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Frankfurt will neuen Stadtteil im Nordwesten jetzt beantragen

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Nur noch hier, östlich der A5, will Frankfurt den neuen Nordwest-Stadtteil bauen. Dafür muss die Höchstspannungsleitung versetzt werden. Vom neuen Lärmschutz entlang der Autobahn profitieren auch die Anwohner in Praunheim und der Nordweststadt. FOTO: leonhard hamerski
Nur noch hier, östlich der A5, will Frankfurt den neuen Nordwest-Stadtteil bauen. Dafür muss die Höchstspannungsleitung versetzt werden. Vom neuen Lärmschutz entlang der Autobahn profitieren auch die Anwohner in Praunheim und der Nordweststadt. © Hamerski

Nach Kritik aus der Region hat die Stadt Frankfurt das Neubaugebiet auf die Flächen östlich der A5 verkleinert.

Frankfurt -Die Vorprüfungen sind fertig, es wird ernst: Frankfurt will beim Regionalverband Rhein-Main den neuen Stadtteil im Nordwesten beantragen. Der soll nach Kritik aus der Region kleiner ausfallen und auf die Flächen östlich der A5 nach Praunheim und zur Nordweststadt hin beschränkt bleiben. Statt 21 000 könnten hier eines Tages aber immer noch 17 000 Menschen leben.

Die bisherigen Pläne für den „Stadtteil der Quartiere“ beiderseits der A5 waren auf Widerstand der Nachbarstädte gestoßen. „Wir haben die Kritik ernst genommen“, erklärt Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Frankfurt reduziere den Stadtteil von 118 auf 97 Hektar Siedlungsfläche. Statt 8400 sollen nur 6800 Wohnungen gebaut werden. Das Quartier Steinbach-Ost entsteht nicht.

Neuer Name: „Landschafts-Stadt“

Das sehen die weiterentwickelten Vorbereitenden Untersuchungen für den nach dem Dezernenten auch Josefstadt genannten Stadtteil vor. Die Stadt nennt das Projekt nun auch „Landschaft-Stadt“, da es sich besonders gut in die Landschaft im Taunus-Vorland einfügen soll. Die Planung werde den „neuen Erkenntnissen“ etwa in Sachen Klimaschutz gerecht, betont Josef. So bleiben die Bachtäler unangetastet, deren Grünflächen werden sogar vergrößert und sollen so die Frischluftverbreitung verbessern.

Wegen des Klimas sei es „wichtiger denn je“, dass der Stadtteil autoarm werde, sagt Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Durch U-Bahn und die S-Bahnen der Regionaltangente West werde er erschlossen, auch durch die Radwege in die Stadt und ins Umland. Pendlerfahrten würden vermieden, da Wohnungen und Arbeitsplätze beisammen entstünden. Anders als im Europaviertel oder auf dem Riedberg solle die Infrastruktur mit Nahverkehr, Kitas, Schulen und Naherholung fertig sein, bevor die ersten Bewohner einziehen, betont Josef.

Baubeginn erst Anfang der Dreißigerjahre

Ihm zufolge trägt die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt die reduzierten Stadtteil-Pläne. Nun muss das Stadtparlament diese beschließen. Danach kann Josef beim Regionalverband ein Zielabweichungsverfahren beantragen. Die Regionalversammlung Südhessen aus Vertretern aller Rhein-Main-Kommunen muss den Wünschen zustimmen. Nach diesem Okay kann Frankfurt in die konkrete Planung gehen. Nach einem weiteren Grundsatzbeschluss samt vorlaufender Bürgerbeteiligung, wie der Stadtteil konkret aussehen soll, kann die Stadt Bebauungspläne aufstellen und letztlich bauen. Eine Umsetzung scheint so kaum vor Anfang der Dreißigerjahre realistisch.

SPD und CDU arbeiten in der Regionalversammlung zusammen. Allerdings stemmt sich die CDU nicht nur im Hochtaunus, sondern seit kurzem auch in Frankfurt gegen den Stadtteil. 2019, damals in der Regierung, hatte sie ihn noch mitbeschlossen. Er sei zuversichtlich, dass sie zustimme, sagt Mike Josef. Schließlich sei es die CDU, die „am stärksten nach mehr Wohnbauland ruft“.

Josef rechnet mit Ja von Region und Frankfurter CDU

Auch aus der Region rechnet er nicht länger mit Widerstand. Mit den Bürgermeistern von Steinbach, Oberursel und Eschborn habe er bereits telefoniert, sagt der Stadtrat. Frankfurt habe ja auf die Kritik reagiert und den Stadtteil verkleinert. Westlich der A5 sollten die meisten Felder erhalten bleiben, die bisher monotone Landschaft allerdings durch neue Grünzüge und Naherholungsangebote aufgewertet werden. Wohnungsbau sei eine Aufgabe für alle im Rhein-Main-Gebiet, betont Josef. Der Bedarf an Wohnungen werde nicht nachlassen, da „Menschen dahin ziehen, wo Arbeitsplätze und Studienplätze sind“.

Wichtig sei vor allem, dass bezahlbare Wohnungen entstünden, was im Stadtteil geplant sei, damit sich nicht nur noch Reiche den Zuzug nach Rhein-Main leisten könnten. Der Nordweststadtteil sei „ein Angebot Frankfurts an die Region“, sagt der SPD-Politiker. „Wir wollen zeigen, dass wir unseren Teil beitragen wollen.“

Diese wichtigen Details enthält die Vorbereitende Untersuchung

Kein zweites Gebiet in Rhein-Main sei so gut wie der neue Stadtteil per Nahverkehr erschließbar, erklärt Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Dafür sollen die U7 und die künftige S-Bahn-Strecke der Regionaltangente West verlängert werden. Aktuell untersuche die Stadt „Varianten“, die Strecke bis Nordwestzentrum zu führen.

Mit dem neuen Stadtteil bekämen auch die Anwohner von Nordweststadt und Praunheim endlich Lärmschutz zur A5, betont Stefan Majer.

Da der Stadtteil kleiner wird, genüge die Erschließung über Stadtstraßen , sagt Majer. Eine überörtliche Straßenanbindung im „kritischen“ Bereich der Krebsmühle sei nicht mehr nötig.

Stadt und Land prüfen derzeit, ob am Rand des Stadtteils ein Park+Ride-Angebot an der Raststätte Taunusblick an der A5 gebaut werden kann, erklärt Majer. Die U7 würde dorthin verlängert.

Verschwinden muss die 380-Kilovolt-Leitung östlich der A5. Sie soll gebündelt werden mit der anderen Höchstspannungsleitung , die gleich westlich der A5 verläuft, erklärt Planer Stefan Kornmann vom Büro AS+P. Bis 400 Meter neben diesen Leitungen sind keine Wohnungen zulässig.

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