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Alt-Sachsenhausen ist beliebt bei Einheimischen und Touristen.

Unzumutbarer Lärm

Sperrstunde in Alt-Sachsenhausen? Kult-Wirt schlägt Alarm

Seit 1886 steht am Neuen Wall das Apfelweinlokal "Der Klaane Sachsehäuser". Der Wirt Manfred Wagner lebt seit 82 Jahren im selben Haus. Im Gespräch weist er auf die - hausgemachten - Probleme des Viertels hin.

Frankfurt - Der weißhaarige Mann mit den flinken Augen schmunzelt. "Mein Tinnitus ist extrem stark. Darum höre ich auch schlecht. Das ist gut so, wenn am Wochenende nachts in der Klappergass' gegrölt wird." Manfred Wagner (82) ist über dem Gasthaus "Der Klaane Sachsehäuser", das seit fünf Generationen als Familienbetrieb geführt wird, groß geworden. Die Situation im Viertel findet er "ziemlich verfahren". Alle Lokale, die der Initiative AltSaxNeu angehören, haben unterschrieben, dass sie zur "Verringerung der Lärmemission nach 1 Uhr Türen und Fenster schließen, Gäste vor der Tür nach 1 Uhr auf Lärmbelästigung hinweisen und keine unangebrachte oder zu laute Musik spielen". Dazu gehört auch Manfred Wagner. "Was bringt das, wenn es in vielen Lokalen erst um 23 Uhr richtig los geht?", fragt er sich kopfschüttelnd. Party bis 6 Uhr morgens, das ist im Viertel normal.

Alt-Sachenhausen: Früher herrschte mehr Ruhe

Wagner ist überzeugt, dass selbst in den 1980er Jahren, als die Amerikaner noch Alt-Sachsenhausen unsicher machten, "mehr Ruhe und Ordnung herrschte als heute". Da habe es eine Sperrstunde gegeben und dann sei "ab zwei Uhr Ruhe gewesen".

Vieles laufe seither falsch. Denkmalgeschützte Gebäude, die zehn Jahre lang leer stehen und dann doch abgerissen würden, der immer noch leerstehende Paradieshof, in dem Wagner so gern das Apfelweinmuseum gesehen hätte. Und Konzessionen, die die Stadt an Betriebe vergibt, "die hier gar nicht reinpassen".

Der Wirt beklagt, dass die Ämter die Verantwortung "im Kreis immer wieder hin- und herschieben". Die Lösung der Probleme sei nicht, Apfelbäume im Viertel zu pflanzen, wie es die FDP jüngst vorschlug, um die Apfelweinkultur des Viertels mehr herauszustellen. Sondern: "Ein wenig mehr Rücksicht aufeinander. Dann schon gäbe es deutlich weniger Krach und Schlägereien." Die Wirte selbst könnten darauf achten, ihre Gäste zur Ruhe zu ermahnen und auch selbst nicht früh morgens mit Riesenradau Bänke aufeinander zu knallen, sondern diese leise aufeinander zustapeln.

Wünscht sich ein etwas ruhigeres Alt-Sachsenhausen: Manfred Wagner, gebürtiger Sachsenhäuser.

In Reiseführern werde oft für Alt-Sachsenhausen als Paradies der Apfelweinlokale geworben. "Dann kommen die Touristen und finden mittendrin Cocktail-Bars und grölende Jugendliche. Wenigstens ein paar Eimer Farbe auf verrotteten Fassaden" würden das Bild angenehmer für Gäste machen. Das hat die Initiative AltSaxNeu derweil schon veranlasst.

"Mehr Dreck zu entsorgen, würde die Laune auch steigen lassen", sagt Wagner, der täglich die Straßenreinigung zu sich holt. Im Innenhof des Lokals, in dem früher der eigene Äppler gekeltert wurde, sitzen Gäste und erzählen von früheren Zeiten. Von Künstler- und Damen-Stammtischen, von Küfer und Prominenz. Opernsänger René Kollo war hier, Tierfilmer und Zoodirektor Bernhard Grzimek mit seinem Sohn, die Jacobs-Sisters in ihrer Blütezeit, und Weltstar Sophia Loren hat Wagner persönlich vom Flughafen abgeholt.

Alt-Sachsenhausen: Stammtische werden immer weniger

"Die Zeiten sind hektisch geworden. Früher gingen Stammtische um 16 Uhr los. Jetzt gibt es nur wenige und die beginnen deutlich später." Schön sei es trotzdem, wenn alle vier Wochen die Handballer von früher kommen, die Altsportler und alle drei Monate die Sänger. Und die alten Wirte Frankfurts, die alle sechs bis acht Wochen zusammenkommen. "Junge Leute nehmen sich für Stammtische keine Zeit mehr, das ist schade", findet Wagner.

Der gelernte Metzger gehörte einst zum singenden Quartett in Sachsenhausen. "Wir sind vierstimmig aufgetreten. Wolfgang Wagner von den Drei Steubern, mit dem wir nicht verwandt sind, mein Sohn Michael, Küfer Heinrich Hinnerkopp und ich." Er singt immer noch gern. Und er keltert noch - "aber nur noch ein bisschen Süßen und etwas Rauscher". Wenn Wagner unterwegs ist, fährt er mit dem Rad, arbeitet jeden Tag im Lokal. "Da hängt mein Herz dran. Das werde ich bis zu meinem Ende machen und dann das Feierabendlied anstimmen." Bis dahin sei noch viel Zeit. "Vielleicht erlebe ich noch einmal ein urig-gemütliches Alt-Sachsenhausen, in dem sich jeder wohl fühlt. Ohne Radau, Krawall und mit ganz viel Ebbelwoi."

Von Sabine Schramek

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