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Ein Gutachten soll Klarheit zum möglichen Bau eines Tunnels für die U4 unter dem Grüneburgpark  in Frankfurt bringen. Die Bürger sorgen sich um die Bäume.  (Symbolbild)

Westend

Geplanter U-Bahn-Tunnel unter Grüneburgpark polarisiert

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Ein Gutachten soll Klarheit zum möglichen Bau eines Tunnels für die U4 unter dem Grüneburgpark  in Frankfurt bringen. Die Bürger sorgen sich um die Bäume. 

Frankfurt – Der geplante U-Bahn-Tunnel unter dem Grüneburgpark wird sicher nicht gebaut, wenn Bäume gefährdet werden. Das betonten die Fraktionen, die dem Projekt im Zuge des geplanten Lückenschlusses der U 4 zwischen Ginnheim und Bockenheimer Warte aufgeschlossen gegenüberstehen in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald). Doch das beruhigte die Anwesenden der Bürgerinitiative Grüneburgpark (BI) aber nicht. Susanne Lindener erklärte, dass eine Röhre Auswirkungen auf Grundwasserspiegel und -ströme habe. Eine Konsequenz: Es müsse noch mehr als bisher schon gegossen werden.

Und Gisela Becker von der BI behauptete gar, dass Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nicht die ganze Wahrheit gesagt habe. Das von ihm versprochene Gutachten zu Bodenbeschaffenheit und möglichen Gefahren für Bäume sei jedenfalls noch nicht beauftragt.

Susanne Däbritz (SPD) bezeichnete diese Aussage als "Unverschämtheit". Oesterling habe lediglich erklärt, dass Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) das Gutachten beauftrage und die VGF die Kosten dafür übernehme. Damit, so Däbritz, wende er den leisesten Verdacht eines "Schummelgutachtens" ab.

Genau will es der Ortsbeirat wissen und verabschiedete einen Antrag. Der Magistrat soll erklären, auf welcher rechtlichen Grundlage das Gutachten oder die Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wird. Und: Eine Entscheidung über den Trassenverlauf soll erst getroffen werden, wenn alle Fragen zur Grundwassersituation geklärt sind. 

U-Bahn-Tunnel in Frankfurt: Zehn Varianten stehen zur Wahl

Zehn verschiedene Trassenführungen stehen zur Wahl. Die kürzeren entlang der Miquelallee und am Ginnheimer Spargel vorbei kosten 190 bis 210 Millionen, 260 bis 320 Millionen Euro die längeren, die einen Bogen machen, um den Uni-Campus Westend anzuschließen.

Kritisch äußerte sich ein Bürger, weil öffentlich nur noch Tunnellösungen diskutiert werden. Dazu hat die FDP-Fraktion eine eindeutige Meinung: "Die Verkehrsbelastung in der Stadt nimmt zu. Tram und Bus stecken im Stau. Ein leistungsfähiger ÖPNV gehört unter die Erde, dazu gibt es keine Alternative", betonte Maria-Christina Nimmerfroh. Das sieht Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) jedoch anders. Sein Vorschlag: Bis zu einer Haltestelle am Ginnheimer Spargel/Botanischer Garten soll die U-Bahn fahren und gleichzeitig die Buslinien 32 und 64 jeweils in Straßenbahnlinien umgewandelt werden. "Geht's nur um eine Verbindung von der Uni zum Hauptbahnhof, die gibt's schon mit dem 64er Bus", so Hammelmann. Allerdings müsse der 15-Minuten-Takt angepasst werden.

Grundsätzlich sei die Universität gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, erklärte ein Bürger. Es leuchte ihm deshalb nicht ein, warum die Uni eine eigene Station auf dem Campus benötige. Der Stadtverordnete Manfred Zieran (ÖkoLinx) äußerte die Vermutung, dass es nur um einen Standortvorteil gegenüber anderen Universitäten gehe. Dem widersprach Däbritz und wies darauf hin, dass der maximal mögliche Zuschuss von 75 Prozent der Bausumme nur gewährt werde, wenn mit dem Lückenschluss eine Zeitersparnis von fünf Minuten zwischen Uni und Hauptbahnhof erreicht werde. Ein Lückenschluss der U 4 ohne Anbindung des Campus sei aber grundsätzlich nicht sinnvoll, so die mehrheitliche Meinung im Ortsbeirat. Denn die Verbindung aller drei Uni-Standorte entlang einer Linie sei mehr als sinnvoll. 

Frankfurt: Gondeln als Alternative zur U-Bahn

Eine bislang nicht berücksichtigte Alternative brachte eine Zuhörerin ins Gespräch. Eine Seilbahn mit Gondeln, in die 35 Personen passen und die im Minutentakt fahren können. Eine entsprechende Petition sei auf der Internetplattform "Frankfurt fragt mich" eingestellt. Bei mehr als 200 Unterstützern muss sich der Magistrat mit dem Thema beschäftigen.

Knut Emmert (BFF) befürwortete, alle möglichen Alternativen zu prüfen. Mit Blick auf den Tunnel unter dem Grüneburgpark sagte er aber auch: Unter Central Park in New York oder Gorki-Park in Moskau führen auch U-Bahnen. Dort schade das Bäumen auch nicht. "Selbst die größten Tunnelfanatiker sind der Meinung, der Park bleibt unangetastet, wenn den Bäumen etwas passiert", versuchte Axel Kaufmann (CDU) alle zu beruhigen.

Senioren ärgern sich derweil über den neuen Bus-Fahrplan: In Frankfurt fährt Linie 47 am Abend nicht mehr. 

Seit Jahren wird über die Umsetzung eines Aufzugs an der U-Bahn-Station Westend diskutiert. Die Pläne stehen längst, doch sind einige Anwohner, angeführt von der Aktionsgemeinschaft Westend (AWG), mit der Verkehrsinsel-Lösung nicht einverstanden.

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