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Die Corona-Pandemie hat die Gastronomie hart getroffen. Im gemalten Haus in Sachsenhausen betrug der Umsatz zuletzt wegen der coronabedingt geringeren Zahl an Sitzplätzen nur etwa 60 Prozent des Vorjahresumsatzes. Nun mussten die Wirte erneut schließen.

Corona-Pandemie

Frankfurter Gastronomie im Krisenmodus: Wann kommt die finanzielle Hilfe?

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Die Corona-Pandemie hat die Gastronomie hart getroffen. Weil es bei der Berechnung oft offene Fragen gibt, ist die Höhe der Novemberhilfe noch unklar.

Frankfurt - Auch wenn es noch viele Unklarheiten gibt, hoffen Frankfurts Gastronomen auf die vom Staat versprochene Novemberhilfe. Laut Ankündigung dürfen sie auf bis zu 75 Prozent des Novemberumsatzes 2019 hoffen. Seit zu Monatsbeginn der Lockdown-light verhängt wurde, um die steigenden Corona-Zahlen zu senken, sind die Lokale zu. Grob gerechnet müssen Wirte ein Viertel ihres Umsatzes einplanen, um Lieferanten wie Brauereien, Großmarkt oder Metzger bezahlen zu können. Dieser Kostenfaktor entfällt derzeit, so dass sie von der Novemberhilfe ihre übrigen Ausgaben wie etwa die Miete decken können.

Die meisten Wirte, deren Restaurants und Kneipen zu sind, sind optimistisch, was die Hilfe betrifft. "Bis jetzt sieht es sehr gut aus. Unsere Kosten werden gedeckt, vielleicht sogar etwas mehr. Dann können wir Rückstände der Vormonate begleichen", sagt James Ardinast, Inhaber der Ima Clique, die Restaurants und Bars in Frankfurt betreibt.

Robert Theobald, Wirt in der Buchscheer in Sachsenhausen, will die Hilfe "selbstverständlich" beantragen. "Sobald es möglich ist, läuft das über unseren Steuerberater." Den November übersteht Theobald bislang, indem er an zwei Tagen pro Woche Apfelwein verkauft. "Die Gebinde können auch über meinen Bruder bezogen werden, der in der Oppenheimer Landstraße ein Fahrradgeschäft hat", so Theobald.

Frankfurter Gastronomie im Krisenmodus: Steuererklärung noch nicht gemacht

Der Unterschied zum Lockdown im Frühjahr: "Wir haben diesmal keinen Speiseverkauf. Die Küche ist komplett zu." Grund: Viele Leute arbeiten wieder, die Kinder sind auch in der Schule, die Situation ist also für die Kunden nicht so ungewöhnlich wie im Frühjahr. Es war warm, alle wollten raus, die Eltern hatten keine Lust mehr zu kochen - da lief das Verkaufsgeschäft. Allerdings, wenn am 2. Dezember nicht wieder geöffnet werden dürfe, will Theobald fertig gebackene Weihnachtsgänse mit Beilagen portionsweise verkaufen. So lange ist die Küche zu.

Andreas Eggenwirth, Koch und Inhaber der Genussagentur gourmetConnect in Preungesheim, hat noch Zweifel. "Ich habe noch nicht herausgefunden, ob die Hilfe brutto oder netto ist", sagt er. Maximilian Podstawski, Sprecher des Bundesfinanzministeriums, hilft: Die Umsatzhilfe wird netto berechnet.

Angerechnet wird sie auf Umsätze, die im Gastraum gemacht wurden. Diese unterliegen einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Es ist insofern ohne Bedeutung, ob die 19 Prozent als Umsatzsteuer an das Finanzamt weitergereicht werden müssten. Eggenwirth sieht noch andere Probleme: "Viele Gastronomen haben die Steuererklärung 2019 noch nicht gemacht." Entsprechend gibt es keine Angaben zum Umsatz. Podstawski dazu: "Wer noch keinen Steuerbescheid für 2019 hat, kann die Umsätze anderweitig nachreichen."

Richtig ist, wie Eggenwirth erfahren hat, dass das Kurzarbeitergeld auf die 75 Prozent Erstattung angerechnet wird. Wer also Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt und damit Lohnkosten spart, erhält weniger Umsatzausgleich. "Man muss", sagt Eggenwirth, "genau überlegen, ob es sich rechnet, die Leute in Kurzarbeit zu schicken." Er räumt ein, dass die Unkosten für den Gastronomen geringer sind als im Vorjahr, weil die Warenkosten wegfallen. Doch seien in Frankfurt der Großteil der Kosten Fixkosten, etwa Miete.

Frankfurter Gastronomie im Krisenmodus: Lieferanten warten auf ihr Geld

"Wir Gastronomen sind die ersten, die bei einer Wirtschaftskrise hinten runterfallen, und die letzten, die nachher spüren, wenn es wieder bergauf geht", sagt Eggenwirth. "Was glauben Sie, was noch an Rechnungen zu zahlen ist. Der Metzger, der Getränkelieferant, die warten auf ihr Geld." Viele Gastonomen, gerade die ganz kleinen, seien auf Kante genäht und wursteln von Tag zu Tag. Oft hängt die ganze Familie des Gastronomen daran. Momentan seien die Insolvenzgesetze noch ausgesetzt, bis März 2021. "Wir müssen mal sehen, wer danach noch da ist."

Robert Mangold vom Tigerpalast sieht noch andere Probleme: Der Tigerpalast kann wegen der Abstandsregeln nur 40 Prozent des Publikums aufnehmen. Die Plätze fürs Weihnachtsprogramm waren bis Mitte Dezember verkauft. Die Produktion koste schon vor der Premiere 45 000 bis 50 000 Euro. "Wir hoffen, dass wir das mit der Novemberhilfe ersetzen können", so Mangold. Die Verluste des Tigerpalastes seien über das Jahr gerechnet sicher sechsstellig. "Wir können zum Glück im September wieder starten. Das Eigenkapital wurde erhöht, es sind Privatmittel der Gesellschafter."

Wie hoch die Novemberhilfe sein wird, weiß Mangold nicht genau. "Es gibt noch keine Ausführungsbestimmungen, und erst darin stecken die Details." Bislang sei ihm gesagt worden, dass die im März erhaltene Soforthilfe eingerechnet werde. Auch Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen werden eingerechnet, mithin abgezogen. Allerdings beruhigt Podstawski: "Eingerechnet werden lediglich diejenigen Überbrückungshilfen, die im November bezogen wurden." Es gibt also keine rückwirkende Verrechnung der Überbrückungshilfen aus dem März und April diesen Jahres.

Die Einzelhändler sind in jedem Fall schlimmer dran. Wie berichtet, schließen einige Kaufhäuser auf der Zeil jetzt schon vor 20 Uhr, weil die Kunden wegbleiben. Die Kundenfrequenz ist stark zurückgegangen. "Es war schon vor dem Lockdown schlecht. Zurzeit ist es noch weniger", sagt Ernst Schwarz vom Dachverband der Gewerbevereine. Mancher Modehändler frage sich, wie er die Winterware bezahlen solle, wenn das Lager noch voll ist von der Frühjahrsware. (von Thomas Schmidt)

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