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Unübersichtlich und eng sind die Bahnsteige am Westbahnhof. Auch sie sollen umgestaltet werden. Allerdings später als ursprünglich geplant.

Modernisierung

Westbahnhof: Sanierung verzögert sich um zwei Jahre

Die Modernisierung des Westbahnhofs beginnt nicht wie ursprünglich geplant schon in diesem Jahr. Baubeginn soll voraussichtlich erst 2021 sein.

Frankfurt - Hier helfen keine verbalen Beschönigungen mehr: Der Westbahnhof ist nicht gerade einladend. Vor allem die Unterführung mit ihren schmutzigen Wänden und die dunkle Eingangshalle geben kein schönes Bild ab. Eine Sanierung, Modernisierung oder zumindest Aufwertung des Bahnhofs ist nach Ansicht vieler Fahrgäste überfällig. Doch die ursprünglich für das vierte Quartal 2019 angekündigte Maßnahme verzögert sich um zwei Jahre.

Zumindest teilt das die Deutschen Bahn auf Anfrage mit: "Die Planfeststellungsunterlagen für die Sanierung wurden beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Voraussichtlicher Baubeginn ist laut aktuellem Stand Ende 2021."

Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) wusste bis gestern nichts davon. "Dass das stillschweigend verschoben wird, finde ich nicht gut, man hätte uns informieren können", spricht er stellvertretend für den gesamten Ortsbeirat (Bockenheim, Westend, Kuhwald). Er bedauert, dass das Projekt nicht zeitnah umgesetzt wird, schließlich sei die Modernisierung schon 15 Jahren ein Thema. Allerdings habe die Bahn mit dem Ausbau der S-Bahnlinie 6 derzeit genügend um die Ohren, sagt Kaufmann.

Neue Aufzüge

Der Bahnhof soll grundlegend modernisiert und barrierefrei werden. "Der geplante Umbau umfasst unter anderem den Neubau der Aufzugsanlagen, die Anpassung der Bahnsteige, den Einbau eines taktilen Leitsystems und die Anpassung der Wegeleitung", teilt die Bahn mit. Außerdem sei geplant, die Personenunterführung zu erneuern, die Eingangshalle umzubauen sowie neue Toiletten und eine Bike+Ride-Außenanlage zu errichten.

Ralf Erbskorn, der nicht weit entfernt vom Westbahnhof wohnt, kritisiert aber die Pläne. "Eine Renovierung des Bahnhofs ohne Rampen macht für mich keinen Sinn", sagt er. "Dabei geht es mir nicht direkt um die Barrierefreiheit. Was das angeht, macht die Bahn alles gut und EU-konform." Viele Radfahrer und Eltern mit Kinderwagen benutzten aber die Unterführung. Weil es keine Rampen zur Unterführung gebe, müssten Räder und Kinderwägen die Treppe zur Unterführung hinauf und hinunter getragen werden. Aufzüge seien vermutlich nicht ausreichend, sie seien für solche Massen nicht ausgelegt, vermutet Erbskorn. "Es geht bei der Unterführung schließlich auch darum, die Stadtteile City-West und Bockenheim miteinander zu verbinden", betont er. Sein Anliegen hat Erbskorn der Bahn mitgeteilt. Er hat auch eine Antwort bekommen. Die gefällt ihm aber nicht. Darin heißt es: Eine barrierefreie Rampenanlage auf Seite der Solmsstraße würde eine Länge von 81 Metern haben, da diese nach jeweils sechs Metern Längsneigung von sechs Prozent zwei Meter lange Ruhepodeste mit einer geringeren Steigung vorweisen müsse. Aufgrund von Eigentumsverhältnissen und Anliegergrundstücken sei der entsprechende Platz nicht gegeben. Nur Schieberampen könnten auf den Treppen zur Unterführung installiert werden.

Werbung machen

Erbskorn reicht das nicht. Während des Planfeststellungsverfahrens will er nochmals seine Anregungen einbringen. Unterstützt wird er vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. "Es gibt viele Rampen, die steiler sind als sechs Prozent. Ich denke, da gibt es eine Lösung", meint Erbskorn. Für die Rampen wolle er mit dem ADFC auch noch einmal an Ort und Stelle werben.

von Niklas Mag

Kommentar

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Dieses Sprichwort hat bei der Deutschen Bahn (DB) längst schon keine Gültigkeit mehr. Verspätung haben nämlich nicht nur die Züge, sondern mittlerweile auch viele der großspurig angekündigten Projekte. Der Westbahnhof ist das jüngste Beispiel. Natürlich trifft die Bahn in Zeiten immer komplizierterer Planfeststellungs- oder Ausschreibungsverfahren nur eine Teilschuld. Nicht nachzuvollziehen ist aber, dass die Wahrheit immer nur scheibchenweise und auf permanentes Nachfragen an die Öffentlichkeit dringt. Mit einer solchen Verschleierungstaktik fährt der Konzern nicht gut, irgendwann nämlich ist die Geduld der letzten Kunden überstrapaziert. Denn sie sind die Leidtragenden. Stichwort: schlechtere Leistungen bei stetig steigenden Preisen und obendrein noch mangelndem Komfort. Das macht auf Dauer keiner mit.

Die Konsequenz jedoch wäre in Zeiten des Klimawandels fatal: Jeder, der aus Frust über die DB ins Auto steigt, ist einer zu viel. Darüber sollte sich die Bahn mal Gedanken machen. Und endlich aufs Tempo drücken. bit

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