Mit den Attacken auf dem Opernplatz fing alles an. Jetzt haben große Menschengruppen schon wieder Polizisten im Einsatz angegriffen und mit Steinen und Flaschen beworfen.
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Mit den Attacken auf dem Opernplatz fing alles an. Jetzt haben große Menschengruppen schon wieder Polizisten im Einsatz angegriffen und mit Steinen und Flaschen beworfen.

Krawalle

Frankfurt: Wieder greifen große Gruppen Polizisten an

  • vonMark-Joachim Obert
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In Sachsenhausen fliegen aus dem Nichts Flaschen und Steine, auf der Zeil eskaliert eine Personenkontrolle. Der Grund dafür ist keine Lappalie.

Frankfurt An zwei Orten in der Stadt ist es am Wochenende wieder zu größeren Auseinandersetzungen von Personengruppen mit der Polizei gekommen. In Sachsenhausen seien Steine und Flaschen auf die Beamten geflogen, teilt die Polizei mit. Auf der Zeil seien Beamte unter anderem als "Rassisten" beschimpft worden. Im einen Fall waren etwa 50 Personen zugegen, im anderen 150.

Den Fall in Sachsenhausen schildert die Deutsche Presseagentur (dpa) wie folgt: Gegen 5 Uhr suchten Polizisten ein Lokal in der Großen Rittergasse auf wegen eines - letztlich harmlosen - Streits zwischen dem Wirt und seinen Gästen. Schnell kamen etwa 50 Personen zusammen und skandierten lautstark gegen die Polizei. Dabei tat sich ein 33-Jähriger als Aufwiegler besonders hervor.

Gruppe verfolgt die Polizei

Als die Polizisten weiterzogen, verfolgte die Gruppe sie und bewarf sie an der Ecke Rittergasse/Frankensteiner Straße mit Gläsern, Flaschen und Steinen. Die Einsatzkräfte setzten Pfefferspray ein, worauf noch mehr Flaschen flogen. Ein 37 Jahre alter Polizist wurde im Gesicht getroffen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Eine Polizistin (24) wurde ebenfalls getroffen, blieb aber unverletzt. Mit Hilfe von Unterstützungskräften gelang die Festnahme von drei Tatverdächtigen. Dazu zählen neben dem erwähnten 33 -jährigen Aufwiegler noch ein 18-jähriger Frankfurter sowie ein 18-jähriger Dietzenbacher. Die Taten wurden teilweise von der Polizei gefilmt und von einem unabhängigen Zeugen gemeldet.

Die beiden 18-Jährigen wurden in Ermangelung von Haftgründen auf freien Fuß gesetzt. Der 33 Jahre alte Tatverdächtige, der in der Vergangenheit bereits eine mehrjährige Haftstrafe wegen Körperverletzung abgesessen hat, ist gestern dem Haftrichter vorgeführt worden.

"Ich werde allen sagen, dass ihr mich geschlagen habt."

Zuvor, um Mitternacht, haben laut Polizei zwei 26 und 35 Jahre alte Männer gegen eine Fassade auf der Zeil uriniert. Als eine Funkstreife sie kontrollieren wollte, habe sie der Ältere beleidigt. "Ihr scheiß Rassisten! Nur, weil ich schwarz bin." Zudem soll der Mann mit Falschaussagen gedroht haben: "Ich werde allen sagen, dass ihr mich geschlagen habt." "Wenn ich sage, dass ihr mich rassistisch behandelt habt, werdet ihr suspendiert." Weil der 35-Jährige angab, keine Papiere mit sich zu führen, sei er "oberflächlich" durchsucht worden, teilt die Polizei mit. Eine Passantin habe daraufhin andere Personen herbeigerufen.

Kurz darauf hätten sich die Beamten 150 Personen gegenüber gesehen. Mit Äußerungen wie: "Seht her, wie wir alle unterdrückt werden" und "Rassisten" habe die Passantin versucht, andere gegen die Beamten aufzustacheln. Auch mit unwahren Behauptungen wie: "Hier war noch ein Weißer, der auch gepisst hat, und der wurde einfach gehen gelassen." Am Ende stellte sie sich vor das Einsatzfahrzeug und versuchte so, die Abfahrt zu verhindern. Auf der Wache konnten die Personalien des 35-Jährigen, der schwer alkoholisiert war, festgestellt werden.

Flaschen gegen Polizisten laufen unter "Kavaliersdelikt"

Fälle wie diese häufen sich seit einigen Wochen. Ein Grund dafür sei das "politische Klima", sagte gestern Engelbert Mesarec, Landesvorsitzender der Polizei-Gewerkschaft, dieser Zeitung. Beleidigungen und Angriffe auf Polizisten seien für viele Menschen nur noch ein "Kavaliersdelikt". Mesarec kritisierte deswegen wiederholt Politiker der Linken und der SPD, die sich wegen der rechtsextremen Vorfälle in der Polizei oder nach brutalen Einsätzen verallgemeinernd abfällig über Polizisten äußerten oder die Polizei unter Generalverdacht stellten. Der Gewerkschafter fordert unter anderem Körperkameras für mehr Polizisten und Überwachungstechnik an Polizeiautos, etwa an der Blaulichtbrücke.

"Nazis, Hitler, Rassist."

Tonaufnahmen wären in der Nacht auf gestern für Beamte im Gutleutviertel hilfreich gewesen. Um 3.20 Uhr nahmen sie am Baseler Platz einen 27-jährigen Mann fest, der in einem Streit zwei Arbeitskolleginnen attackiert hatte. Einer schlug er ins Gesicht, die andere verfehlte er mit dem Wurf eines E-Scooters nur knapp. Auf dem Revier beschimpfte er die Beamten: "Nazis, Hitler, Rassist."

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