -Ein bisschen wie ein weißer Wal sieht der Bus aus, der seit Donnerstag auf der Linie 59 (Griesheim Bingelsweg - Unterliederbach Cheruskerweg) unterwegs ist: Das Fahrzeug des portugiesischen Herstellers CaetanoBus fährt mit Wasserstoff und fällt durch einen weißen Buckel auf: Untergebracht sind darin auf dem Dach des Busses Batterien, Brennstoffzellen und Wasserstofftanks. Das Modell "H2.City Gold" soll bis Ende Februar zwischen Griesheim und Unterliederbach unterwegs sein.

Den notwendigen Treibstoff erhält der Wasserstoffbus an einer speziellen Tankstelle auf dem Gelände des Industrieparks Höchst. Die Tankstelle wurde bereits 2006 in Betrieb genommen; auch die Buslinien des Industrieparks fahren mit Wasserstoff. Und derzeit entsteht im Industriepark die Grundlage für ein ganz besonderes Projekt des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV): die erste Wasserstofftankstelle für Passagierzüge in Hessen (wir berichteten). Sie soll ab Dezember 2022 die weltweit größte Brennstoffzellenzug-Flotte im Personenverkehr mit Wasserstoff versorgen, nämlich 27 Brennstoffzellenzüge des Herstellers Alstom, die auf den nicht elektrifizierten Regionalbahns-Strecken im Taunus die Dieselloks ablösen sollen. Das Gesamtauftragsvolumen für dieses Projekt beträgt 500 Millionen Euro. Bei den Bussen ist alles etwas kleiner: Nach Herstellerangaben kommt der "H2.City Gold" mit rund 37 Kilogramm Wasserstoff bis zu 400 Kilometer weit. Der Versuch auf der Linie zwischen Unterliederbach und Griesheim läuft unter der Obhut der DB Regio Bus Mitte, die das Bündel der Buslinien im Frankfurter Westen betreibt; bei der DB Regio Bus sei man "offen für neue technologische Entwicklungen und stolz darauf, mit diesem Test in Sachen Wasserstoffantrieb ganz vorne mit dabei zu sein", heißt es. Die Erfahrungen aus dem Probebetrieb bildeten die Grundlage für einen emissionsfreien Stadtverkehr in Deutschland.

Nachtladung und Brennstoffzelle

Dr.-Ing. Tom Reinhold, Geschäftsführer der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, erklärt: "Die Brennstoffzellentechnik ist ein elementarer Baustein des städtischen Konzepts, den gesamten Frankfurter Nahverkehr dieselfrei zu machen. Wir begrüßen es daher sehr, wenn sich unser Dienstleister DB Regio Bus Mitte Erfahrungen mit dieser Technik aneignet."

Die Stadt Frankfurt habe sich für ein Mischkonzept aus Nachtladung im Depot und Brennstoffzellen entschieden, das sich für das Frankfurter Liniennetz am besten eigne. Bei Elektrobussen unterscheidet man batterieelektrische Busse wie Nachtlader und Gelegenheitslader, Oberleitungsbusse und Brennstoffzellenbusse. Während Nachtlader bei kurzen Fahrleistungen kostengünstiger seien, erscheine die Brennstoffzellentechnik wegen der hohen Reichweiten für lange Linienstrecken besonders geeignet. Denn: Die Anforderungen an den Wasserstoffbus sind mit hohem Fahrgastaufkommen und Verkehrsdichte sowie geringen Haltestellenabständen mit häufigem Anfahren und Abbremsen beachtlich. Mit dem Test auf der Buslinie 59 im Frankfurter Westen werden jetzt Erfahrungs- und Verbrauchswerte unter realen Bedingungen gesammelt, sprich: im Einsatz mit den Fahrgästen, im direkten Vergleich.

Schon im vergangenen Jahr hatte die DB Regio Bus Mitte alternative Antriebe im Frankfurter Stadtverkehr getestet. Dazu fanden unter anderem Fahrten mit E-Bussen des französischen Herstellers Heuliez und des deutschen Herstellers MAN statt - ebenfalls auf der Linie 59. Die Fahrgäste, so heißt es, profitierten von ergonomischen Sitzen, einem sehr geräumigen Innenraum sowie von einem deutlich leiseren Fahrgefühl. Was allen zugutekommt, ist, dass die Busse keine Schadstoffe herausblasen. Kritik gibt es natürlich auch, aber die ist im Moment noch eher situationsbedingt: Die Haltestellen-Ansagen in den Bussen seien nicht zu verstehen, beschweren sich ÖPNV-Nutzer in den Sozialen Medien, etwa auf Facebook.

Allerdings ist der Wasserstoff aus dem Industriepark Höchst kein "grüner" Wasserstoff. Zwar ist Wasserstoff auf der Erde in praktisch unbegrenzter Menge vorhanden, aber selten in elementarer Form. In der Regel ist er gebunden, und zwar entweder in Wasser oder in Kohlenwasserstoffen. Zur Auftrennung ist Energie nötig: Im Industriepark Höchst ist er Nebenprodukt der industriellen Chlor-Produktion mittels der Chlor-Alkali-Elektrolyse.

Einsparung von 50 000 Tonnen CO2

Im Wasserstoffzentrum des Industrieparks Höchst fallen jährlich rund 30 Millionen Normkubikmeter (Nm3) Wasserstoff an. Damit könnten 400 Busse betrieben werden, was eine Emission von rund 50 000 Tonnen CO2 jährlich einsparen würde - das entspricht der Emission von rund 20 000 Einfamilienhäusern. Die Busse stoßen nur Wasserdampf aus. Weil aber von nicht von "grünem" Wasserstoff gesprochen werden kann, entwickelt Infraserv Höchst, der Betreiber des Industrieparks, derzeit mit anderen Partnern innovative Konzepte rund um den Energieträger Wasserstoff. Ob sich Wasserstoff allerdings zukünftig in großem Stil mittels biologischer und photochemischer Prozesse wirklich emissionsfrei produzieren lässt, bleibt abzuwarten. Holger Vonhof

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