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Frankfurt wird zum deutschen Dartsport-Mekka

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Von: Judith Dietermann

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Optimale Bedingungen: Erst jüngst hat der TSV Ginnheim die Darträume modernisiert. Zu den bereits vorhandenen vier Dartscheiben kamen im Nebenraum vier weitere hinzu.
Optimale Bedingungen: Erst jüngst hat der TSV Ginnheim die Darträume modernisiert. Zu den bereits vorhandenen vier Dartscheiben kamen im Nebenraum vier weitere hinzu. © Bernd Kammerer

Die deutsche Dart-Welt schaut im Juni nach Frankfurt. Dort bereitet der TSV Ginnheim Herausragendes vor.

Rauchige Räume und klirrende Gläser, johlende Spieler und dauerpiepsende Scheiben. All das findet man im Untergeschoss des TSV Ginnheim nicht, sondern genau das Gegenteil. Überraschend ruhig ist es in dem langgezogenen Raum. Konzentriert stehen junge und ältere Männer vor den vier Dartscheiben, die dort nebeneinander an der Wand hängen. Ruhig halten sie einen Pfeil in der Hand, den sie zielgenau abwerfen. Und treffen. Nichts piept.

Kann es auch gar nicht, erklärt Peter Glatthorn, der auf einem Hocker an der kleinen Bar direkt neben der Tür sitzt. Denn beim TSV Ginnheim wird kein Electronic-Dart, sondern Steeldart gespielt.

Kneipensport? Die Zeiten sind lange vorbei

"Das ist ein sehr großer Unterschied", sagt Glatthorn und trinkt einen Schluck von seinem Bier. Das ist, neben der Bar, aber auch das einzige, was in dem Dartraum an eine Kneipe erinnert. Den Ruf eines typischen Kneipensports habe das Dartspiel im Verein längst hinter sich gelassen, sagt Glatthorn. Er ist der Abteilungsleiter der Dart-Abteilung beim TSV, die mittlerweile 50 Mitglieder zählt, Tendenz steigend. Zu verdanken sei dies auch den Sportsendern, die seit einigen Jahren alle großen Turniere im TV übertragen. "Das Interesse ist enorm gestiegen, vor allem bei der Jugend", sagt Glatthorn, der auch im Verein einen Generationswechsel beobachtet.

Junge Spieler folgen auf ihn und seine Kollegen, die 1995 als die "DC Wanderers" - so nannte man sich, weil man von Kneipe zu Kneipe zog - den Dartsport zum TSV brachten. Mittlerweile spielt Glatthorn mit seinem Sohn in einer Mannschaft. Auch seine Frau ist seit 25 Jahren engagiert, als gute Seele und Fahrerin. Eine echte Dartfamilie sind die Glatthorns geworden.

Schon 2008 gab es einen riesigen Erfolg

Vier Mannschaften, in der Hessen-, Bezirks- und Kreisliga hat der TSV Ginnheim derzeit gemeldet. Gerne würde er wieder an die Erfolge von vor ein paar Jahren anknüpfen. Wie der Pokalsieg 2008 oder die Jahre in der Bundesliga. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt der TSV-Vorsitzende Thomas Budenz.

Wegen des steigenden Interesses am Dartsport, bei dem es, so Glatthorn, vor allem auf Konzentration und Geschicklichkeit ankomme, hat sich der Verein vor einigen Jahren entschieden, die Darträume zu erweitern und zu modernisieren. Acht Scheiben in zwei Räumen gibt es mittlerweile. Neben jeder Scheibe hängt ein Bildschirm, auf dem die noch zu treffenden Punkte angezeigt werden, denn beim Dart wird heruntergezählt bis Null: von 501, 701 oder 1001, abhängig davon, ob im Einzel oder Team gespielt wird.

"Da muss man gut rechnen können", so Glatthorn. Denn was beim E-Dart die Maschine übernimmt, wird beim Steeldart noch manuell durch einen Schreiber erledigt. Auch die Pfeile sind andere. Und: Beim Steeldart zählt der Punkt nur, wenn der Pfeil in der Scheibe stecken bleibt.

Nationalmannschaft trainiert beim TSV

Längst haben sich die optimalen Spielmöglichkeiten beim TSV herumgesprochen, schon seit Längerem bietet der Deutsche Dart Verband (DDV) dort Kadertraining für die Nationalmannschaft an. "Wir haben eine der schönsten Anlagen in Hessen", sagt Thomas Budenz. Diese ermöglicht es dem Verein jetzt, das größte deutsche Amateurturnier auszurichten - die DDV German Masters am 18. und 19. Juni.

Am Samstag soll der Länderpokal, bei dem jedes Bundesland Teams mit je mit acht Spielern stellt, am Sonntag die Amateurmeisterschaft stattfinden. Rund 500 Spieler werden in Ginnheim zu Gast sein. Für den Verein, der vom Verband für das Turnier angesprochen wurde, eine Herkules-Aufgabe. "Wir werden alle verfügbaren Säle nutzen. Alleine bei den Männern werden 32, bei den Frauen 16 Teams an den Start gehen. Hinzu kommt noch die Jugend", sagt Peter Glatthorn.

Um die Unterbringung kümmert sich der Verband, um das Catering, das auf dem Parkplatz geplant ist, der Verein. 20 Ehrenamtliche haben sich bereits bei Thomas Budenz für die Organisation gemeldet. Ob das reichen wird? Ich denke schon, meint er. Wohl wissend, dass vor ihm und dem Verein nun sechs anstrengende Wochen liegen. Denn solch ein Turnier habe man bislang noch nicht ausgerichtet.

"Wir sind aber sehr stolz darauf. Denn es zeigt, dass wir als Verein alles richtig gemacht haben. Es ist ein Aushängeschild für uns und unsere Arbeit", sind sich der Vorsitzende und Peter Glatthorn einig. (judith dietermann)

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