Der Plan ist Frankfurt von Autos zu befreien. Die Stadt setzt dabei vor allem auf Parkscheinautomaten.
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Der Plan ist Frankfurt von Autos zu befreien. Die Stadt setzt dabei vor allem auf Parkscheinautomaten.

Luftreinhalteplan

Pendeln wird deutlich teurer: Frankfurt mit mehr Parkscheinzonen vollgepackt 

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Mit dem Auto nach Frankfurt zu pendeln soll sich in Zukunft weniger lohnen. Die Pläne der Stadt haben es in sich.

Frankfurt – Für Autofahrer wird es in Frankfurt in den nächsten Jahren erheblich teurer. Sie werden an viel mehr Stellen als bislang fürs Parken ihrer Blechkarossen zahlen müssen. Die Stadt will dafür die Zahl der Parkscheinautomaten bis 2025 annähernd verdreifachen.

In die Stadt fahren und das Auto kostenlos abstellen: Diese bequem günstige Art der Fortbewegung ist in immer weniger Bereichen Frankfurts möglich. Nach und nach richtet die Stadt neue Parkscheinzonen ein. Im vorigen Jahr ging es in Bornheim los, jetzt geht es im Westend weiter.

Zu diesem Abkassieren der Autofahrer hat sich die Stadt sogar verpflichtet - im Luftreinhalteplan des Landes. Das Ziel: Weniger Abgase sollen die Luft verpesten, wenn Autofahrer über die Parkgebühren dazu gedrängt werden, lieber per Bahn, Bus oder Fahrrad in die Stadt zu kommen.

Mit dem Auto nach Frankfurt: Stadt plant deutlich mehr Parkscheinautomaten

Für die neuen Parkscheinzonen muss die Stadt in den nächsten Jahren viele Stadtteile mit Parkscheinautomaten pflastern. So soll deren Anzahl bis 2025 auf bis zu 1446 nahezu verdreifacht werden, kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) namens des Magistrats auf eine Anfrage der AfD-Fraktion hin an.

Bis vor kurzem lag die Zahl der Ticketmaschinen noch bei recht konstant knapp über 300. Sie stieg, auch durch die vier neuen Parkzonen im Frankfurter Stadtteil Bornheim, voriges Jahr bereits auf 546. Nun sollten 2021 und 2022 jedes Jahr bis zu 240 Automaten hinzukommen sowie 2023 und 2024 dann bis zu 210. Wie viele genau, hänge vom Tempo beim Ausbau der Anwohnerparkzonen ab, so Oesterling.

Die Zahl der Parkscheinautomaten in Frankfurt wird in den kommenden Jahren deutlich steigen, um Autos aus der Stadt fernzuhalten.

Autofahren in Frankfurt: Bornheim als Vorbild – Parken für Pendler unattraktiv

Dabei sollten zunächst alle bestehenden Anwohnerparkzonen auf Parkscheinpflicht umgestellt werden, kündigt er an. Danach würden dann neue Parkschein- und Anwohnerparkzonen in weiteren Stadtteilen nach dem Bornheimer Vorbild eingerichtet. Das bewertet der Magistrat als Erfolg: "Die bisher bekannt gewordenen Rückmeldungen zeigen, dass die beabsichtigten Wirkungen überwiegend eintreten."

So sei Bornheim als Parkmöglichkeit für Pendler unattraktiv geworden. Anwohner hätten dagegen "überwiegend profitiert" und fänden einfacher einen Parkplatz, ebenso ihre Besucher. Um in der Parkscheinzone zu parken, können Anwohner für ihre Autos zwei Jahre gültige Parkausweise für 50 Euro erhalten. Allerdings gibt es auch Beschwerden: Vor allem ortsansässige Gewerbetreibende in Frankfurt leiden unter den nun kostenpflichtigen Parkplätzen.

Plan für weniger Autos in Frankfurt – unfair gegenüber Gewerbetreibenden?

"Eine Regelung für Gewerbebetriebe in den bewirtschafteten Bewohnerparkbereichen ist in der abschließenden Diskussion", erklärt der Magistrat. Sie sollen künftig Gewerbeparkausweise erhalten können, ebenso gebe es Ausnahmegenehmigungen etwa für Handwerker und soziale Dienste. "Kleine Änderungen" wie zum Beispiel die Erlaubnis zum Parken auf beiden Straßenseiten in den meisten Grenzstraßen von Parkzonen seien bereits umgesetzt worden.

Für die Parkscheinautomaten muss die Stadt durchaus Geld in die Hand nehmen: Einmalig fallen für der Aufbau je Gerät gut 480 Euro an, dann kostet jedes knapp 1800 Euro pro Jahr, nach zehn Jahren dann 1300 Euro jährlich. Das summiert sich allein für die 190 in Bornheim neu aufgestellten Parkscheinautomaten auf Kosten von nahezu 3,5 Millionen Euro innerhalb von zehn Jahren.

Parken in Frankfurt: Keine Förderung für E-Autos

Unterm Strich aber bleibe in der Stadtkasse durch den Betrieb aller Automaten ein Plus hängen, betont Oesterling. Wobei sich nicht jedes einzelne Gerät rechnet: Einige Standorte "im Außenbereich der Stadt" lohnten sich nicht. "Aber wir haben keine Alternative, da wir uns ja zur Aufstellung verpflichtet haben", erinnert der Dezernent. Hohe Einnahmen aus vielen der Automaten in der Innenstadt mit ihren meist auch höheren Parkgebühren machten das aber mehr als wett.

Bei den neuen Parkscheinzonen gehe es zudem nicht allein um die Luftreinhaltung, räumt Oesterling ein. Sie zielten auch "generell auf die Bewältigung der Probleme im Zusammenhang mit der übermäßigen Flächeninanspruchnahme des motorisierten Individualverkehrs". Wieso aber nutzt die Stadt dann die neuen Parkscheinzonen nicht, um etwa abgasfreie Elektroautos zu fördern und ihnen das Parken zu gestatten?

Solche Privilegierungen seien "nur als temporäre Anreize zur Flottenumstellung zu bewerten", heißt es aus dem Römer. Wenn die Zahl der E-Autos nämlich nun deutlich stärker zunehme, müsse ein solches Privileg wieder zurückgenommen werden - weil ja generell weniger Autos auf den Straßen abgestellt sein sollten. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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