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Die Artistin Diane-Renée Rodríguez trainiert derzeit im Tigerpalast für die große Weihnachtsrevue im Palmengarten-Gesellschaftshaus. Sie vereint die gefährliche Handhabung der Wurfwaffe Boleadoras mit den hämmernden Schritten des Flamenco. Eine sehr ungewöhnliche Kombination.

Kultur

Frankfurt: Wie eine Artistin eine Wurfwaffe zähmt

Trotz Corona: Ab dem 20. November zeigt die Amerikanerin Diane-Renée Rodríguez ihre Boleadoras-Kunst in der Weihnachtsrevue des Variete-Theaters Tigerpalast.

Surrende Seile und knallende Aufschläge: Die alte Wurfwaffe der argentinischen Gaucho-Reiter verlangt sehr viel Präzision. Die Artistin Diane-Renée Rodríguez beherrscht diese Kunst meisterhaft, wie sie beim Training demonstriert - und sie weiß, dass schon eine kleine Unachtsamkeit zu bösen Verletzungen führen kann. Wenn die Amerikanerin die Boleadoras, wie die Schleuderkugeln an den Enden der Schnüre genannt werden, als visuelles Perkussion-Instrument einsetzt und dazu mit ihren Schuhen Flamenco-Rhythmen stampft, dann entsteht eine eindrucksvolle Performance der Körperbeherrschung. Ab dem 20. November will sie ihre Show in der Weihnachtsrevue des Varieté-Theaters Tigerpalast zeigen, die in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie im Gesellschaftshaus des Palmengartens über die Bühne gehen wird.

Wie die anderen Artisten, die teils schon seit Monaten in Frankfurt sind und im Stammhaus in der Heiligkreuzgasse wohnen und trainieren, brennt Diane-Renée Rodríguez darauf, endlich wieder auftreten zu können. "Ich will meiner Kunst folgen, das war mein einziger Gedanke, als ich nach Frankfurt kam", sagt die sympathische Artistin, die in Tampa im US-Staat Florida als Tochter einer Spanischlehrerin und eines Unternehmers aufgewachsen ist.

Anders als Zirkuskinder konnte sie in ihrer Familie nicht auf Generationen in der Manege zurückblicken. Gleichwohl wurde sie von ihren Eltern früh gefördert: "Ich war drei Jahre alt, als ich mit dem Tanzen anfing, seitdem war Tanz mein Leben. Fast täglich fuhr mich meine Mutter zum Training." Später kam noch Musical-Gesang dazu und schließlich ein Abschluss an der Zirkusschule im kanadischen Montreal. Sie spezialisierte sich dann als Tanztrapezkünstlerin und trat in Amerika und Europa mit modernen Zirkuskompanien auf, darunter der 1984 gegründete Cirque Plume, der in Frankreich bekannteste Vertreter des Nouveau Cirque, des "neuen Zirkus", in dem übrigens keine Tiere auftreten.

In Frankfurt gastiert Diane-Renée Rodríguez zum ersten Mal, Berlin und Köln kennt sie von früheren Auftritten. "Die letzten zehn Jahre habe ich von Frankreich aus gearbeitet, daher lebe ich auch in Paris", erzählt sie. Dort habe sie eine argentinische Community gefunden, woraus viele Freundschaften entstanden seien: "Ich liebe einfach die argentinische Kultur, die Boleadoras sind ein Teil dessen. Gern würde ich in meiner Zeit in Frankfurt Kontakte zu Argentiniern aufnehmen, ein Austausch wäre schön." Zuletzt war die Boleadoras-Kunst vor 30 Jahren in einer Tigerpalast-Show zu sehen, dargeboten von argentinischen Männern.

Dass jetzt eine Frau diese maskuline Bühnenkunst aufgreift und mit kraftvollem Solo-Tangotanz kombiniert, sei neu und sehr außergewöhnlich, bestätigt auch die Tigerpalast-Mitgründerin Margareta Dillinger: "Das tut die Künstlerin mit feiner Ironie auf diese Machokultur, dazu besitzt sie eine wirklich natürliche erotische Ausstrahlung. Eine tolle Show, denn hier sieht man, wie eine im Prinzip tödliche Waffe, was die Boleadoras ja früher waren, gezähmt und in Kunst verwandelt wird. Das sollte man mit allen Waffen machen."

Tickets für die Weihnachtsrevue im Festsaal des Palmengartens, die bis zum 17. Januar läuft, können telefonisch gebucht werden unter (069) 92 00 22-0. fai

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