Die Initiative Radentscheid rollte gestern Abend zur Entscheidung des Stadtparlaments einen roten Teppich auf dem Römerberg aus. Foto: Kammerer

Radentscheid 

Frankfurt wird Fahrradstadt: Diese Maßnahmen werden umgesetzt

  • schließen

Das Stadtparlament hat entschieden: Frankfurt wird zur Fahrradstadt. Die Maßnahmen gehen auf die Kernforderungen der Bürgerinitiative "Radentscheid" zurück.

Frankfurt - "Die Autostadt Frankfurt ist ab heute Geschichte. Wir haben Großes geschafft." Das sagte Norbert Szep, Mitinitiator des Frankfurter "Radentscheids" gestern Abend vor dem Römer. Dort hatten sich rund 50 Unterstützer der Bürgerinitiative versammelt, einen roten Teppich für Fahrradfahrer ausgerollt und mit Sekt angestoßen. Grund zu feiern gab es allemal. Während Szep und seine Mitstreiter vor dem Rathaus "Frankfurt ist bereit für den Radentscheid" skandierten, stimmten die Stadtverordneten einem Antrag von CDU, SPD und Grünen zu, der Frankfurt in den kommenden Jahren zur Fahrradstadt machen soll.

Die darin beschlossenen Maßnahmen gehen auf die Kernforderungen der "Radentscheid"-Initiative zurück, die 40.000 Unterschriften für bessere Radwege gesammelt hatten und ein Bürgerbegehren anstrebten. Dieses wurde zwar seitens des Magistrats als rechtlich unzulässig bewertet, in monatelangen Verhandlungen konnte man sich dennoch auf einen langen Maßnahmenkatalog einigen.

Radwege werden deutlich breiter – Fahrspuren fallen weg

  • Bis 2023 sollen mindestens 45 Kilometer Radverkehrsanlagen neu gebaut oder umgestaltet werden. Zuerst steht ein Umbau von Bockenheimer Landstraße, Schwarzwaldstraße/Rennbahnstraße und Schweizer Straße an.

  • Auf der Bockenheimer Landstraße soll eine Fahrspur wegfallen, damit der Bestandsradweg verbreitert werden kann. 2019 soll die Vorplanung, 2021 der Umbau erfolgen. Mit derselben zeitlichen Vorgabe soll der Umbau der Schwarzwaldstraße/Rennbahnstraße vorangetrieben werden.

  • Auf der Schweizer Straße ist vorgesehen, 2020 einen städtebaulichen Wettbewerb auszuloben. Dieser soll auf Vorschläge aus der Ausstellung "Fahr Rad!" im Deutschen Architekturmuseum im Jahr 2018 zurückgreifen.

Provisorische, bauliche Trennung der Radwege auf Hauptstraßen in Frankfurt

  • An sieben weiteren Hauptstraßen sieht die Koalition eine provisorische, bauliche Trennung der Radwege vor. Diese kann zum Beispiel durch Leitelemente mit Baken, den sogenannten Klemmfixen, oder Abtrennungen aus Stein erfolgen. Die Testphase dauert ein Jahr und wird evaluiert.
  • Auf der Konrad-Adenauer- und der Kurt-Schumacher-Straße wird zwischen Battonnstraße und Friedberger Tor ein auf diese Weise baulich getrennter Radfahrstreifen eingerichtet, ab 2019 in Richtung Norden, ab 2020 in Richtung Süden.
  • Der Radfahrstreifen auf der Friedberger Landstraße zwischen Friedberger Tor und Friedberger Platz wird baulich getrennt, ab 2020. Ab dort wird der Radverkehr über Rotlintstraße zur Egenolffstraße geführt.
  • Weitere provisorisch getrennte Radwege sind zudem auf der Mörfelder Landstraße und Offenbacher Landstraße, der Mainzer Landstraße und an der Schönen Aussicht vorgesehen.
  • In der Hanauer Landstraße ist ebenfalls ein provisorisch getrennter Radweg vorgesehen. Zwischen Ostbahnhof und Ratsweg-Kreisel werden die Bestandsradwege in beide Richtungen optimiert. Auf der Südseite soll auf die Stellplätze auf dem Bord verzichtet werden, dafür entsteht ein breiter Rad- und Fußweg. Auf der Nordseite soll der vorhandene Rad- und Fußweg durch bestandsnahe Lösungen (bauliche Absicherungen, Verzicht einzelner Stellplätze) verbessert werden. Zwischen Anlagenring und Ostbahnhof wird in beide Richtungen eine Markierungslösung mit baulicher Absicherung angestrebt. Der Radfahrstreifen soll durch den Verzicht der Stellplätze auf der rechten nicht mehr genutzten Fahrspur eingerichtet werden. Ferner soll die sichere Führung auf Parallelrouten als Alternative geprüft werden.
  • Von 2020 bis 2025 sollen jedes Jahr mindestens fünf Kilometer Nebenstraßen fahrradfreundlich gestaltet werden, etwa durch die Ausweisung von Fahrradstraßen, Gehwegnasen oder die Sperrung von Durchfahrten. Das ist unter anderem auf dem Oeder Weg, der Frankenallee und dem Grüneburgweg vorgesehen.

Hanauer Landstaße: Fallen Fahrspuren weg, um die Radverkehrsführung errichten zu können?

  • Zwischen Baseler Platz und Platz der Republik wird in Fahrtichtung Norden eine provisorische Radverkehrsanlage geschaffen, die baulich abgesichert wird, außer dort, wo zwingende Gründe dagegen sprechen. Die Einrichtung der Radverkehrsführung findet zu Lasten von Stellplätzen bzw. Fahrspuren statt. Ein Entfall von Fahrspuren setzt eine positive Kapazitätsprüfung voraus. In Fahrtrichtung Süden soll ebenfalls eine Radfahrstreifenlösung erarbeitet werden und - vorbehaltlich etwaiger Baustelleneinrichtungsflächen der DB-Maßnahme zur Umgestaltung der B-Ebene - als provisorische Lösung ermöglicht werden.
  • Außerdem sollen in den nächsten Jahren weitere Nebenstraßen für den Radverkehr attraktiv umgestaltet werden, bevorzugt vor Kitas und Schulen, in Wohngebieten und Gebieten mit hoher Verkehrsdichte. Der Magistrat wird beauftragt, ein Maßnahmenpaket für die Jahre 2020 bis 2025 zu entwickeln, das auch die Einrichtung neuer Fahrradstraßen berücksichtigt. Es wird angestrebt, pro Jahr mindestens fünf Kilometer (wenn möglich bis zu zehn Kilometer) Nebenstraßen fahrradfreundlich umzugestalten. 

jlo/red

Kommentar von Simone Wagenhaus: Den ganzen Verkehr im Blick haben

Der Radentscheid hat es geschafft, den Politikern auf die Sprünge zu helfen. In einer rekordverdächtigen Zeit. Gerade einmal anderthalb Jahre hat es gedauert vom Acht-Punkte-Plan der Initiative "Radentscheid Frankfurt" bis zum Beschluss des Antrags "Fahrradstadt Frankfurt", den die Römerkoalition gestellt hatte. Die Zeichen stehen auf Grün. Für Fahrradfahrer. Nur für sie.

Zählungen haben gezeigt, dass die Zahl der Radfahrer in der Innenstadt in den vergangenen Jahren enorm gestiegen ist. Und ja, deshalb führt kein Weg daran vorbei, Verkehrsflächen umzuverteilen. Logisch, das geht nur zulasten des Autofahrer, die schon seit vielen Jahren von Regierenden und Lobbyisten im Straßenverkehr gegängelt werden. Autofahrer sollten mittlerweile kapiert haben, dass sie keine Zukunft in der Innenstadt haben - nicht erst seit der Mainkai-Sperrung, steigenden Preisen fürs Parken oder Roten Wellen auf Hauptverkehrsstraßen. Die Verkehrspolitiker und allen voran der Dezernent sollten sich besser an einem funktionierenden Verkehr als an der Bevorzugung einzelner Verkehrsmittel orientieren. Denn davon ist die Stadt weit entfernt.

Auch interessant: Bald gilt Tempo 30 auf der Schloßstraße in Frankfurt - damit Radfahren sicherer wird

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare