+
Die Mieter Günter Begovici, Irmgard Jaschkowski und Gerd Diefenbach sind es leid, in der Stefan-Heise-Straße in einer Dauerbaustelle wohnen zu müssen. 

Monatelanges Warten

Mieter gehen auf die Barrikaden: Sanierungsarbeiten in Frankfurter Siedlung nerven

  • schließen

Die Mieter in Westhausen schlagen Alarm: Seit zwei Jahren laufen in der Siedlung in Frankfurt Bauarbeiten und belasten die Anwohner. Ein Ende ist nicht abzusehen. Dafür drohen Mieterhöhungen.

  • In Westhausen in Frankfurt laufen seit zwei Jahren Bauarbeiten.
  • Während sich bei den Bauarbeiten nicht viel tut, sollen die Mieten steigen.
  • Die Mieter gehen nun auf die Barrikaden. 

Westhausen - Die Mieter in Westhausen sind sauer: In einem offenen Brief an die Medien und die Stadtverwaltung beschweren sie sich über Bauarbeiten in ihrem Viertel. Verantwortlich ist das Wohnungsunternehmen Vonovia, eine Aktiengesellschaft aus Bochum, die 400.000 Wohnungen besitzt, davon etwa 15.000 in Frankfurt, und seit 2015 im Dax notiert ist.

Die Vorwürfe: Seit zwei Jahren wird in der Siedlung in der Stephan-Heise-Straße gebaut. Anfangs waren es 36 Wohnungen, die im Zuge einer Nachverdichtung neu geschaffen wurden. Zuletzt, im Mai 2019, begann die Sanierung der Mehrfamilienhäuser: 258 Wohnungen, meist in Blocks zu je 24 Wohnungen.

Frankfurt: Bauarbeiten in Westhausen nerven die Mieter

„Die Häuser sind aus den 50er Jahren. Anfangs waren hier Amerikaner drin“, berichtet Günter Begovici, langjähriger Mieter in der Stephan-Heise-Straße 21. Er ist einer der Mieter, die sich jetzt in dem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewendet haben. Seine Klage: Es gibt immer Ärger, ob wegen der Steigleitung oder wegen strittiger Isolierungen im Kellergeschoss.

„Seit vier Monaten sind die Rohrleitungen im Treppenhaus offen“, berichtet er aus seinem eigenen Block. „Seit mehr als drei Monaten haben wir ein Gerüst vor dem Haus. Anfang Oktober hat man die Balkone weggemacht, etwas später kamen neue Fenster. Seitdem ist nichts mehr geschehen bei uns.“ Nur die Fassade wurde gereinigt. Als nächstes wäre ein neuer Reibeputz nötig. Doch darauf warten die Anwohner noch.

Bauarbeiten in Westhausen Frankfurt: Mieter treten an die Öffentlichkeit

„In meine Wohnung wurden vor drei Monaten Löcher gebohrt und Leitungen gezogen. Sie hängen innen herunter, es geht nicht weiter.“ Begovici findet, die Baustelle sei schlecht gemanagt. Er betont: „Wir sind nicht gegen die Bauarbeiten. Natürlich muss etwas an den alten Häusern geschehen. Aber wir wollen, dass es so schnell wie möglich geschieht und nicht monatelang nichts geschieht.“

Alle Gespräche, die die Mieter mit dem Bauleiter geführt haben, hätten nicht gefruchtet. Vor drei Monaten exakt, am 20. Oktober 2019, haben die Mieter einen Brief an die Vonovia in Bochum geschrieben. Danach sei aber auch nichts geschehen. Deswegen trete man jetzt an die Öffentlichkeit.

Die ganzen Bauarbeiten kosten absehbar Geld. Eine Mieterhöhung zwischen 60 und 120 Euro sei den Mietern schon in Aussicht gestellt worden. Begovici wohnt auf 54 Quadratmetern und zahlt 576 Euro kalt. Er rechnet mit einer Mieterhöhung von 20 Prozent. Nachbar Wolfgang G. klagt: „Nicht abgesicherte Baustellen, Bauschutt in den Treppenhäusern, falsch eingebaute Haustüren und sogar durch Bauarbeiter aufgebrochene Keller müssen wir Mieter über uns ergehen lassen.“

Ayla E., die auch in der Siedlung wohnt, beschwert sich: „Wir fordern zum Beispiel, dass wir über einen stets aktuellen Bauzeitenplan eine Übersicht erhalten, wann was in unseren Häusern gebaut wird.“ Besonders ärgerlich: Strom und Wasser der privaten Haushalte werde für Bauarbeiten genutzt. „Eine Erstattung des verbrauchten Wassers ist das Mindeste! Außerdem ist die Vonovia verpflichtet, die Außenanlage und die Treppenhäuser reinigen zu lassen. Das sind Kosten, die wir mit unseren monatlichen Nebenkosten zahlen“, so Ayla E.

Frankfurt: Mieter von Bauarbeiten genervt - Unternehmen äußert Unverständnis

Im Planungsdezernat war das Schreiben der Mieter bis gestern noch nicht bekannt, sagte Sprecher Mark Gellert. Auch bei der Bauaufsicht wusste man noch nichts vom Ärger der Mieter mit den Bauarbeiten.

Seitens der Vonovia äußerte die Sprecherin Katja Mazurek Unverständnis über das Vorgehen der Mieter: „Wir haben doch auf das Schreiben vom 20. Oktober geantwortet.“ Wegen der Unannehmlichkeiten der Bauzeit seien die Quartiersmanager und die Bauleitung regelmäßig ansprechbar. Zuletzt habe es am 10. Januar ein Gespräch mit der Mieterinitiative gegeben.

„Alle Themen, die wir nicht direkt gemeinsam klären konnten, haben wir protokolliert und werden dazu bis Ende des laufenden Monats eine Rückmeldung geben“, so Mazurek. 

Doch der Disput in Westhausen ist nicht der einzige Mietsstreit in Frankfurt. Viele Wohnungen sind kaum noch bezahlbar. Deswegen forderte der Mieterschutzverein Frankfurt einen Mietenstopp.

Nach einem Bericht der FNP nimmt die Vonovia ihre Kündigung zurück*: Tagesmutter Roberta Drago darf bleiben.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare