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Maximilian Walther, Juniorchef Erlenhof, legt einen dicken Schlauch für den Feldsprenger zurecht. Der Familienbetrieb Erlenhof in Nieder-Erlenbach bewirtschaftet rund 120 Hektar, von denen auf Grund der Trockenheit seit mehreren Wochen rund um die Uhr 60 Hektar künstlich bewässert werden müssen.

Versorgung

Frankfurt hat zu wenig Wasser

Trinkwasser soll künftig vorrangig aus ortsnahen Quellen kommen. Das sieht ein neues Leitbild zur Wasserversorgung vor. Frankfurt ist aber weiterhin auf die Quellen in der Region angewiesen. Das wird zum Problem – vor allem in Zeiten anhaltender Trockenheit.

Acht Seiten umfasst das Papier mit dem Titel „Leitbild für ein Integriertes Wasserressourcen-Management Rhein-Main“, das das hessische Umweltministerium kürzlich vorgestellt hat. Von dessen Inhalt fühlt sich die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) bestätigt. Seit Jahren kritisiert sie, dass Frankfurt zu viel Wasser aus dem Umland bezieht. „Dem Ausufern der Fernwasserversorgung des Rhein-Main-Gebiets muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden“, heißt es in einer Mitteilung der SGV.

Sie fordert, dass sich der Ballungsraum stärker als bisher aus eigenen Anlagen versorgt. Das sehe auch das neue Leitbild des Umweltministeriums vor. Ortsnahe Vorkommen hätten bei der Nutzung von Grundwasser Vorrang, heißt es darin. Der regionale Versorger Hessenwasser verweist dagegen auf das Wasserhaushaltsgesetz. Man dürfe ortsferne Reserven anzapfen, „wenn eine Versorgung aus ortsnahen Wasservorkommen nicht in ausreichender Menge oder Güte oder nicht mit vertretbarem Aufwand sichergestellt werden kann“, sagt Hessenwasser-Sprecher Hubert Schreiber. Genau das sei in Frankfurt der Fall.

Ähnlich äußert sich das Wirtschaftsdezernat der Stadt. Die Nutzung von örtlichen und regionalen Wasservorkommen entspreche den Anforderungen des Wasserhaushaltsgesetzes „und damit den Zielen des Leitbildes des Umweltministeriums“, teilt Andrea Brandl mit, Büroleiterin von Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Man habe keine Kenntnis davon, dass die Grundwasserneubildung dramatisch abnehme, wie die SGV angibt. Brandl verweist auf einen Bericht des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Demnach bewegten sich die Grundwasserstände trotz der wochenlangen Trockenheit in diesem Jahr „auf einem überwiegend mittleren bis leicht überdurchschnittlichen Niveau“. Nur vereinzelt gebe es unterdurchschnittliche Grundwasserstände.

Rund 46 Millionen Kubikmeter Wasser werden in Frankfurt pro Jahr verbraucht. Etwa ein Fünftel davon stammt nach Angaben von Hessenwasser aus Anlagen im Stadtgebiet: aus dem Stadtwald sowie aus dem Wasserwerk Praunheim II. Der Rest fließt aus dem Umland zu: aus dem hessischen Ried, dem Kinzigtal und dem Vogelsberg. Doch dort funktioniere die Neubildung des Grundwassers nicht mehr so zuverlässig wie noch vor einigen Jahrzehnten, sagt Ökologe Hans-Otto Wack, wissenschaftlicher Berater der SGV. Immer wieder würden in Trockenzeiten die sogenannten Grenzgrundwasserstände, bis zu denen Wasser gefördert werden darf, unterschritten. Die Stadt Ulrichstein im Vogelsbergkreis sei schon von Wasserknappheit betroffen. Wack: „Dorthin müssen sie Wasser mit Tankwagen bringen, weil Quellen versiegt sind.“

Das Problem: Bei extremer Trockenheit wie in diesem Jahr zeige sich das Rhein-Main-Gebiet besonders durstig. „Weil da viel bewässert wird“, sagt der Ökologe. Entsprechend mehr kühles Nass werde aus dem Umland geliefert, auch aus dem Vogelsberg. „Gerade in Trockenzeiten haben wir Spitzenfördermengen. Das passt einfach nicht zusammen“, sorgt sich Wack.

Hessenwasser hält dagegen: Man halte sich an die behördlichen Vorgaben, sagt Sprecher Schreiber. Deshalb sei beispielsweise die Trinkwasser-Belieferung durch die Oberhessischen Versorgungswerke (OVAG) bereits um zwei Millionen Kubikmeter pro Jahr reduziert worden. „Es gibt ein strenges behördliches Regelwerk, das den Belangen des Umweltschutzes Rechnung trägt und faktisch auch greift“, betont Schreiber. Der SVG reicht das nicht. Sie fordert mehr Wassersparmaßnahmen in Frankfurt. Etwa durch die Aufbereitung von genutztem Trinkwasser, das zum Beispiel für Toilettenspülungen verwendet werden könnte. Von der Effizienz solcher Maßnahmen zeigt sich Hessenwasser nicht überzeugt. Dennoch habe man ein Forschungsvorhaben initiiert, um auch diese Möglichkeit unter die Lupe zu nehmen, sagt Schreiber. Und auch das Umweltministerium will die Frage beantworten, ob durch eine „rationelle Wasserverwendung“ die Abhängigkeit vom Umland reduziert werden kann.

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