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Hier war die Welt noch in Ordnung für die Pferdesportfreunde in Frankfurt: erster Renntag 2010 auf der Rennbahn in Niederrad.

Reitsport

Bürgerinitiative will neuen Rennklub gründen - Das ist der Plan dahinter

Bürgerinitiative Pro Rennbahn will es wissen: Sie macht sich stark "für die Rückkehr des Galoppsports nach Frankfurt". Doch erst einmal soll ein neuer Renn-Klub gegründet werden. Mit einer Online-Petition wirbt Pro Rennbahn um Unterstützer für eine neue Sportstätte.

Frankfurt - Die Galopprennbahn in Niederrad ist Geschichte, ein für alle Mal, unwiederbringlich. Auf dem ehemaligen Trainings- und Wettkampfgelände für Vollblutpferde an der Schwarzwaldstraße baut der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Leistungszentrum. Der Grundstein ist gelegt, die Arbeiten gehen voran. Der Frankfurter Renn-Klub ist bankrott, sein Vorstand zurückgetreten. Vor Gericht werde noch gestritten um einzelne Geldforderungen, gibt Christiane Weil-Daßbach auf Nachfrage zu Protokoll. Über deren Art und Umfang will sie keine Auskunft geben. Sie sei nicht mehr im Amt.

Weil-Daßbach war bis zuletzt Vizepräsidentin des Renn-Klubs. Mit Interesse verfolgt sie allerdings die jüngsten Aktivitäten der Bürgerinitiative Pro Rennbahn, die sich stark macht "für die Rückkehr des Galoppsports nach Frankfurt". So jedenfalls ist es auf der Homepage der Vereinigung zu lesen. Für deren Gestaltung zeichnet Oliver Pohl aus Krefeld verantwortlich. Nach übereinstimmendem Verständnis von Christiane Weil-Daßbach und Pohl ist er auch Sprecher von Pro Rennbahn. Der Rheinländer hat in Frankfurt Großes vor: einen neuen Renn-Klub gründen, eine "Pro-Rennbahn-Stiftung" errichten und mit eingesammelten Stiftungsgeldern einen Reitstall aufbauen. Der soll, führt Pohl aus, nicht in Frankfurt stehen: "Weil eine Sportstätte dafür ja nicht mehr vorhanden ist." Stattdessen wolle man sich nach Baden-Baden orientieren. Pro Rennbahn, laut Selbstbeschreibung "die Bürgerinitiative für die Rückkehr des Galoppsports nach Frankfurt", ruft gleich auch noch den "Renn-Klub Frankfurt Stiftungspreis" ins Leben. Die erstmalige Vergabe finde "bereits im kommenden Jahr" statt, tut Pohl kund. Ausgezeichnet werden sollen "Personen oder Institutionen, die sich für ein sportlich faires Miteinander in unserer Gesellschaft einsetzen". Der Stiftungspreis sei dotiert mit "zunächst 2000 Euro".

Bürgerinitiative Pro Rennbahn: Preis ausgeschrieben

Renn-Klub Frankfurt Stiftungspreis? Wie kann eine Auszeichnung benannt werden nach einem Klub, den es gar nicht gibt? "Den gründen wir neu", sagt Oliver Pohl gegenüber dieser Zeitung. Sieben Gründungsmitglieder zu finden, sei "kein Problem". Christiane Weil-Daßbach wäre wohl dabei. Die Besitzerin des Vollblutgestüts Etzean im Odenwald muss nun, nach Schließung der Frankfurter Rennbahn, ihre Pferde "in der ganzen Republik" verteilen, damit sie von Trainern auf Rennen vorbereitet werden und anschließend ihr Können auf dem Turf unter Beweis stellen. "Rennen sind für Vollblüter wichtige Zuchtprüfungen", erklärt Weil-Daßbach. An eine neue Rennbahn in Frankfurt, so willkommen ihr diese persönlich wäre, glaubt sie freilich nicht. "Aber irgendwo in Hessen sollte es eine geben", sagt sie. Es bedürfe ja nicht viel: eine ausreichend große Brache nahe einem Autobahnanschluss, auf dem man ein Geläuf anlegen, wo man Stallungen für die Pferde und eine Tribüne für Zuschauer errichten könnte.

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Bürgerinitiative Pro Rennbahn: Nach Baden-Baden

Mit solchen Gedanken befasst sich Oliver Pohl derzeit nicht. Er will dem Frankfurter Galoppsport auf ganz großer Bühne zu einem Comeback verhelfen: in Baden-Baden, auf der legendären Rennbahn Iffezheim.

"Die Bebauung unserer Rennbahn, Schauplatz größter sportlicher und gesellschaftlicher Höhepunkte betrachten Turffreunde aus aller Welt als Entweihung", schreibt Pohl auf der Webseite der Initiative Pro Rennbahn. Die Niederräder Rennbahn gleichsam als international beachtete Weihestätte edlen Pferdesportes zu überhöhen und ihren Abriss als "Entweihung" zu beurteilen, dürfte Geschmacksache sein. In einer Liga mit Baden-Baden indessen spielte sie nie. Iffezheim ist ein mondäner Ort mit großer Geschichte: 1858 gegründet, fanden dort zeitweilig die wichtigsten Galopprennen der Welt statt. Auch heute noch sind die Rennwochen exklusive Events des Baden-Badener Gesellschaftslebens mit internationalem Publikum. Zur Rennbahn gehören ein großes Trainingszentrum für Pferdesport und eine Pferdeklinik. In einer eigenen Auktionshalle werden mehrmals jährlich Englische Vollblüter versteigert. Bei der diesjährigen Jährlingsauktion bezahlte Scheich Mohammed, Herrscher von Dubai, 820 000 Euro für eine einjährige Stute.

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Der Baden-Badener Vollblutbetrieb ist all das, was Frankfurt selbst zu besten Zeiten der Rennbahn nicht war: exklusiv, teuer, international beachtet. Dennoch ist Pohl überzeugt, dass dort ein Rennstall unter der Regie eines neuen Renn-Klubs Frankfurt willkommen wäre, wie er auf Nachfrage bekräftigt. Es gehe ihm auch darum, mit einem noch zu gründenden, neuen Renn-Klub "die Historie des Galoppsports in der Stadt weiterzuführen". Pohl wirbt auf der Webseite um Unterstützer für eine Online-Petition, gerichtet an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), mit der Pro Rennbahn "Rückkehr unseres Galopprennsports und in Weiterung unverzügliche Gestellung einer entsprechenden Sportstätte" einfordert (https://www.prorennbahn-ffm.de/) Bisher hat, Stand Mittwochabend 20 Uhr, niemand unterschrieben.

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