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Ein Räumpanzer der Polizei sichert am 01.01.2017 die Feiernden auf der Silvesterfeier auf der Alten Brücke in Frankfurt am Main.

Feiern unter Polizeischutz

Frankfurt: Nur wenige Delikte in der Silvesternacht

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Das Sicherheitskonzept für die Silvesternacht ist aufgegangen, im Großen und Ganzen verlief die Nacht friedlich. Allerdings: Gerade einmal 5000 Menschen kamen in die geschützte Zone am Fluss.

Besucher auf dem Eisernen Steg drängen sich in der Kälte zusammen. Ein Mann schaut auf die Uhr, mit seinen Freunden zählt er ab: „Fünf, vier, drei, zwei, eins!“ Jetzt liegen sich alle in den Armen, wünschen sich ein gutes neues Jahr, stoßen mit Sekt in Pappbechern darauf an. Die ersten Raketen steigen laut pfeifend in den Nachthimmel.

Silvester am Main. So kennen, so lieben es die Frankfurter. Doch die Riesenparty unter freiem Himmel ist in diesem Jahr ausgeblieben. Sollen früher bis zu 100 000 Menschen an den Main gedrängt haben, sind es diesmal nur einige zehntausend. In die Sicherheitszone der Polizei kommen gerade einmal 5000 Menschen, mit 30 000 Besuchern hatte man gerechnet. Vor allem auf den Eisernen Steg drängen sich die Menschen, um zehn Minuten vor Mitternacht ist die Brücke so voll, dass die Polizei niemanden mehr durchlässt. Auch der Holbeinsteg muss kurzzeitig geschlossen werden.

Warum die Feiernden ausblieben, darüber mochte gestern keiner spekulieren. Lag es an der Kälte, an den Ereignissen vom Vorjahr, dem Attentat in Berlin, dem Böllerverbot oder dem Umstand, dass man sich kontrollieren lassen musste? Zwischen Betonblöcken und Absperrgittern standen beispielsweise am Fahrtor Sicherheitsleute und ließen sich jede Tasche zeigen. Raketen und Böller wurden beschlagnahmt, Personen mit zu großen Taschen erst gar nicht in die Sicherheitszone zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke hineingelassen. Etliche Besucher wichen auf die Zeil aus, auf dem Römerberg wurde heftiger geböllert als in den Vorjahren.

Mehr als 600 Polizisten waren im Einsatz, doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Es sah aus wie bei einer großen Demonstration: Die Reiterstaffel patrouillierte, ein großer Wasserwerfer war einsatzbereit, ein grüner Räumpanzer sicherte die Feiernden auf der Alten Brücke, am Eisernen Steg zeichnete eine Videokamera mögliche Straftaten auf.

Insgesamt kontrollierten die Beamten 114 Personen, 57 wurden durchsucht, 18 in Gewahrsam genommen. 62 Ermittlungsverfahren leitete die Polizei ein, unter anderem wegen Verstößen gegen Betäubungsmittel- oder Waffengesetz, aber auch wegen Körperverletzung und in einem Fall wegen sexueller Belästigung. Auf dem Eisernen Steg hatte einer jungen Frau plötzlich ein Unbekannter an den Hintern gegriffen. Die 25-Jährige wandte sich sofort an einen Polizisten. Noch auf der Brücke wurden der Tatverdächtige und vier Begleiter festgenommen. Gegen sie wird ermittelt. Bislang war dies die einzige Anzeige wegen sexueller Belästigung. Im vergangenen Jahr waren 63 derartige Falle gemeldet worden.

Damals hatten Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen für Unruhe in Frankfurt gesorgt. Auch in diesem Jahr reisten rund 1900 junge Männer, die überwiegend aus Nordafrika stammen, mit Zügen an. Am Hauptbahnhof wurden sie von der Bundespolizei in Empfang genommen und mit Informationsblättern versorgt, bevor sie in die Innenstadt weiterzogen, wo sie die Frankfurter Ordnungshüter im Auge behielten.

„Es war für eine Silvesternacht sehr ruhig“, zog ein Polizeisprecher Bilanz. Polizisten seien eingeschritten, wenn in der Sicherheitszone verbotenerweise Böller gezündet wurden. „Die Feuerwerkskörper wurden beschlagnahmt, die Person des Platzes verwiesen.“ Von einer ruhigen Nacht sprachen auch die Rettungskräfte. Zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens rückte die Feuerwehr zu 65 Bränden aus: Mülltonnen, Autos, Bäume, Hecken hatten Feuer gefangen. Genau 100 Mal wurde der Rettungsdienst angefordert. Hilfe brauchten Menschen, die sich mit Feuerwerkskörpern verletzt hatten. Später galt es, Betrunkene sowie die Opfer von Prügeleien zu versorgen.

Kritisch wurde es für die Sicherheitsleute in der Ginnheimer Franz-Werfel-Straße sowie im Bahnhofsviertel. Dort wurde Feuer gelegt, dann wurden die Feuerwehrleute mit Böllern beschossen. Sie forderten Polizeihilfe an. Wegen solcher Attacken mussten vier Menschen die Nacht hinter Gittern verbringen.

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